Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Serie 750 Jahre: 1848 griffen die Neustadter zu den Waffen

Auf der Wolfsburg wurden 1848 Erinnerungen ans Hambacher Fest wach.
Auf der Wolfsburg wurden 1848 Erinnerungen ans Hambacher Fest wach.

Natürlich steht im Herz der Weinstraße oft das Hambacher Fest im Fokus. Doch auch bei der Revolution von 1848 mischten die Neustadter gehörig mit.

Als Johann Philipp Abresch am 28. Mai 1848 auf der Wolfsburg die Fahne des Hambacher Festes erneut entfaltete, da glaubten wahrscheinlich viele der Umstehenden, die Ziele von 1832 seien in greifbarer Nähe. Für das Hambacher Fest hatte Abresch eine schwarz-rot-goldene Fahne fertigen lassen, die er beim Demonstrationszug vom Neustadter Marktplatz hinauf zum Schloss trug. Nun, 16 Jahre später, entfaltete er sie also wieder, wieder bei einem Fest, diesmal auf der Wolfsburg. Neustadt war in revolutionärer Stimmung. Die Februarrevolution in Frankreich, die am 24. Februar 1848 die Herrschaft von König Louis-Philippe beendete, strahlte nach Deutschland aus.

Bereits am 3. März wurden in Neustadt politische Forderungen erhoben, zu denen die allgemeine Volksbewaffnung gehörten, die Pressefreiheit und die Errichtung eines deutschen Parlaments. Zudem solle das Militär einen Eid auf die Verfassung schwören. Am 14. März beschloss der Neustadter Stadtrat tatsächlich die Volksbewaffnung und schickte eine Abordnung nach München, wo sich König Ludwig I. in heftigen Turbulenzen befand und am 20. März dann auch abdankte. Wobei hier die Affäre mit der Tänzerin Lola Montez keine unwesentliche Rolle spielte.

Am 18. April fanden Wahlen zum deutschen Parlament statt, am 18. Mai wurde die deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eröffnet, begleitet von großen Hoffnungen auf Einigung und Demokratisierung Deutschlands. Unter diesem Eindruck dürfte zehn Tage später auch das Fest auf der Wolfsburg gestanden haben.

Jubel für die Republik

Was danach geschah, listet ein Heft auf, das 1948 herausgegeben wurde und eine Erinnerungsausstellung im Neustadter Saalbau begleitete. So kam es am 12. Juni, Pfingstmontag, zu einer großen Kundgebung am Neustadter Bahnhof mit Abgeordneten aus Frankfurt. Am 16. Juli wurde der Bürgerwehr auf dem Marktplatz eine „von Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahne“ feierlich übergeben.

Am 25. Januar 1949 gab es in Winzingen noch ein großes Bankett „zur Jahresfeier der Revolution“. Doch dieser ging so langsam die Luft aus, bekanntlich bekamen die Monarchen wieder die Oberhand, was man in der Pfalz aber nicht akzeptieren wollte. Am 6. Mai sollen es etwa 8000 Menschen gewesen sein, die am Neustadter Bahnhof die republikanische Regierungsform jubelnd annahmen. Im Mai kamen fast täglich Soldaten nach Neustadt, die das in Landau stationierte bayerische Militär verlassen hatten, um sich dem Volksheer anzuschließen. Dem Dienst an der Waffe blickte aber nicht jeder freudig entgegen. Am 7. Juni wurde dem Bürgermeisteramt in Neustadt verboten, Trauungen vorzunehmen, weil offenbar wehrpflichtige junge Männer heirateten, um der Einberufung zu entgehen.

Das Revolutionsheer konnte den Truppen der Monarchen bekanntlich dennoch nicht lange standhalten. Neustadt wurde am 16. Juni von preußischen Truppen besetzt. Der Krieg war hier vorüber, die alten Verhältnisse wiederhergestellt. Und damit sich Ähnliches nicht wiederholte, erging am 11. Juli die Order, jeden Vorrat an Pulver und Blei beim Bürgermeisteramt abzuliefern. Der Traum von Hambach war für die nächsten Jahrzehnte ausgeträumt.

Die Serie

Neustadt feiert in diesem Jahr die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1275. In loser Folge blicken wir deshalb auf wichtige Ereignisse in der Stadt in den vergangenen 750 Jahren.

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Klemmhof und Co.: Wie sich die Innenstadt in den 70er-Jahren verändert hat

Neustadt auf den Spuren der Unistadt Heidelberg

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