Wochenspiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Im Wahlkampf spielen am Ende viele verrückt

Na, auf welches Pferd setzen Sie denn so?
Na, auf welches Pferd setzen Sie denn so?

„Ja haben die in der Redaktion noch alle Tassen im Schrank? Heute ist doch erst Freitag.“ Das könnten Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich tatsächlich fragen. Trotzdem präsentieren wir Ihnen schon heute unsere Samstagsrubrik „Wochenspiegel“. Der Grund ist einfach: Wir befassen uns mit dem am Ende doch noch steigenden Druck im Wahlkampfkessel, und wenn wir dabei jemandem – natürlich völlig unbeabsichtigt – auf die Füße steigen sollten, dann müsste er sich noch in der Samstagausgabe wehren können.

Auf den letzten Metern werden noch ein paar Leute nervös. Die einzige Kandidatin offenbar nicht, und das mit gutem Grund: Von ihr war inhaltlich nichts zu vernehmen. Überhaupt nichts, null, nix. Das ist clever, damit macht man sich nicht angreifbar. Trotz des durchaus sympathisch aussehenden Pferdes auf ihren Plakaten können wir wegen dieser Inhaltsleere guten Gewissens keine Wahlempfehlung abgeben.

Der Plakatekleber hat etwas falsch verstanden

Nicht sehr zielführend war auch der Einsatz des Landauer Plakateklebers, obwohl ja Bodentruppen mit Kleisterpinsel im Wahlkampf äußerst verdienstvoll und wichtig sind. Doch der gerade erst aus der Haft entlassene Mann hat sich über ein paar schon hängende Plakate von Maximilian Ingenthron (SPD) hergemacht. Das kann Zufall gewesen sein oder auch Absicht, denn der Mann hat einen Hals auf die SPD-Ministerpräsidentin. Er plakatiert unter anderem, dass ihm die Justiz bestätigt habe, nicht krank zu sein. Das hat er leider falsch verstanden: Er sei sehr wohl psychisch krank, doch seine Taten seien nicht so schwerwiegend, dass sie eine Klinikeinweisung rechtfertigen würden, hatte ihm das Landgericht Landau bescheinigt. In Haft musste er, weil er in Maßen steuerungsfähig sei. In Maßen ist allerdings ein recht dehnbarer Begriff.

Wo bitte endet die Fußgängerzone?

So gut wie entschieden hatte sich angeblich eine Landauerin, die Lukas Hartmann (Grüne) abermals angeblich ihre Stimme geben wollte – bis sie ihn am Dienstag, 27. Juni sah, als er um 17.30 mit dem Fahrrad und ziemlichem Tempo in die Fußgängerzone eingebogen sei. So hat sie es uns in einem Leserbrief geschrieben. Hartmann ist vollumfänglich geständig – bis auf einen nicht ganz unerheblichen Punkt. Er sei zur Bauausschusssitzung gefahren, um den Oberbürgermeister zu vertreten. Nur: Die genannte Stelle, die Theaterstraße, ist keine Fußgängerzone, und sie ist auch ausdrücklich für den Radverkehr zugelassen. Hartmann schwört Stein und Bein, sich peinlich an alle Regeln zu halten: Er weiß, dass er unter Beobachtung steht.

Mehr Beobachtung nicht von, sondern durch Hartmann hätte sich offenbar die Mörzheimer SPD gewünscht. Die klagt darüber, dass es im Dorf derzeit keinen Spielplatz gibt, nicht einmal einen provisorischen, weil die mit dem Abbau der Geräte auf dem alten Spielplatz beauftragte Firma diese einfach abgesägt und damit einen Wiederaufbau verhindert hatte. „Damit hätte die Stadt rechnen müssen und Vorsorge treffen müssen“, meint der Vorsitzende Hannes Kopf. Wie diese Vorsorge aussehen könnte – sicherheitshalber schon mal gebrauchte Geräte bei Ebay ersteigern?, Bundeswehr als Kontrolle beim Abbau anfordern? – lässt er ebenso unerwähnt wie Hartmanns Zusage, dass es ein Provisorium geben werde.

Taugt der Bus als Politikum?

Und dann ist da noch die leidige Geschichte mit der Buslinie durch Mörzheim. Da überschlagen sich jetzt die Vorschläge von OB-Kandidat Dominik Geißler (CDU), der Ortsvorsteherin, der SPD und ein paar anderen. Das immer wieder gehörte Argument: Es müsse etwas passieren, es gehe doch um die Bürger. Richtig. Aber müssen wir dann nicht Taxi-Gutscheine verteilen? Geißlers Parteifreund, SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt, hat die Suppe eingebrockt, denn der Kreis hat die Linie gekappt, die jetzt von der Stadt repariert werden soll. Jetzt zeigt sich Seefeldt beim Geißler-Vorschlag konziliant und will Hartmann den Schlamassel in die Schuhe schieben. Das nennt man wohl Wahlkampfhilfe – per Mitteilung über die Pressestelle der Kreisverwaltung. Uns hat ein wenig verwundert, wie viele Mörzheimer angeblich ständig nach Klingenmünster müssen, aber gut, wir wollen da gar nicht indiskret sein. Seefeldts Nahverkehrsexperte sagt allerdings, diese Vielfahrer gebe es nicht.

Die Redaktion selbst ist übrigens vollkommen unsicher, was am Sonntagabend herauskommen wird. Wir haben gewettet – und jede/r hatte einen anderen, wortreich begründeten Tipp, wer am Sonntag rausfliegt und wer sich dann am 17. Juli durchsetzen wird. Denn dass es zur Stichwahl kommen wird, ist so ziemlich der einzige gemeinsame Nenner. So gesehen, wird es am Ende nur Gewinner geben – zumindest in der Redaktion. Den Wetteinsatz werden wir ganz sicher gemeinsam vertrinken.

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