Landau / SÜW
Buslinie: Landrat meldet sich im Wahlkampf zu Wort
Es sei schade, „dass der Geißler-Vorschlag zur Verbesserung des ÖPNV insbesondere für Wollmesheim, Arzheim und Mörzheim seitens der Stadt kurzerhand abgetan wird.“ Das betont der Landrat in einer Stellungnahme. Er halte die Grundidee Geißlers für durchaus interessant. Der CDU-Oberbürgermeisterkandidaten Geißler hat vorgeschlagen, die Linie 532 eine andere Route fahren zu lassen, nämlich über Arzheim, Wollmesheim und Mörzheim nach Heuchelheim, wo ein Umstieg in die Linie 540 möglich wäre.
Kosten: Kreis kommt auf die Hälfte
Laut Seefeldt kommen die Fachleute der Kreisverwaltung bei Weitem nicht auf 200.000 Euro jährlicher Mehrkosten. Auf diese Rechnung ist laut Beigeordnetem Lukas Hartmann, gleichzeitig OB-Kandidat der Grünen, die Stadtverwaltung gekommen. Hartman hatte im Bauausschuss auf Anfrage betont, der Vorschlag Geißlers sei nicht umsetzbar. Die Fahrtstrecke wäre dreimal so lang, die Fahrtzeit doppelt so hoch. Auf Nachfrage der RHEINPFALZ beziffert Lothar Zimmermann, der beim Kreis für den ÖPNV zuständig ist, die Mehrkosten für den Geißler-Vorschlag auf rund 100.000 Euro. In beiden Zahlen sind Spritkosten und die Anteile von Stadt und Kreis enthalten.
Eine Sache ungeprüft in den Raum zu werfen, gehe an der Sache vorbei, kommentiert Seefeldt die Hartmannsche Vorgehensweise. Statt eines Ping-Pong-Spiels sollte der Vorschlag sachlich und konstruktiv diskutiert werden. Da hakt Lukas Hartmann ein. Wenn der Kreis nun doch bereit sei, den Bus 532, den die Stadt nach Mörzheim schicke, weiterfahren zu lassen nach Klingenmünster oder Bad Bergzabern, „dann würden wir uns freuen“. Das würde das Problem lösen, ohne die Fahrzeit zu verlängern, meint Hartmann. Im Übrigen habe der Sachgebietsleiter der Stadt wegen der Mehrkosten mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Dienstleister QNV gesprochen.
Kaum einer will von Mörzheim nach BZA
Lothar Zimmermann, nach dessen Rechnung die Zusatzstrecke des Geißler-Vorschlags nur acht (davon vier auf Kreisgebiet) und nicht zehn Kilometer weiter ist, bringt allerdings noch ein anderes Argument ins Spiel. Der Kreis sei von Anfang an davon ausgegangen, dass sich die Mörzheimer eher nach Landau orientieren denn gen Süden oder Westen. Eine Untersuchung habe das bestätigt: „Der durchschnittliche Einstiegsgrad in Mörzheim Richtung Bad Bergzabern ist aktuell gleich kleiner eins. Eine kleinere Zählung ist nicht möglich.“ Mörzheimern eine Fahrt nach Klingenmünster anzubieten, könne also nur perspektivisch interessant sein.
Im Dezember gehen die neuen Linienbündel in Stadt und Kreis an den Start. Bei der Linie 532 handelt es sich um einen städtischen Bus, während die 540 ein Angebot des Kreises ist. Die Kosten werden immer anteilig angerechnet. Laut Zimmermann fällt die 540 weg, weil der Kreis die schnelle Linie 541 zwischen der Kurstadt und Landau endlich pünktlich machen wolle. Der zweite Bus, der Bad Bergzabern mit Landau verbinde, fahre dann über Billigheim-Ingenheim. Für Wollmesheim ergeben sich Verbesserung mit der Linie 531.
„Wahlkampfmanöver“
Landrat Seefeldt, der sich bislang zu verkehrspolitischen Fragen in der Stadt zurückgehalten hat, betont: „Wir als Landkreis sind daran interessiert, dass alle neuen Fahrgäste, die den Umstieg vornehmen, nicht mit dem Bus im Pkw-Stau der Ringstraßen von Landau stehen. Für eine weitere Fahrgastmehrung im Linienbündel Landau braucht es daher attraktive Angebote. Nur dann kann ein schon jetzt hoher finanzieller Mitteleinsatz weiterhin begründet werden.“
Die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat, Lea Heidbreder, äußerte ihr Unverständnis über das „Wahlkampfmanöver“ des Landrats. Der Kreis habe sich damals quergestellt, als es um die Kombination der Linienbündel gegangen sei. Der städtische Bus 532, dessen Fahrplan auf zehn Jahre angelegt sei, solle einmal das neue Wohngebiet Südwest im 30-Minuten-Takt bedienen.
Hartmann: Geißler-Vorschlag lässt sich nicht fahren
Was das Querstellen angeht, widerspricht nun allerdings Zimmermann. Denn er sagt, es habe keine Gespräch zur Abstimmung der Linienbündel in Stadt und Kreis gegeben. Abgestimmt worden sei, dass die Linien 540 und 541 umgestellt würden. „Dann wurde abgestimmt, dass die Stadt eine eigene Linie aufstellt, damit die Mörzheimer angebunden sind. Daraufhin kam die Linie 532. Ob die weitergeführt werden sollte, wurde nicht an uns herangetragen.“ Hartmann betont: „Die 532 ist eine Stadtbuslinie auf Wunsch des Kreises, denn der Regionalbus, der Mörzheim bislang angefahren hat, wurde gestrichen, weil es andernorts im Kreis Probleme zu lösen galt.“
Jedenfalls konstatiert der Landrat, dass es bei der Fahrplangestaltung für die westlichen Stadtdörfer Landaus noch Optimierungsbedarf vor dem Linienbündelstart Landau gebe. Die Grünen schimpfen über diese unmögliche Einmischung des Landrats im Wahlkampf. Hartmann äußert sich als Verkehrsdezernent zur Sache. Er bringt vor, Geißler habe grundsätzlich das Problem, dass er die Situation vor Ort nicht kenne. Denn wenn der Bus aus Landau nach Arzheim fahre und dann links nach Wollmesheim abbiege, könne er keine Haltestelle in Arzheim ansteuern. „Oder ich muss durch ganz Arzheim, weil ich nirgendwo Richtung Wollmesheim abbiegen kann.“ Dann aber fahre der Bus über Ilbesheim, dessen Bürger gar keine zusätzliche Busverbindung hätten haben wollen. Umgekehrt müsse jeder Wollmesheimer über Ilbesheim und durch die Arzheimer Hauptstraße fahren, bis er am Hauptbahnhof sei. Die von Geißler vorgeschlagene Strecke lasse sich mit einem Linienbus nicht fahren, weil der gar nicht durch die Straßen komme. Die Frage, ob der Bus 532 durch den Südring oder den Westring fahre, sei ein ganz anderes Problem. Es sei lasse sich nicht alles mit einem Handstreich lösen.