Glan-Münchweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Kriegserinnerungen: Als die Bomben auf Glan-Münchweiler fielen

1945 war auf diesem Platz das Lager für russische Kriegsgefangene. Ende 2020 entstand auf dem ehemaligen Gelände des Bauunterneh
1945 war auf diesem Platz das Lager für russische Kriegsgefangene. Ende 2020 entstand auf dem ehemaligen Gelände des Bauunternehmens Hanz in Glan-Münchweiler ein Edeka-Markt.

An jedem 15. März werden die Erinnerungen wieder präsent: Als 14-Jährige erlebte Hertha Hüttel den Dauerbeschuss auf Glan-Münchweiler. Ein Andenken an diesen verhängnisvollen Tag bewahrt sie noch immer auf.

„Immer wenn der 15. März ansteht, erinnere ich mich daran, wie schlimm dieser Tag 1945 war“, sagt die 91-jährige Glan-Münchweilererin. Den ganzen Tag über habe es Fliegeralarm gegeben. Während ihr Vater in Frankreich als Bergmann arbeitete, verschanzte sich die damals 14-Jährige zusammen mit ihrer Mutter im Luftschutzbunker in der Nähe der heutigen Kreissparkasse. „Gegen 6 Uhr wollten wir wieder nach Hause, haben uns auf den Weg gemacht.“

Denn ihre Mutter wusste: „Heute gibt’s auf die Karte.“ Also schickte sie ihre Tochter ins nahe gelegene Lebensmittelgeschäft. „Der Laden war bereits voller Leute, die alle auf die Ausgabe von Salz warteten“, erzählt Hüttel. Doch dazu kam es nicht. „Plötzlich flogen wieder Flugzeuge und wir versteckten uns alle im Keller des Geschäfts.“

Beschwerlicher Rückweg

Nachdem sich die Gefahr wieder gelegt hatte, wollte die 14-Jährige nur noch auf schnellstem Weg nach Hause. Aber der Weg über die Straße war durch herumliegende Trümmer versperrt. „Stattdessen bin ich über die Gärten am Hang entlang gekrabbelt, um nach Hause zu kommen“, erzählt die 91-Jährige rückblickend. Ihre Mutter hingegen habe geglaubt, ihre Tochter sei bei den anhaltenden Angriffen ums Leben gekommen. Schließlich starben an diesem Tag 18 Menschen. „Dort, wo heute der Edeka-Markt ist, gab es früher ein Lager mit gefangenen Russen – Frauen und Männer. Dort traf es besonders viele.“ Auch Menschen aus Hüttels Nachbarschaft kamen um. „Es war einfach schrecklich. Man kannte sich ja untereinander.“

Auch das Elternhaus von Hüttel wurde während des Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Nähe des Hauses zum Verladeplatz der deutschen Militärzüge geriet das Haus immer wieder unter Beschuss. Türen und Fenster waren deswegen schon länger nicht mehr intakt. „Noch heute habe ich eine im Durchmesser etwa 30 Zentimeter große Schachtel voller Munitionshülsen, die wir anschließend im Haus gefunden haben.“

Trotz allem suchten die deutschen Soldaten bei Angriffen immer wieder Schutz im Haus der Familie. „Wenn sie vor unserer Tür standen, konnten wir sie ja schlecht abweisen“, sagt Hüttel. Im Keller harrten die Soldaten zusammen mit Mutter und Tochter aus, in der Hoffnung, den Angriff bald überstanden zu haben. „Ich weiß noch, dass die Männer einmal um uns herum gesessen haben, damit uns ja nichts passiert.“

Die Serie

Wir haben Leser aufgefordert, uns von ihren Kriegserinnerungen zu berichten und veröffentlichen sie in loser Folge in den kommenden Wochen. Wir danken ihnen für die zahlreichen Einsendungen. Die Resonanz war sehr groß. Wir bitten um Verständnis, dass wir keine weiteren Erinnerungen für die Serie annehmen.

Bisher erschienen

Der Überlebenskampf der Kriegsgefangenen
x