Kusel
Kriegserinnerungen: Wie durch ein Wunder Bombenangriff überlebt
„Ich war erst acht Jahre alt, aber die Erinnerung an diese Nacht sind mir noch sehr präsent“, erzählt die Seniorin. Zu diesem Zeitpunkt bewohnte sie zusammen mit ihrer Mutter, den beiden Geschwistern und der Großmutter das Haus in der Bahnhofstraße 50, dem heutigen Goldschmied- und Uhrenmachergeschäft Gross in Kusel.
Als der Fliegeralarm in der Nacht wieder einmal losging, verschanzte sich die Mutter mit ihren drei Kindern im Keller, versuchte dort auszuharren, bis sich die Gefahr legte. Die Großmutter hingegen wollte lieber im Dachgeschoss bleiben.
Schutz im Keller gesucht
„Plötzlich knallte es fürchterlich und es gab einen lauten Schrei“, beschreibt Nolte den Bombenangriff, der ihr noch lebhaft im Gedächtnis ist. „Sogar die Wände wackelten, Steine bröckelten von der Decke herunter und Staub lag in der Luft.“ Alle waren verängstigt, wussten nicht, was sie nun unternehmen sollten. „Wir haben uns weiter ganz ruhig verhalten.“ Erst nach einer Weile trauten sich die drei, die Ausgangstür zu suchen, „es war ja alles mit Steinen bedeckt“.
Draußen offenbarte sich erst das katastrophale Ausmaß: Eine Bombe war seitlich in das Haus eingeschlagen, den Anbau hatte das Geschoss vollständig weggerissen. Auch das Dachgeschoss, in dem sich die Großmutter aufgehalten hatte, war zerstört. Noltes Familie glaubte, die Großmutter habe den Angriff nicht überlebt.
Haus unbewohnbar
Doch die Seniorin hatte Glück im Unglück: Mit dem Schutt war sie langsam ins Erdgeschoss gespült worden. „Sie lag oben unverletzt auf den Trümmern. Es gab keine Toten.“ Erst im Nachhinein habe die Familie von dem Bombenteppich über Kusel erfahren, der neben ihrem Haus, im Kuseler Finanzamt, in der Nähe des Bahnhofs und auf dem Mühlberg für Zerstörung sorgte.
Hilfsbereit ließen die Nachbarn die Familie einige Tage bei sich wohnen. Erst 1951 baute Noltes Vater das Haus wieder auf. Bis dahin zog die Familie immer wieder um. Noch heute stimmt die 85-Jährige die Vergangenheit wehmütig: „Es war keine schöne Zeit, aber wir haben es überstanden.“