Rammelsbach
Kriegserinnerungen: „Ich sah die Bombe fallen“
Die Bombenangriffe auf Kusel von 1945 haben sich regelrecht in die Erinnerung des damals fast Achtjährigen gebrannt. „Ich war in der Lehnstraße kurz vor der katholischen Kirche unterwegs, als ein Tiefflieger aus Richtung Diedelkopf über mich hinwegflog“, erzählt der 85-Jährige.
Sogar den Piloten habe er deutlich erkennen können, und noch mehr: „Ich habe gesehen, wie sich langsam eine Bombe aus dem Flugzeug löste und sich im Fall immer wieder überschlug.“ Nur wenige Sekunden später krachte es in der Stadt laut. Von der etwa 30 Zentimeter hohen Kirchenmauer, auf der Kaiser mit einem Bein stand und sich am Geländer festhielt, konnte er die gleich darauf aufsteigende Splitterwolke sehen.
Ein Gefühl des Schreckens überwältigte den Jungen bei dieser Beobachtung: „Mein Bein, das auf der Mauer stand, ist wie elektrisiert weggesprungen.“ Noch minutenlang danach habe es gezittert und sich nicht beruhigt.
Bomber vom Himmel holen
Zu dieser Zeit seien außerdem auch drei oder vier Arbeitsdienst-Mädchen ganz in der Nähe der Turnhalle bei einem Bombenangriff umgekommen. „Ob ich das am gleichen Tag meiner Beobachtung zugetragen hat oder zeitgleich das Finanzamt beim Luftangriff zerstört wurde, weiß ich nach 77 Jahren nicht mehr genau“, sagt Kaiser. Beide Vorfälle habe er in seiner Kindheit aber miterlebt.
Auch die Jahre danach ließen ihn dieses und viele weitere Kriegserlebnisse aus seiner Kindheit nicht los. Damit meint er vor allem die Träume, die ihn sein gesamtes Leben begleiten. Seine Frau habe immer mal wieder von einer unruhigen Nacht berichtet, wenn er im Schlaf Schussgeräusche imitierte: „Sie sagte häufig, dass ich nachts wieder versucht habe, die Bomber vom Himmel zu schießen.“