Grünstadt
Kundgebung am Samstag: Warum sie nicht „Gegen-rechts-Demo“ heißt
Wogegen wird am Samstag ab 11 Uhr auf dem Grünstadter Schillerplatz demonstriert?
Hauptorganisator ist der protestantische Grünstadter Pfarrer Andreas Funke, er antwortet: „Wichtig ist für mich zunächst mal, das Positive zu sagen. Also wofür die Kundgebung gehalten wird: für das Grundgesetz, für Demokratie, für Freiheit.“ Bedroht sieht er all das im Moment aber vor allem von Rechtsextremen – „von dem völkischen Denken, dass sich wieder breitmacht“.
Anderswo werden solche Demonstrationen als Kundgebung „gegen rechts“ angekündigt. Warum vermeidet Funke diese einfache Formulierung?
Funke sagt: „Die Kundgebung richtet sich gegen ,rechtsextrem’. Bei der Formulierung ,gegen rechts’ haben viele noch das Schema der 1980er-Jahre im Kopf, das aber trifft heute so nicht mehr zu.“
Wie viele Menschen werden erwartet?
Bei den Behörden sind bis zu 1000 Personen angekündigt, Funke rechnet mit mindestens 500. Allerdings ist die Vorab-Schätzung schwierig. Der Pfarrer stützt sich auf persönliche Rückmeldungen – und auf Erfahrungswerte aus ähnlich großen Städten.
Ist der Pfarrer ein geübter Demonstrations-Organisator?
Nach dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel im vergangenen Oktober leitete er bereits ein Friedensgebet mit politischem Bezug auf dem Carrières-sur-Seine-Platz, doch mit der Organisation der nun bevorstehenden Kundgebung betritt er persönliches Neuland. Vorab geht es dabei vor allem um die Abstimmung mit den Behörden, außerdem müssen Rednerpult und Lautsprecheranlage beschafft werden.
Wer außer Funke mischt in der Organisation noch mit?
Als wichtigsten Unterstützer bei der Vorbereitung benennt Funke den Chef der CDU-Stadtratsfraktion Mimmo Scarmato. Beteiligt sind außerdem die protestantischen Kirchengemeinden Grünstadt und Sausenheim, die evangelische Stadtmission, die katholische Pfarrei und die Kolpingsfamilie, CDU, SPD, FDP, FWG und die Grünen, die Lebenshilfe Grünstadt-Eisenberg, der Stadtsportverband mit TSG, VfR und Schwimmclub Delphin, die Musikschule Leiningerland, die Leininger Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit (Liga) und die Stiftung Willkommen in Deutschland sowie der Altertumsverein. Funke sagt: „Hier bildet sich also die große Mitte unseres Gemeinwesens ab.“
Warum ist das Grünstadter Umland auf Mitveranstalter-Ebene nicht vertreten?
Der Pfarrer will das Feuer „am Köcheln“ halten, denkt schon an eine Folge-Veranstaltung etwa im April. Also ging es ihm diesmal nicht darum, alle nur denkbaren Kooperationspartner anzusprechen. Stattdessen hat er sich fürs Erste an diejenigen gehalten, zu denen die Wege besonders kurz sind. Kommt es tatsächlich zu einer Neuauflage, könnten dann weitere oder andere Unterstützer dazustoßen.
Wer wird bei der Kundgebung als Redner auftreten?
Als Redner für die ungefähr einstündige Veranstaltung sind bislang vorgesehen: Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU), der evangelische Pfarrer Christopher Markutzik und der katholische Pfarrer Martin Tiator, die Kita-Leiterin Katrin Dinges und Karin Haindl von der Lebenshilfe.
Gerade protestantische Geistliche werden oft dafür kritisiert, dass sie zu politisch seien. Wo zieht Funke die Grenze?
Der Pfarrer sagt: „Unsere Kirchen können nicht unpolitisch sein.“ Denn: Wer schweigt und gewähren lässt, stimme zu. Natürlich sei gerade die evangelische Kirche nicht selbst eine Partei, und sie müsse auch nicht zu allem Stellung beziehen. Dennoch sei für ihn klar: „Kirche hat durch Jesus Christus Anteil an seinem prophetischen ,Wächteramt’ und darf nicht schweigen, wenn etwas grundlegend falsch läuft. Und gerade läuft sehr viel falsch, in eine inhumane Richtung.“
Was ist mit der muslimischen Gemeinde?
Funke und seine Mitstreiter haben sie nicht angesprochen, er erläutert: „Die katholische und protestantische Gemeinde hatten anderthalb Jahrzehnte einen christlich-muslimischen Gesprächskreis in einer ausgezeichneten Gesprächsatmosphäre, solange es um rein religiöse Fragen ging. Bei den politischen Fragen wurde es dann schwierig.“ Denn da habe sich gezeigt, dass der türkische Präsident durch seine Religionsbehörde großen Einfluss auf die Ditib-Moscheegemeinden in Deutschland hat.
Welche Folgen hat die Demonstration fürs Umfeld?
Auch wenn die Kundgebung im Fußgängerzonen-Bereich stattfindet: Es gibt Verkehrseinschränkungen. Betroffen sind Anwohner, Stellplatzmieter und Zulieferer. Die Stadtverwaltung rät: Vor allem die Parkplatz-Nutzer in der Lämmergasse sollen sich rechtzeitig eine andere Abstellfläche suchen, falls sie das Auto am Samstag nutzen wollen.
Wie bereitet sich die Polizei auf die Kundgebung vor?
Die Polizei will die Durchfahr-Verbote durchsetzen. Außerdem bereitet sie sich auf den allgemeinen Schutz der Demonstration vor. Beamte werden daher nicht nur am Veranstaltungsort sein, sondern auch – teils in zivil – die Grünstadter Umgebung überwachen. So wollen sie frühzeitig erkennen, ob Problem-Publikum im Anmarsch ist. Große Sorgen macht sich der Grünstadter Inspektionschef Thomas Jung da allerdings nicht. Schließlich haben – auch in der Region – nach Enthüllungen über ein Treffen von AfD-Funktionären mit Neonazis schon in vielen Orten derartige Demonstrationen stattgefunden. Und nirgendwo gab es Probleme – weder mit Gegendemonstranten, noch mit Krawallmachern in den Reihen der Demokratie-Verteidiger.
Wo in der Region wird am Samstag noch demonstriert?
In Bad Dürkheim, ab 15 Uhr findet auf dem Ludwigsplatz und in der Kurgartenstraße eine Mahnwache unter dem Motto „Aufstehen für die Demokratie“ statt. Dazu aufgerufen haben die Bad Dürkheimer Stadtratsfraktionen von CDU, SPD, Grünen, FWG und FDP. Laut Kreisverwaltung rechnen die Veranstalter dort mit bis zu 2000 Teilnehmern. Neben den Parteien beteiligen sich das Bündnis für Vielfalt und Toleranz, das Jugendkomitee, der Protestantische Kirchenbezirk Bad Dürkheim/Grünstadt, die Pfarrei Heilige Theresia vom Kinde Jesu Bad Dürkheim und der Beirat für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund. Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) und Vertreter der Fraktionen werden Reden halten, die Dürkheimer Musikschule wird musizieren.