Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Wunderbare Würstchen-Vermehrung rettet Sausenheimer Erntedank

Unerwartet großer Andrang: Erntedank-Gottesdienst im Weingut Ittel.
Unerwartet großer Andrang: Erntedank-Gottesdienst im Weingut Ittel.

Gott lässt seine Leute nicht verhungern, das beteuert die Bibel in verschiedenen Geschichten. Zum Beispiel in jener von der wunderbaren Brotvermehrung: Jesus will seine Ruhe haben, zieht sich deshalb in eine Einöde am See Genezareth zurück. Aber ein paar Tausend Leute spüren ihn dort trotzdem auf, also predigt er doch wieder – bis seinen Jüngern auffällt, dass es in dieser Einöde nichts zu Essen gibt und sie für die ganze Meute nur fünf Brote und zwei Fische haben.

Ihr Herr und Meister bleibt trotzdem locker, lässt sie das bisschen Nahrung einfach verteilen. Und irgendwie werden dann doch alle satt, es bleibt sogar eine Menge übrig. Vor einer ähnlichen Herausforderung standen am Sonntag auch die Organisatoren eines ökumenischen Erntedank-Gottesdiensts im Sausenheimer Weingut Ittel. Dort hatten sie sich zwar nicht versteckt, sondern sogar ausdrücklich zur Veranstaltung eingeladen. Aber gerechnet hatten sie mit nur 100 Leuten.

Dreimal so viel Leute wie erwartet

Doch dann kamen knapp 300, berichtet der protestantische Pfarrer Christopher Markutzik. Mit mahnenden Predigt-Worten – der katholische Priester Alfred Müller sprach sich gegen selbstsüchtiges Horten aus – konnte die Menge trotzdem versorgt werden, und auch der Schlusssegen hat für alle gereicht. Aber viele Personen mussten sich mit Stehplätzen begnügen, und beim anschließenden Beisammensein drohte ein Versorgungsproblem.

Auf eine biblisch ebenfalls bezeugte Verwandlung von Wasser in Wein konnte zwar verzichtet werden, aber das Essen ging ruckzuck zur Neige – bis es zur wunderbaren Würstchen- und Pommes-Vermehrung kam. Als Wunder im eigentlichen Sinn wird sie aber nicht durchgehen. Denn Abhilfe brachte ein Anruf beim TuS, der seine Vorräte plünderte. Was wohl auch die bessere Lösung war. Denn wer auf Gottes ganz direktes Eingreifen hofft, muss nehmen, was er liefert.

Was sich Gott nicht mehr erlauben könnte

Das in der Wüste hungernde Volk Israel etwa soll er einst mit dem geheimnisvollen Manna versorgt haben. Was genau dieses fein-knusprige Etwas gewesen war, ist bis heute offen. Klar ist aber: Es gibt in den biblischen Berichten keinerlei Hinweise dazu, dass Gott seine Nahrungsmittelspende mit Mindesthaltbarkeitsdatum, Zutatenliste und Nährwertkennzeichnung versehen hätte. Und so etwas darf sich heutzutage noch nicht einmal mehr der Allmächtige erlauben.

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