Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Andreas Funke ist seit 25 Jahren evangelischer Pfarrer in seiner Wahlheimat

Seit 25 Jahren ist Andreas Funke, hier an der Tür der Martinskirche, Pfarrer in Grünstadt.
Seit 25 Jahren ist Andreas Funke, hier an der Tür der Martinskirche, Pfarrer in Grünstadt.

Andreas Funke ist seit 25 Jahren evangelischer Pfarrer in Grünstadt. Dass der 57-Jährige seiner ersten Pfarrstelle treu bleibt, hängt auch mit seiner familiären Prägung zusammen.

Denn aufgewachsen ist Andreas Funke im niedersächsischen Schüttorf in der Grafschaft Bentheim, wie er beim Gespräch auf der Terrasse des Pfarrhauses berichtet. Um zu zeigen, wo das liegt, holt er den Atlas: weit oben im Nordwesten Deutschlands, direkt an der niederländischen Grenze. In der dortigen – reformierten – Kirche seien die Pastoren am meisten anerkannt gewesen, die am längsten ausgehalten haben. „Karriere zu machen galt ein bisschen als anrüchig“, erzählt er mit dem ihm eigenen Sinn für Humor. Hatte er nie Ambitionen, Dekan zu werden oder Oberkirchenrat? Funke antwortet ohne zu zögern: „Ne!“

Nach dem Abitur 1982 studierte Funke evangelische Theologie, Germanistik und „ein bisschen“ Judaistik in Göttingen, Amsterdam, München, Jerusalem, Hamburg und Heidelberg. Warum so viele Wechsel? Die habe er sich erlaubt, weil er sich aufgrund seiner Sozialisation gesagt habe: „Als Pfarrer komme ich doch nicht mehr weg.“ Deshalb habe er sich während des Studiums viel Wind um die Nase wehen lassen. Wenn er heute nach Amsterdam und Jerusalem komme, sei das ein bisschen wie Heimat.

Mehrere Generationen unter einem Dach

Dass an den dortigen Unis Niederländisch respektive Hebräisch gesprochen wurde, schreckte ihn nicht: Im Elternhaus lebten mehrere Generationen unter einem Dach, und sein Vater sprach mit seiner Mutter und seiner Schwester Grafschafter Platt, das dem Holländischen sehr ähnele: „Es war Learning by Doing“, erzählt Funke. Pfarrer müssen während ihres Studiums Latein, Altgriechisch und Althebräisch lernen, so dass er während seines Aufenthaltes in Jerusalem 1985/1986 schon Vorkenntnisse hatte: „Am Ende des Jahres konnte ich Hebräisch im Alltag sprechen.“ Als junger Deutscher in Israel sei er nicht einmal schief angesprochen worden.

Zum Abschluss des Studiums war Funke in Heidelberg, wo er seine spätere Frau Susanne Löhr kennenlernte, die aus Laumersheim stammt und ebenfalls Theologie studierte. Eigentlich wollte er noch promovieren, habe sich aber mit der Stofffülle des Themas verschätzt: „Die Dissertation habe ich vergeigt!“ Daraufhin habe er beschlossen, ins Vikariat zu gehen. Nachdem die Antwort auf die Frage „Gehe ich mit meiner Frau in ihre Landeskirche oder sie mit in meine“ zugunsten der Pfalz ausfiel, habe er in Speyer vorgesprochen: „Ich war erstaunt, dass die Pfälzische Landeskirche gleich bereit war, mich zu übernehmen.“ Denn damals habe es – im Gegensatz zu heute – viel mehr Theologiestudenten als Stellen gegeben. Seine Frau begann ihr Vikariat am 1. Januar 1992 in Freinsheim, er ein Jahr später in Grünstadt. Die beiden heirateten im Mai 1993, 1996 wurde die Tochter Tabea geboren, 2002 Viola.

Bei der RHEINPFALZ hospitiert

Zum zweijährigen Vikariat gehören auch drei Monate, die der Vikar selbst aussuchen kann. Funke entschied sich für die RHEINPFALZ, wo er bei der Unterhaardter Rundschau und dem Politikressort hospitierte, und den Evangelischen Kirchenboten.

Sein Gemeindevikariat in Grünstadt begann Funke am 1. September 1993. Im Sommer 1994 trat Bezirkskantorin Katja Gericke-Wohnsiedler ihre Stelle an, und der neue katholische Kollege kam: „Ich durfte Martin Tiator damals seitens der evangelischen Kirchengemeinde willkommen heißen.“ Und als Andreas Funke und seine Frau Susanne Löhr-Funke am 28. August 1995 ordiniert wurden – sie mussten sich sechs Jahre die Stelle als Gemeindepfarrer teilen – „hat Tiator uns willkommen geheißen“. Seit 25 Jahren gebe es die „friedlich-freundschaftliche Weggemeinschaft“ mit der Kantorin und dem katholischen Kollegen: „Das ist auch nicht überall so“, ist Andreas Funke dankbar.

Hohe Kanzel ungewohnt

Ungewohnt sei für ihn die hohe Kanzel in der Martinskirche gewesen, weit weg von den Leuten. „Jemand mit Kapitänsallüren könnte meinen, er ist der Chef. Das ist nicht meins.“ Er versuche eher, mit Bescheidenheit und Gefühl die Distanz zu überbrücken. Am meisten Freude an seinem Beruf machten ihm die Gottesdienste, vor allem aber die Begegnungen mit Menschen, sagt Funke und zitiert den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Das könne ein Trauergespräch sein, aber auch eine gelungene Schulstunde: Die Oberstufenkurse am Leininger-Gymnasium machten ihm riesiges Vergnügen.

Ihm sei das Wichtigste, „dass wir uns mit Respekt und Zuwendung begegnen“. Dankbar ist er dafür, dass er in all den Jahren kein Gemeindeglied erlebt habe, „von dem ich sagen würde: Der will mir schlecht“.

Nicht immer nur Freude

Doch die Arbeit als Pfarrer mache nicht immer nur Freude. Wenn er mitgeteilt bekomme, dass ein Berufsanfänger austritt, „den ich selbst konfirmiert habe“, stelle er sich die Frage, ob das persönliches Versagen sei. Besonders belastend sei, wenn er einen jungen Menschen beerdigen müsse, denn er schon getauft habe. „Da ist der erste Impuls: weglaufen.“

Wie hat er sich sein Gottvertrauen erhalten? Andreas Funke denkt lange nach und zitiert dann wieder Martin Buber, der Gott das ewige Du nennt. Und er bekennt: „Es ist ein Geschenk, dass mir das Gottvertrauen nicht entzogen worden ist.“ Er sei unendlich dankbar, so viel Gutes erlebt zu haben.

In der Grafschaft Bentheim gelte die Maxime: „Die Besseren halten durch! Und was könne es Besseres geben als Grünstadt?“ Andreas Funke: „Solange die Gemeinde mich erträgt, bleibe ich.“

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