Frankenthal
Podiumsdiskussion zur OB-Wahl: Vier Kandidaten im direkten Vergleich
Am Ende sind es die vier Teilnehmer selbst, die sich nach ziemlich exakt zwei Stunden vor rund 430 Gästen gegenseitig ihre jeweiligen Stärken bescheinigen: Aylin Höppner (56, SPD), verlässliche Verhandlungsführerin, die als Frau einen eigenen Stil prägt, Bernd Knöppel (53, CDU) als der sachkompetente Bürgermeister und Kümmerer, Nicolas Meyer (42, FWG), der Quereinsteiger mit neuen Ideen und frischem Wind, und Immanuel Pustlauck (37, Grüne), in den Augen seiner Mitbewerber ein humorvoller und konstruktiver Dialogpartner. Und tatsächlich spiegelt der wertschätzende Ton in der Schlussrunde die Atmosphäre auf dem Podium im Congress-Forum. Sachorientiert, ohne persönliche Attacken, aber in Einzelheiten durchaus mit unterschiedlichen Ansichten, werden hier, moderiert vom Leiter der RHEINPFALZ-Lokalredaktion, Jörg Schmihing, die Zukunftsfragen der Stadt diskutiert. Dass Amtsinhaber Martin Hebich (CDU), der seine Kandidatur trotz angekündigten Rückzugs damit begründet, dass er andernfalls umfassend Versorgungsansprüche verlieren würde, für die Veranstaltung abgesagt hat, sorgt für erste emotionale Reaktionen im Saal.
Den Wohnungsbau endlich voranbringen, das haben sich alle Bewerber vorgenommen. Mit ihrer Ansage, in den kommenden acht Jahren 1000 neue Wohnungen zu schaffen, hat Höppner, Referatsleiterin im Jugend- und Sozialamt des Rhein-Pfalz-Kreises, im Wahlkampf das ehrgeizige Ziel vorgegeben. Erreicht werden soll es unter anderem, in dem laufende Verfahren schneller zum Abschluss gebracht werden. Ohne eine starke Verwaltung sei das nicht erreichbar, betont Meyer, Personalchef und stellvertretender Verwaltungsleiter des Polizeipräsidiums Mannheim. Er kündigt eine Neuorganisation des Bauamts und eine Nachbesetzung offener Stellen an. Abläufe, auch in den kommunalpolitischen Gremien, müssten effektiver organisiert werden, um die Aufgaben mit dem vorhandenen Personal zu schaffen, fordert der Elektrotechnikingenieur Pustlauck. Schwerpunkte setzen und alle Akteure am runden Tisch zusammenbringen will Bürgermeister Knöppel, der für die beiden Großprojekte auf den Firmengeländen von KBA und Sternjakob zusagt: „2024 müssen hier die Bagger rollen.“
Innenstadt: Abwärtstrend stoppen
Welche Rolle die Baugesellschaft Frankenthal (BGF) – mit ihrem Bestand von rund 1900 Wohnungen – dabei spielt, das wollen die OB-Kandidaten in Gesprächen klären. Einen Verkauf der städtischen Anteile von 25,1 Prozent an der BGF schließt Knöppel kategorisch aus. Sollte keine Bereitschaft erkennbar sein, verstärkt in Neubau und Sanierung zu investieren, wollen Meyer und Höppner, die den Anteile-Verkauf ins Spiel gebracht hatte, weitergehende Konsequenzen ziehen.
Leerstehende Läden, verwaiste Fußgängerzone nach Feierabend: Dem Abwärtstrend in der Innenstadt wollen die vier Kandidaten als Oberbürgermeister mit einer starken Wirtschaftsförderung, mehr Grün und einem größeren Veranstaltungsangebot Einhalt gebieten. Nach dem Vorbild von Städten wie Landau, Speyer und Neustadt sollen Kultur, Gastronomie und Dienstleistungen für Anziehung sorgen, Ruhepunkte und Spielmöglichkeiten könnten zum Aufenthalt einladen, so die Vision von Höppner.
Mehr Mitsprache für Jugend
Angesichts zunehmend heißer Sommer dürfe City nicht zur Betonwüste werden, die Innenstadt müsse Lebensraum sein, „in den man gerne kommt – und dann auch noch dort einkauft“, spricht Pustlauck von einer Verschiebung des Fokus. Mehr Aktionen im Stil der Kunst- und Einkaufsnacht wünscht sich Knöppel, der dabei die Vereine sowie das City- und Stadtmarketing einbinden will. Komplett neue Strukturen will Meyer schaffen und Kapital sowie Fachkompetenz in einer Wirtschaftsförderungsgesellschaft bündeln, die in der Lage sein soll, Gebäude selbst anzukaufen, um Entwicklungen nicht dem Markt zu überlassen.
Mit Einwohnerversammlungen, auch ohne festes Thema und Anlass, will Aylin Höppner hören, wo Bürger Handlungsbedarf sehen. Ortsbeiräte sollten nach ihrer Ansicht für den jeweiligen Vorort mehr Budget- und Entscheidungskompetenz erhalten. Über Schulen, Jugendtreffs und Schulsozialarbeit will sie ebenso wie Mitbewerber Bernd Knöppel Jugendliche besser einbinden und für Projekte begeistern. Diese seien bei Themen, die sie betreffen, bereit, sich einzubringen, weiß Meyer. Allerdings dürfe der Spielplatz, den sie mitgestalten, nicht erst gebaut werden, wenn die Ideengeber selbst schon Kinder haben, spitzt Pustlauck das zu, was alle Kandidaten unter dem Schlagwort „mehr Selbstwirksamkeit erleben“ fordern.
„Die großen Zukunftsthemen schaffen der OB und der Stadtrat nicht alleine“, betont Nicolas Meyer. Frühzeitig die Meinung der Bürger abfragen, Lösungen suchen „und dann aber auch entscheiden“, hält Immanuel Pustlauck für den richtigen Weg. Knöppel betont ebenfalls: Neben der Kommunikation mit den Frankenthalern müsse man deutlich machen, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können, „um Projekte voranzubringen“.
Noch Fragen?
In unserem Live-Blog zur OB-Wahl am 25. Juni, den sie mit dem Link rheinpfalz.de/obwahl-frankenthal erreichen, bündeln wir alle Informationen zu den Kandidaten und aktuellen Entwicklungen. Dort finden Sie auch etliche Videobeiträge, Zitate und redaktionelle Beiträge rund um die Podiumsdiskussion am Mittwochabend im CFF.


