Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Integrationsarbeit im Stillen: Bürger mit Migrationsgeschichte helfen Flüchtlingen

Die Grünen-Fraktionssprecherin im Bundestag, Britta Haßelmann (hinten rechts), und die Frankenthaler Landtagskandidatin Lena Frö
Die Grünen-Fraktionssprecherin im Bundestag, Britta Haßelmann (hinten rechts), und die Frankenthaler Landtagskandidatin Lena Fröhlich im Gespräch mit Mitgliedern des Vereins Quantum Bildung.

Die Grünen-Frontfrau Britta Haßelmann hat sich mit der Frankenthaler Wahlkreiskandidatin Lena Fröhlich getroffen. Dabei hat sie zwei wichtigen Vereinen ihr Ohr geliehen.

Während in der Mahlastraße am Donnerstag dem abendlichen Wahlkampfspektakel der Frankenthaler CDU mit Stargast Markus Söder (CSU) entgegengefiebert wird, fliegt wenige Kilometer weiter eine andere Politprominenz unterm Radar. Britta Haßelmann, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, ist von Berlin nach Rheinland-Pfalz gereist, um eine Woche lang grüne Landtagskandidaten zu unterstützen, darunter Lena Fröhlich, Direktkandidatin im Wahlkreis Frankenthal.

Fröhlich und Mareike Leckinger vom Frankenthaler Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen führen Haßelmann zu zwei Vereinen, die in der Wormser Straße ansässig und wenig bekannt sind: Turkuaz und Quantum Bildung Easy Learning. An dem Nachmittag geht es um die Integration von Geflüchteten und um die Wertschätzung für Menschen, die Migranten dabei helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden und einzugliedern.

Britta Haßelmann und Lena Fröhlich (links) lassen sich von Ehrenamtlichen erzählen, welche Integrationshilfen der Verein Turkuaz
Britta Haßelmann und Lena Fröhlich (links) lassen sich von Ehrenamtlichen erzählen, welche Integrationshilfen der Verein Turkuaz anbietet.
Halil Özsaglan (links) und Tülay Özcelik leiten in Frankenthal einen Verein für Schülernachhilfe. Sie freuen sich, dass die Poli
Halil Özsaglan (links) und Tülay Özcelik leiten in Frankenthal einen Verein für Schülernachhilfe. Sie freuen sich, dass die Politikerinnen Britta Haßelmann (rechts) und Lena Fröhlich zu Gast sind.

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Vielfältiges Bildungsangebot

Perihan Gelir weiß den Besuch der Bielefelder Bundespolitikerin zu schätzen, denn sie und ihre Ehrenamtskolleginnen, fast alle mit Migrationshintergrund, haben etwas zu sagen. Seit 2008 kümmert sich Turkuaz als ein politisch neutraler interkultureller Verein mit derzeit 72 Mitgliedern in Frankenthal um Zugewanderte jeglicher Herkunft, die Deutsch lernen und ihre neue Heimat verstehen wollen. Sprach-, Näh-, Fahrrad- und Bastelkurse, Familienpatenschaften, Demokratieseminare, Experimentierworkshops, Filmvorführungen und Exkursionen ... Das Bildungs- und Beratungsangebot von Turkuaz ist so vielfältig, dass die gelernte Sozialarbeiterin Haßelmann und auch die RHEINPFALZ-Reporterin ins Staunen kommen.

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Die Frauen, die gerade fasten, aber für ihre Gäste Tee und Kuchen gerichtet haben, sind hoch motiviert, aber sie haben ein Problem. Die Migranten unterschiedlicher Herkunft treffen sich in der Wormser Straße zwar gern zum Deutschlernen oder zu den internationalen Kochkursen, aber darüber hinaus finde im Alltag kaum Austausch statt. Noch wichtiger sei der Austausch mit hier einheimischen Muttersprachlern, damit das im Kurs Erlernte auch geübt werden könne. „Wir brauchen in unserer Arbeit mehr Deutsche“, sagt eine der langjährig Aktiven, die in der Zeitung nicht namentlich genannt werden will.

Viel Bürokratie bei Lernförderung

Ähnliches bekommen Haßelmann, Fröhlich und Leckinger beim Nachhilfeanbieter Quantum Bildung zu hören. Die Eltern hätten gern mehr Kontakt mit den Familien der Mitschüler ihrer Kinder, sagen die Betreiber. Lena Fröhlich seufzt: „Integration könnte eigentlich kostenlos sein, wenn alle hier ein bisschen mithelfen würden.“

Tülay Özcelik und Halil Özsaglan von Quantum Bildung weisen zudem auf die behördlichen Hürden bei der Finanzierung von Lernförderung hin. „Bei akutem Förderbedarf dauert es einfach zu lange, bis ein Antrag beim Jobcenter genehmigt ist“, sagt Özsaglan. „Ja, das Problem mit dem Bildungs- und Teilhabepaket ist die viele Bürokratie“, stimmt Haßelmann zu und bedauert den bundespolitischen Streit um die Finanzierung von Integrationskursen. Selbstredend hält sie es für falsch, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Kosten für freiwillige Teilnahmen nicht mehr bezahlen will. „Das hat vor allem die kleinen Träger von Integrationskursen sehr verunsichert“, meint die Grünen-Politikerin und ist nicht die einzige, die den Vorschlag kritisiert.

Leckinger als Bindeglied

Als vielversprechendes Bindeglied zwischen den beiden Vereinen und der Stadt Frankenthal tritt Mareike Leckinger auf. Mehrfach nennt sie Ansprechpartner und Gremien, die mit dem Thema Integration befasst sind. „Sie geben sehr gute Tipps“, bedankt sich Halil Özsaglan. Die Turkuaz-Aktiven haben zuvor durchblicken lassen, dass sie sich von der Stadtspitze nicht gut wahrgenommen fühlen, obwohl der Verein sich regelmäßig an Freiwilligentagen und Festen in der Stadt beteiligt.

Tülay Özcelik spricht an diesem Wahlkampfnachmittag das Schlusswort für den Austausch mit den grünen Frauen: „Hier bei Quantum wollen wir ein gutes Vorbild für Geflüchtete sein. Wir lieben Deutschland, das ist unsere Heimat, und wir wollen zeigen, wie man hier gut leben kann.“

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