Landtagswahl
Leberwurstweck und Strohhut: Das nimmt Markus Söder aus Frankenthal mit
Nein, man hat noch nichts gehört oder gesehen, wie Markus Söder die kulinarische Wegzehrung aus Frankenthal gemundet hat. Genauer gesagt, kommt sie aus Heßheim, aus der Backstube von Rudolf Raab. 20 Brötchen, gefüllt mit einer Leberwurst-Injektion, hat er dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder mit auf den Weg gegeben, nachdem dieser im Festzelt der „Frühlingswiesen“ auf dem Gate 99-Areal vor rund 500 Zuhörern eineinhalb Stunden lang mit CDU-Landtagskandidat Christian Baldauf munter die Bundes- und Landespolitik seziert hatte. Die Unterstützung für seinen „langjährigen engen Freund“ war die einzige, für die der CSU-Chef vorm 22. März nach Rheinland-Pfalz gekommen war.
Zum Essen kam Baldaufs Sparringspartner im Bierzelt-Wahlkampf nicht, die Brotzeit auf dem Tisch vor der Bühne blieb unberührt. Fürs Fotomotiv prostete er seinem Gastgeber umringt von CDU-Prominenz aus der Vorderpfalz noch mit einem vollen Maßkrug zu, dann ging es auch schon auf die Bühne, wo Söder sich mit einem Glas Cola begnügte. „Sagen Sie was Nettes über meinen Vater“, habe Baldaufs Tochter Marlene ihm mit auf den Weg gegeben. Zum Aufwärmen sprach der Ministerpräsident augenzwinkernd eine Einladung aus, die online prompt viral ging. „Egal wann, egal wie: Ihr könnt immer und jederzeit zu uns kommen“, spielte Söder auf die bayrischen Wurzeln der Pfalz an.
Keine Schwäche zeigen
Das aktuellste Aufregerthema sollte gleichfalls ein breites Medienecho finden: die steigenden Benzinpreise an den Zapfsäulen. „Der Staat sollte wenigstens das zurückgeben, was er nun zusätzlich erwirtschaftet“, forderte Söder – und konnte sich des Applauses im nahezu voll besetzten Festzelt sicher sein. Der brandete immer wieder höflich auf, insgesamt erreichte die Stimmung aber nicht die Intensität, die man aus seinen Heimspielen vor heimischem CSU-Publikum kennt.
Es ging dennoch heiter-vergnügt zu auf der eigens für diesen Anlass vorgezogenen Frühlingswiesen. Der Gast teilte nicht nur in Richtung des politischen Gegners aus. Zunächst musste sich Moderator Andreas Kunze einige süffisante Anmerkungen ob seines Outfits anhören, das Söder eher an die Berliner Kleiderordnung erinnerte. Und auch mit Baldauf lieferte er sich manchen verbalen Schlagabtausch, brachte den schlagfertigen Frankenthaler einmal sogar in ungewohnte Verlegenheit. Als Söder ihn partout zum Geständnis einer persönlichen Stärke und einer Schwäche bringen wollte, brauchte Baldauf mehrere Anläufe zu einer Erklärung, mit der sich sein Gegenüber zufrieden geben sollte.
Wie Captain Kirk
Zunächst glaubte Baldauf noch, sich souverän aus der Affäre ziehen und zugleich beim Publikum punkten zu können: „Meine größte Stärke wäre es, wenn es mir gelingen würde, dich zu überzeugen, das gesamte Auditorium zum nächsten Oktoberfest einzuladen.“ Doch damit ließ ein Champions-League-Spieler wie Söder ihn nicht vom Haken. „Neben dir zu Wort zu kommen“, schob Baldauf also nach. Wie würde Söder das toppen? Indem er sogar lyrisch wurde: „Mutig nach vorn zu stürmen, wo selbst Engel furchtsam weichen“, zitierte der Politprofi Startrek-Captain Kirk.
Wenig überraschend waren sich die beiden Politiker in vielen politischen Analysen einig. Bildungschancen („Politik aus den Augen der Kinder betreiben“), geregelte Migrationspolitik, Technologieoffenheit, gesunder Patriotismus, Auflösung von Investitionsstaus, Erhöhung der inneren Sicherheit, Schuldenabbau – die Themenfelder, in denen die Landes-CDU in Regierungsverantwortung liefern wolle und müsse, waren schnell identifiziert. Aber ein Bierzelt, auch wenn es in der Vorderpfalz aufgeschlagen wird, wäre kein Bierzelt, wenn nicht zwischendurch Sprüche geklopft würden. „Bei uns wird gefragt: Wann kommt der Bus? In Bayern: Wie kommt man auf den Mond?“, war so einer aus Baldaufs Repertoire. „Ich selbst wollte nie zum Mond“, sollte Söder später kontern. „Aber ich habe eine Liste mit Kandidaten, denen ich den Vortritt lasse.“
Pfalzlied tapfer mitgeträllert
Bis Heilbronn dürften die Leberwurstsemmeln aus Heßheim reichen, hatte Christian Baldauf überschlagen. Ob er recht behalten sollte und ob sie geschmeckt haben, bleibt zunächst das Geheimnis des Empfängers. Auf seinem Instagram-Account findet sich zwar ein Eintrag zu seinem Abstecher in die Vorderpfalz. Aber der kulinarische Verweis beschränkt sich auf den kryptischen Hashtag „Söder isst auch gerne mal einen Pfälzer Saumagen“.
Den gab’s nicht mit auf den Heimweg von Frankenthal nach Franken. Stattdessen überreichte CDU-Kreisvorsitzender Martin Svoboda als Einladung zur Wiederkehr einen Strohhut – der Söder allerdings zu klein war. Und von Baldauf einen blauen Winzerkittel – der sich nicht aufknöpfen ließ. Also zog Söder es vor, sich im eigenen Sakko bei seinem Freund Baldauf unterzuhaken und sich am Pfalzlied zu versuchen.
Hungrig dürfte er die urige Location in der Mahlastraße nach knapp 100 Minuten nicht verlassen haben: Sein hessischer Freund und Kollege Boris Rhein hatte Söder beim Besuch zum Nachmittagskaffee in Wiesbaden einen Frankfurter Kranz kredenzt. „Ein hessischer Klassiker“, wie auf Instagram nachzulesen ist. Denn „#söderisst – gerne süß“.