Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Grünen-Kandidatin Lena Fröhlich: Wie aus Frust Motivation wurde

Lena Fröhlich am Silbersee in Bobenheim-Roxheim, wo sie im ersten Corona-Sommer ihren Partner kennengelernt hat.
Lena Fröhlich am Silbersee in Bobenheim-Roxheim, wo sie im ersten Corona-Sommer ihren Partner kennengelernt hat.

Lena Fröhlich ist jung, neu in der Politik und Landtagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Frankenthal. Ihr mangelt es nicht an Motivation, Ernst und Realitätssinn.

Wer sich mit Lena Fröhlich über ihre Kandidatur für die Landtagswahl und ihr Engagement für Bündnis 90/Die Grünen unterhalten möchte, muss Zeit mitbringen. Die 25-jährige Frankenthalerin hat viel zu sagen, und nichts davon ist langweilig. Es ist aber sehr viel mehr, als eine Zeitung in so einem Kandidatenporträt unterbringen kann.

Im Kurzdurchlauf also hier das Wichtigste aus dem Lebenslauf der jungen Frau, die eine Passion fürs Backen und die Fremdsprache Spanisch hat: geboren in Grünstadt, als Arbeiterkind weitgehend im Leiningerland aufgewachsen, liiert und kinderlos, Halterin von zwei sogenannten Straßenhunden, Co-Vorsitzende des rund 50 Mitglieder starken Grünen-Kreisverbands Frankenthal sowie Sprecherin der Grünen Jugend Ludwigshafen. Im Bildungs- und Kulturausschuss des Stadtrats Frankenthal hat sie einen Stellvertreterposten. An der Universität Mainz bringt Lena Fröhlich gerade ihr Biologiestudium zum Abschluss. Ob dieses sie erst noch in die Promotion führt oder gleich in einen dem Umwelt- und Naturschutz gewidmeten Beruf, ist noch unklar.

Fröhlich: „Wahlkreis soll stark vertreten sein“

Den Job einer Landtagsabgeordneten wird sie in diesem Frühjahr höchstwahrscheinlich nicht antreten, denn auf der Landesliste der Grünen steht sie erst auf Platz 61, und die Chancen auf das Direktmandat stehen angesichts der starken Konkurrenz schlecht. Warum sollten die Wähler in Frankenthal, Bobenheim-Roxheim und der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim Lena Fröhlich ihre Erststimme geben? Die Antwort der Kandidatin lautet: „Damit dieser Wahlkreis in Mainz stark vertreten wird.“

Sie meint, dass Christian Baldauf (CDU) und Magali Leidig-Petermann (SPD) aufgrund ihrer Listenplätze eh in den Landtag einziehen können, „also warum nicht mit der Erststimme jemand anderes wählen“, fragt Fröhlich. An dieser Stelle ein Blick zurück auf die Landtagswahl 2021 und die Bundestagswahl 2025: Da holten die jeweiligen Direktkandidaten der Grünen 7,9 beziehungsweise 7,7 Prozent der Wählerstimmen.

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Wegen Klimaschutz den Grünen beigetreten

Lena Fröhlich hat sich auch deshalb aufstellen lassen, weil sie etwas gegen das Verdrängen oder gar Leugnen des Klimawandels tun will. „Es frustriert mich, wie lange die wissenschaftlichen Fakten schon auf dem Tisch liegen und ignoriert werden“, sagt sie. Dieses Gefühl habe sie vor zwei Jahren bewogen, den Grünen beizutreten, folgerichtig stelle sie sich jetzt, da gute Ansätze für den Klimaschutz – Stichwort Heizungsgesetz – wieder rückgängig gemacht würden, in den Dienst der Partei „für ein starkes Landesergebnis“.

Der Kampf gegen die Klimakatastrophe ist für Fröhlich ein Kampf ums Überleben von „Menschen, die auf diesem Planeten nichts dafür können, dass es so weit gekommen ist“. Und es sei ein Kampf für den Artenschutz, weil ohne Biodiversität der Mensch keine Lebensgrundlage habe. „Ich habe dazu nicht nur eine starke Meinung, sondern auch ein fundiertes Wissen“, versichert die 25-Jährige und nennt als weitere Schwerpunktthemen im Wahlkampf Bildungsgerechtigkeit und Verteidigung der Demokratie.

Fröhlich: „Bildungschancen für alle“

Fröhlich versteht durchaus, wieso Bürger das Vertrauen in demokratische Prozesse verlieren und sich trotz der Gefahren für die eigene Freiheit mit rechtsextremen Positionen anfreunden können. Die beste Antwort darauf sei die Verbesserung der Lebensumstände: etwa durch mehr bezahlbare Wohnungen, eine gerechtere Einkommensverteilung und Bildungschancen für alle. Fröhlich selbst war auf einer Integrierten Gesamtschule und sähe diese Schulform gern öfter in Rheinland-Pfalz. Kindern und Jugendlichen wünscht sie in der Schule unter anderem mehr Angebote zum Aufbau von Medienkompetenz.

Wie bricht sie ihre zentralen Themen und Ansichten auf ihren Wahlkreis herunter? Sie hofft, dass in Frankenthal und dem Umland die Wärme- und die Verkehrswende gelingen, dass Demokratiebündnisse Stärkung erfahren und Unternehmen bei der Transformation unterstützt werden. Was Lena Fröhlich ärgert: „Wenn Klimaschutz und Wirtschaft gegeneinander ausgespielt werden.“

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