Breunigweiler
Wie es mit dem „Ausflug des Schreckens“ weitergeht
Spätestens ab Mitte September wird Albert Kochs Telefon kaum stillstehen. So ist das immer beim Vorsitzenden des Vereins Pfrimmtaltouristik, wenn Halloween näher rückt. Und so wird es auch 2023 sein. Zu seinem Bedauern aber wird Koch nicht – wie bis zum Jahr 2019 – die letzten Organisationsschritte für den „Ausflug des Schreckens“ auf den Weg bringen und ungezählte Kartenanfragen bearbeiten. Sondern er wird die Halloween-Fans aus Nah und Fern, die sich nach vier Jahren Pause endlich wieder auf dem knapp zwei Kilometer langen Rundweg bei Breunigweiler gruseln wollten, ein weiteres Mal vertrösten müssen. Bei einer Mitgliederversammlung im August ist die Entscheidung gefallen, die sich schon angedeutet hatte: 2023 wird der „Ausflug des Schreckens“ zum vierten Mal in Folge ausfallen.
Die herbstliche Gruselveranstaltung hatte sich bis zu ihrer Zwangspause längst zu einem fixen Eintrag in den Terminkalendern von Horror-Fans gemausert. Zunehmend mehr Menschen hatte sie aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands und aus dem nahen Ausland ins beschauliche Breunigweiler gelockt. Im Vorfeld der 14. Auflage, im Jahr 2019, waren innerhalb der ersten gut zwei Stunden 2000 Tickets weggegangen. Neben dem von unheimlichen Monstern, Geistern, Horror-Clowns und Zombies gesäumten Rundweg wartete auch das Dorf Breunigweiler selbst auf seine Gäste: Nach überstandenem „Ausflug des Schreckens“ konnten die zahlreichen Besucher in den stimmungsvoll dekorierten Höfen im Ortskern einkehren.
Zombies und Kerweborsch im selben Boot
2020 und 2021 machten dann Corona und die zugehörigen Schutzverordnungen Gästen und Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Und im Jahr darauf war es dann die Ungewissheit: Schon im Frühjahr 2022 nehmen die Planungen für Halloween stets Fahrt auf im Pfrimmtal. Wie sich die Corona-Fallzahlen bis Herbst entwickeln würden? Wie die Vorgaben bis dahin aussehen würden? Diese Fragen waren nicht hinreichend zu beantworten gewesen für den kleinen Verein, um all die Arbeitszeit und nicht zuletzt die rund 20.000 Euro zu investieren, die er frühzeitig in die Hand nehmen muss, um das Großereignis auf die Beine zu stellen.
Schon da berichtete Koch von „so vielen Anfragen wie noch nie“. Und von den vielen Anrufern, die er schweren Herzens habe enttäuschen müssen. Das wird 2023 nicht anders sein. Und das obwohl von Corona-Beschränkungen weit und breit nichts mehr zu sehen ist. Es sind andere Regelungen und Vorgaben, die diesmal für so viel Unsicherheit gesorgt haben, dass Pfrimmtaltouristik den „Ausflug des Schreckens“ für ein weiteres Jahr aussetzt: jene zur „Gefahrenvorsorge und Gefahrenabwehr bei öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel in Rheinland-Pfalz“ nach dem novellierten Polizei- und Ordnungsbehördengesetz. Diesen waren in jüngster Vergangenheit schon etliche Veranstaltungen, allen voran Fasnachts- und Kerweumzüge, zum Opfer gefallen.
Vielfaches an Sicherheitspersonal
Nicht, dass man das Thema Sicherheit bis dato vernachlässigt hätte, betont Koch. Mit Rettungsdienst und Feuerwehr habe man stets „ein super Konzept für die Rettungsgassen“ erarbeitet, für Sicherheitspersonal habe ein Dienstleister gesorgt.
Doch die neue gesetzliche Grundlage verlange zu viel. So benötige der rund 30 Meter lange, mit Blinklichtern versehene Gang, der auf dem Rundweg installiert wird, nun zwingend einen beleuchteten Notausgang. „Das ist doch so gut wie unmöglich“, sagt Koch. Am Ende sei es auch eine Kostenfrage für den Verein. So hätte nach ersten Schätzungen rund dreimal so viel Sicherheitspersonal beschäftigt werden müssen wie zuvor, um alle Auflagen zu erfüllen. Und auch die für Veranstalter obligatorische Haftpflichtversicherung sei aufgrund der strengeren Regelungen „deutlich teurer geworden“.
Der Vereinsvorsitzende sieht es pragmatisch: „Das sind nun mal Vorschriften, und die lassen sich nicht biegen.“ Klar sei auch, dass Veranstaltungen wie der „Ausflug des Schreckens“ schon immer besondere Anforderungen an das Sicherheit gestellt hätten. „Die Dunkelheit ist dabei ein großer Effekt, aber auch ein großes Handicap“, fasst Koch zusammen.
Was passiert 2024?
An Halloween 2024 soll es dann aber endlich wieder so weit sein. „Wir wollen frühzeitig ein Sicherheitskonzept erstellen und es den Behören vorlegen“, kündigt Albert Koch an. „Bis kurz nach Fasnacht sollen dann alle Entscheidungen gefallen sein.“ Der Vorsitzende ist sich sicher: „Wenn alle mitmachen – Organisatoren, Helfer, Verwaltung –, dann sollte das zu schaffen sein.“
Wenngleich es nach so langer Pause ein weiteres Problem zu lösen gilt: Die Macher sind älter geworden, die Helfer rarer. Während der Pandemiezeit haben sich auch drei, vier der beteiligten Gruppen aufgelöst, wie Koch berichtet – da habe er jedoch keine Bedenken, Ersatz zu finden. Und auch im Vorstand des Vereins und bei der Veranstaltungsorganisation habe sich nun einiger Nachwuchs eingefunden, der die arrivierten Kräfte unterstützen will. Um Gruselwillige im Jahr 2024 wieder nach Breunigweiler zu locken, haben sie eine Mammutaufgabe vor sich.
Für alle, die auf den „Ausflug des Schreckens“ nicht verzichten wollen – oder ihn noch gar nicht kennen und das ändern wollen –, gibt’s hier einen virtuellen Rundgang um Breunigweiler mit Videos, Bilderstrecken und kleinen Rätseln.
