Breunigweiler
Warum es 2022 keine Gruselmomente beim „Ausflug des Schreckens“ gibt
„Es tut einem ja schon richtig leid“, sagt Albert Koch, der Vorsitzende des Vereins Pfrimmtaltouristik. Die Nachfragen, ob es denn in diesem Jahr „endlich wieder einen ,Ausflug des Schreckens’“ geben würde, reißen nicht ab. Immer wieder klingelt sein Telefon. Immer wieder muss er den Anrufer oder die Anruferin enttäuschen. „Es sind dieses Jahr sehr viele Anrufe“, sagt er und fügt nach kurzer Überlegung an: „Eigentlich so viele wie noch nie.“
Und sie kommen aus einem großen Umkreis. Das bestätigt den Trend, der sich bis zum Jahr 2019 – dem bis dato letzten mit „Ausflug des Schreckens“ – mehr und mehr abgezeichnet hatte: Die Großveranstaltung lockte zunehmend mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen Deutschlands und aus dem nahen Ausland ins beschauliche Breunigweiler.
2000 Tickets in zweieinhalb Stunden
Bei der bis dato letzten, der 14. Auflage gingen 2000 Tickets innerhalb von nur zweieinhalb Stunden weg. Umso schwerer fällt es Koch, Anrufer um Anrufer immer wieder aufs Jahr 2023 zu vertrösten. Dann soll es endlich wieder so weit sein.
Zunächst war auch für 2022 ein „Ausflug des Schreckens“ geplant gewesen, hätten wieder Tausende von Besuchern auf dem gruseligen Rundweg bei Breunigweiler mit Horror-Clowns und Zombie-Bus konfrontiert werden sollen. Den 22. Oktober hatte sich schon so manch Halloween-Fan dick im Kalender angestrichen. Doch nachdem die Veranstaltung schon in den beiden Vorjahren der Pandemie zum Opfer gefallen war, folgte auch 2022 die Absage.
Schutzmaßnahmen kaum umsetzbar
„Natürlich hätten wir den ,Ausflug des Schreckens’ sehr gerne wieder gemacht“, sagt Koch. Doch die Verunsicherung sei nach wie vor zu groß gewesen. „Wir haben mit Ärzten gesprochen und auch mit den Darstellern“, schildert der Vorsitzende. „Da sind viele verschiedene Aspekte, die beachtet werden müssen – alleine, dass die Darsteller sich sechs Stunden lang mit Maske bewegen und dabei teilweise sprechen müssten.“
Zudem sei es im Mai, als die Vorbereitungen spätestens so richtig Fahrt hätten aufnehmen müssen, nicht absehbar gewesen, „was womöglich noch von höheren Stellen vorgegeben wird“, schildert Ortwin Molter, der zweite Vorsitzende bei Pfrimmtaltouristik. Denn klar ist: Corona-Schutzmaßnahmen sind kaum umsetzbar bei einer Veranstaltung, bei der Hunderte Menschen in den engen Straßen des Ortes auf Einlass warten, bei der das Schocker- und Gruselpotenzial dafür sorgt, dass sich Teilnehmer am Nebenmann festklammern, und bei der die zahlreichen Gäste nach überstandenem „Ausflug“ in den stimmungsvoll dekorierten Höfen im Dorfkern einkehren. Viel wichtiger als mögliche Auflagen ist zudem das Verantwortungsbewusstsein, gerade bei den wieder steigenden Corona-Fallzahlen im Herbst: „Was wäre, wenn die Zahlen dann nach der Veranstaltung sprunghaft nach oben gegangen wären?“, fragt Molter.
Geteilte Meinung bei Standbetreibern
Das Risiko wäre demnach hoch gewesen für den kleinen Verein, die aufwendige Vorbereitung für nichts und wieder nichts hinter sich zu bringen. „Wir müssen sehr viel investieren“, sagt Koch. „Wenn wir dann kurz vorher aus politischen oder medizinischen Gründen hätten abbrechen müssen, wäre das ein Riesenverlust für uns gewesen.“ Eine kurzfristige Absage hätte sogar „an die Existenz gehen“ können, glaubt der Vorsitzende. Rund 20.000 Euro müsse der Verein in der Vorbereitungszeit investieren.
Zusätzlicher Aspekt laut Koch: der seit Monaten währende Krieg in der Ukraine. „Wie weit kann man dann gehen?“, stellt er in den Raum. Letztlich spielen Schockmomente, Angst und teilweise auch Kostüme mit Waffen eine Rolle.
Die Absage sei letzten Endes logische Konsequenz all der Unsicherheiten gewesen. Unter den Stand- und Hofbetreibern in Breunigweiler habe es Stimmen für die Absage ebenso gegeben wie solche, doch endlich die 15. Auflage des schaurigen Rundwegs durchzuziehen. 2023, da sind Koch und Molter optimistisch, soll es dann so weit sein.