Gewichtheben RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Eugen Mühlberger in Ludwigshafen kaum bekannt ist

1928 waren die Olympischen Spielen in Amsterdam, Eugen Mühlberger war dabei.
1928 waren die Olympischen Spielen in Amsterdam, Eugen Mühlberger war dabei.

Seine Nachfahren leben noch heute in der Kurpfalz, wissen aber kaum etwas von den athletischen sportlichen „Großtaten“ ihres Ahnen Eugen Mühlberger.

Der Friesenheimer Eugen Mühlberger (1902-1944) war vor rund einem Jahrhundert in seiner Gewichtsklasse Federgewicht einer der besten Gewichtheber der Welt, nahm 1928 an den Olympischen Spielen in Amsterdam teil, wurde 1930 in München Europameister und gewann zwischen 1925 und 1932 fünfmal den deutschen Meistertitel. Zweimal war er 1931 und 1933 obendrein Vize-Europameister und zwischen 1931 und 1936 dreimal deutscher Vizemeister. Im beidarmigen Reißen stellte er 1929 in München mit 92,5 Kilogramm einen Weltrekord auf, den er ein Jahr später in Frankfurt auf 93,0 Kilogramm verbesserte.

Dem am 30. August 1902 in Friesenheim geborenen Sohn des Fabrikarbeiters Julius Mühlberger war es nicht in der Wiege gelegt, dass er 25 Jahre später im Gewichtheben einer der ganz Großen werden würde. Der schmächtige Junge interessierte sich eher fürs Turnen und Schwimmen.

Anfang beim VfK 86 Mannheim

Seine Eltern wünschten sich einen körperlich robusteren Sohn und schickten ihn daher zu den Schwerathleten des VfK 86 Mannheim. Dort fand er Gefallen am Gewichtheben, wurde aber nie muskulöser und schwerer als ein Federgewichtler: Dessen Höchstgewicht im Heberwettkampf war auf 60 Kilogramm festgelegt. Für die heutigen Gewichtheber unbegreiflich: Damals gab es nicht nur den Olympischen Dreikampf mit den Disziplinen Drücken, Reißen und Stoßen, sondern auch einen Fünfkampf, zu dem noch einarmiges Reißen und Stoßen gehörten ...

Mühlberger präsentierte sich bald als Ausnahmeathlet bei regionalen Meisterschaften und wurde 1925 in Stuttgart erstmals deutscher Meister im Fünfkampf mit einer Leistung von 415 Kilogramm. 1926 in Köln (435 kg) und 1929 in Villingen (405 kg) holte er im Fünfkampf noch zweimal den Titel. Olympischer Dreikampfmeister wurde er 1927 in Nürnberg (277,5 kg) und 1932 in Dortmund (275 kg). Nach drei deutschen Meistertiteln in Folge qualifizierte sich der Friesenheimer 1928 für die Olympischen Spiele in Amsterdam, wo er mit einer enttäuschenden Dreikampfleistung von 255 Kilogramm als Zwölfter weit hinter seinen Möglichkeiten blieb. Olympiasieger wurde der Österreicher Franz Andrysch mit 287,5 Kilogramm. Obwohl Mühlberger 1936 in Möhringen mit beachtlichen 290 Kilogramm deutscher Vizemeister wurde, wurde er für die Olympischen Spiele in Berlin nicht berücksichtigt.

1930 Europameister

Dabei hatte er in den Jahren nach seiner Olympiateilnahme 1928 weiterhin international auf sich aufmerksam gemacht. 1930 wurde er in München Europameister mit 280 Kilogramm im Dreikampf vor dem Münchener Hans Wölbert (ebenfalls 280 kg), der etwas schwerer als der Pfälzer war. 1931 in Luxemburg (270 kg) und 1933 in Essen (410 kg im Fünfkampf) holte er jeweils die Silbermedaille. Bei seiner vierten EM-Teilnahme 1934 in Turin musste er im Dreikampf mit 270 Kilogramm als Fünfter passen. Er hatte 15 Kilogramm Rückstand auf den italienischen Sieger Attilio Bescope, der 285 Kilogramm bewältigte. 1936 beendete der mittlerweile aus beruflichen Gründen nach Frankfurt umgezogene Friesenheimer seine internationale Karriere. Mühlenberger wurde nur 42 Jahre alt: Am 1. August 1944 wurde er in Russland nach einem Fronteinsatz als „vermisst“ gemeldet, dort verlieren sich seine Spuren ...

Die Stadt Ludwigshafen und ihre Vororte waren Ende des 19. und bis weit hinein ins 20. Jahrhundert Hochburgen der Schwerathletik - aber meist im Ringen. Überdurchschnittliche Gewichtheber wie Mühlberger gab es kaum. Nennenswert sind als erster deutscher Gewichtheber-Meister der Stadt der Oggersheimer Karl Fahrnbach, der 1922 im Leichtgewicht die Nummer eins in Deutschland war und dreimal DM-Dritter wurde. 1933 wurde der Rheingönheimer Jakob Renfer im Bantamgewicht DM-Zweiter, ein Jahr später Dritter. Mit Karl Stohner trat ein weiterer Rheingönheimer als dreifacher Titelträger von 1960, 1961 und 1965 in seine Fußstapfen, er wurde ferner 1963 „Vize“ und zweimal Dritter.

Dreifacher deutscher Meister, zweimal Vize-Europameister und Olympiazweiter 1936 in Berlin wurde der 1907 in Friesenheim geborene Eugen Deutsch (KSC Friesenheim), der als mehrfacher Medaillengewinner und zweifacher Weltrekordler in den 1930er-Jahren die Szene im Mittelgewicht beherrschte. Allerdings gehörte er von 1930 bis 1936 einem Augsburger Verein an, ehe er nach Friesenheim zurückkehrte und dort Jugendtrainer wurde. Deutsch starb als Soldat am 8. Februar 1945 in der Nähe von Bitsch/Lothringen.

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