Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Breunigweiler: Ausflug des Schreckens treibt Besuchern Angstschweiß auf die Stirn

2000 Gruselfans sind bei der Breunigweilerer Nacht des Schreckens einmal mehr auf ihre Kosten gekommen. Die Veranstalter der Pfr
2000 Gruselfans sind bei der Breunigweilerer Nacht des Schreckens einmal mehr auf ihre Kosten gekommen. Die Veranstalter der Pfrimmtal-Touristik und ihre Helfer haben sich wieder tolle Effekte einfallen lassen. Foto: J. Hoffmann

Es ist eine dieser finsteren Oktobernächte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen: Kurz vor Halloween öffnet die Pfrimmtal-Touristik zum 14. Mal die Höllentore zum „Ausflug des Schreckens“. 2000 Todesmutige wagen sich auf die Strecke. Trotz Kälte treibt es vielen den Angstschweiß auf die Stirn.

Das hängt nicht zuletzt an den zahlreichen neuen Gruselstationen, die selbst Hartgesottenen einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagen. Dabei wirkt die sternenklare Nacht auf den ersten Blick fast schon idyllisch – wären da nicht immer wieder die gequälten Schreie, die aus dem dunklen Wald dringen. In dem Zelt, das auf einer fernab gelegenen Wiese steht, ist von dem Schrecken aber nichts zu spüren. Immer wieder ist von draußen Musik und fröhliches Gelächter zu hören – ein (vermeintlich) sicherer Zufluchtsort für die vom Spuk verfolgten Wanderer. Ins Innere gelockt, bietet sich den Neugierigen eine mittelalterliche Szene: An einer reich gedeckten Tafel feiern Knechte und Mägde ausgelassen die Großzügigkeit ihres Herrn und prosten sich zu. Die Neuankömmlinge scheinen sie nicht zu bemerken. Deren Gesichtszüge entspannen sich, sie atmen durch. Hier droht keine Gefahr. Denkste ...

Denn plötzlich fällt das Licht aus. Als es nach wenigen Sekunden wieder anspringt, folgt der blanke Horror: Die „Leute“, die zuvor mit dem Rücken zu den Wanderern gesessen haben, stehen jetzt unmittelbar vor ihnen und legen den Blick auf verweste Fratzen frei. Völlig entsetzt presst ein junges Mädchen einen spitzen Schrei hervor und verbirgt sein Gesicht in der Jacke ihres Freundes. Fast schon weinerlich erkundigt sie sich, ob das „Monster“ bereits von ihr abgelassen habe und sie die Augen wieder öffnen könne. Ihr Freund hingegen ist zur Salzsäule erstarrt. Bewegungslos weicht er jedem dämonischen Blickkontakt aus. Damit ist er nicht alleine: Selbst erwachsene Familienväter in den unterschiedlichen Wandergruppen tun so, als sei die Zeltdecke besonders interessant und schirmen sich damit emotional ab.

Die Jungen sind oft mutiger

Einem jungen Mann gelingt dieser Schutzmechanismus nicht: Als das Licht wieder angeht und er gedankenverloren den Blick vom Boden auf eine Fratze lenkt, gibt es für ihn kein Halten mehr: Völlig schockiert schreit er los und zerrt sogar seine Partnerin schützend vor sich. In einer weiteren Gruppe glaubt eine Frau, sich die Wesen mit Beleidigungen vom Leib halten zu können. Mehr Mumm beweisen da schon die jüngsten Besucher: Nachdem sie sich vom ersten Schreck erholt haben, lachen sie über ihre Reaktion, lassen sich auf Spielereien mit den Dämonen ein oder versuchen gar, diese zurück zu erschrecken. Ganz Waghalsige lassen sich sogar an die Tafel zerren und mit Trauben füttern. Was den Horrorfans jedoch verborgen bleibt: Die Freude der Untoten über die Reaktionen der Wanderer, die sich erst dann zeigt, wenn alle Sterblichen weitergezogen sind.

Grauenhafte Szenarien spielen sich auch an weiteren Stationen ab. So führt ein Teil der Strecke über den Friedhof der Kuscheltiere. Auf dem von Grabsteinen gesäumten Weg versperren immer wieder blutrünstige, menschengroße Plüschtiere den Weg, um die Durchreisenden mit ihren Waffen in die Arme der nächsten Ungeheuer zu treiben: einer blutverschmierten Braut, Orks oder des Serienmörders Freddy Krüger. Wenige Meter weiter sorgt ein Kutscher, der vom Bock einer historischen Bestattungskutsche makabere Witze erzählt, für eine kurze Verschnaufpause.

Doch gleich darauf werden die Gruselfreunde mit einer neuen Gefahr konfrontiert: Wer den Wegepfand im von Irrlichtern bewohnten Wald nicht zahlen kann, der droht beim Totengedenken von Sensenmann und Hexe in schaurig-schöner Atmosphäre lebendig verspeist zu werden. Achten muss man auch auf die Soldaten mit den Dreispitz-Hüten: Gelegentlich zerren sie Bauern in einen Käfig oder sogar aufs Schafott, wo gleich darauf vor den Augen aller die Klinge fällt. Vorbei geht es dann an einem mehrere Meter großen Skelett in Frack und Zylinder, das sogar die umher stehenden Bäume überragt. Auch die vielen mit Nebel gefüllten Zelte, durch die man – geblendet von Stroboskoplicht – laufen muss, heizen den Nervenkitzel weiter an.

In den Bussen warten die Zombies

Die nächsten unheimlichen Weggefährten lauern schon: kleine, blutverschmierte Kinder mit Beilen oder Wahnsinnige, die auf ihr nächstes Opfer warten. Derweil grapschen unsichtbare Hände nach den Vorbeigehenden. Schafft man es, sich aus deren eiskalten Fängen zu befreien, stolpert man direkt in den nächsten Irrsinn: Verrückte Ärzte, die einem Mann bei vollem Bewusstsein ein Bein amputieren – und zu deren Assistenten man gemacht wird. Wer flüchtet, kommt vorbei an zwei Linienbussen, in denen zunächst regungslos Zombie-Passagiere plötzlich lebendig werden. Nicht weniger blutrünstig: Im angrenzenden Jurassic Park sind Dinosaurier ausgebrochen, die in der Dunkelheit auf ihre Beute lauern ...

Wer den „Ausflug“ unbeschadet übersteht, geht in der Regel nicht gleich nach Hause: Man kehrt bei einer großen Auswahl von Leckereien in den stimmungsvoll dekorierten Höfen im Dorfkern ein. „Wir fanden alles super, von Anfang bis Schluss“, lobt Nicole Geissel aus Langmeil die Veranstaltung, die sie im vierten Jahr in Folge besucht. „Alle Teilnehmer haben sich sehr viel Mühe gegeben“, freut sich Anja Webel aus Göllheim mit ihrer Tochter und deren Freundin über den gelungenen Abend. Ihr persönlicher Höhepunkt des Spektakels „ist die Eule am Schluss gewesen. Wir durften sie sogar streicheln.“

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