Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Dann steht alles still“: Pfalztram sorgt für Zündstoff

Die RNV stellt Bürgern die Pfalztram-Pläne für die Gartenstadt und Maudach vor.
Die RNV stellt Bürgern die Pfalztram-Pläne für die Gartenstadt und Maudach vor.

Die Planer des Straßenbahn-Projekts machen Station in Maudach. Besonders eine mögliche Streckenführung durch den Ortskern stößt bei Anwohnern auf Skepsis.

„Es steht doch schon fest, dass es durch die Maudacher Straße gehen wird. Geben Sie es doch zu!“ Diese beiden Sätze veranschaulichen sehr gut, was bei der Informationsveranstaltung zur Pfalztram in Maudach die Gemüter besonders erregen sollte. Die Vorstellung, dass die Strecke durch das Nadelöhr im Ortszentrum führen könnte, bringt an diesem Dienstagabend nicht nur einen Anwohner auf die Palme. Die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) hat in den Julius-Hetterich-Saal geladen, um für das Straßenbahn-Projekt zu werben, mit dem Orte im Rhein-Pfalz-Kreis besser an Ludwigshafen und Mannheim angebunden werden sollen. Und dafür soll es eben auch durch die Gartenstadt und Maudach gehen.

Frank Dommasch von der RNV will die Aufmerksamkeit der mehr als 100 Zuhörer zunächst einmal auf das große Ganze lenken. Er führt aus, dass in dem Ost-West-Korridor viele Menschen die Straßenbahn nutzen würden. Die Rede ist von 7500 zusätzlichen Fahrgästen pro Werktag. Direkt und ohne Umsteigen gehe es dann bis ins Zentrum von Ludwigshafen beziehungsweise Mannheim. Außerdem: Weniger CO2 würde entstehen, sogar die Zahl der Unfälle würde zurückgehen. Denn das Auto, so die Hoffnung der ÖPNV-Planer, würde dann ja immer öfter überflüssig werden.

Menschen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis und vom Ludwigshafener Rand sollen mit der Pfalztram besser in die City kommen.
Menschen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis und vom Ludwigshafener Rand sollen mit der Pfalztram besser in die City kommen.

Eine Nutzen-Kosten-Untersuchung bescheinigt dem Projekt Wirtschaftlichkeit – Voraussetzung dafür, dass der Bund den Großteil der Kosten übernimmt. Derzeit wird mit rund 400 Millionen Euro gerechnet, wovon der Bund voraussichtlich 75 Prozent tragen würde; zusätzliche Landesförderungen sind möglich.

Wo entstehen die Pfalztram-Trassen?

So schön, so gut. Mehr als diese allgemeinen Einlassungen dürfte die Menschen interessieren, wo die Trassen in der Gartenstadt und in Maudach verlaufen könnten. In der Gartenstadt stehen drei Varianten im Raum: Entweder durch Raschigstraße und Leininger Straße oder über eine direkte Achse in der Maudacher Straße oder

nördlicher durch Wohngebiete. In Maudach sind nach dem jetzigen Stand der Planungen ebenfalls drei Trassen denkbar. Bei der einen ginge es von Gartenstadt kommend über den Bereich Leininger Straße/Raschigstraße weiter in Richtung Maudacher Straße und dann südlich durch Maudach über die Kleestraße weiter Richtung Mutterstadt. Geprüft wird außerdem eine nördliche Route über die Alte Weinstraße. Und dann ist da die Strecke, die über die Maudacher Straße ziemlich direkt durch den Ortskern führen würde.
So mancher schaut bei den ausgehängten Plänen ganz genau hin.
So mancher schaut bei den ausgehängten Plänen ganz genau hin.

Und eben da wohnt zum Beispiel Erich Funck. Der 70-Jährige erinnert im Anschluss an die Präsentation gegenüber der RHEINPFALZ daran, dass man „zehn, 15 Jahre dafür gekämpft hat, dass die Maudacher Straße saniert wird. Und jetzt soll sie wieder aufgerissen werden?“. Außerdem sei es eng hier. „Wo sollen die Leute denn ihre Autos hinstellen, wenn die Bahn da durchfährt“, fragt er. Die Maudacher Straße ist im Ort ohnehin ein Dauerbrenner. Zudem betont Funck, dass – unabhängig von der Trassenführung – vor allem der Rhein-Pfalz-Kreis von den Erweiterungsplänen profitiere.

„Was ist, wenn die Müllabfuhr kommt?“

Birgit Nicklas hat eine Haltestelle vor der Haustür. Regelmäßig fährt sie mit dem Bus zum Berliner Platz in die City. Die 69-Jährige kann sich ebenfalls nicht vorstellen, wie eine Bahn mitten durch den Ort fahren soll. „Der Lärm für die Anwohner würde ja schlimm sein“, sagt sie. Andererseits gibt sie zu bedenken, dass eine Route um den Ortskern herum für viele weite Wege zur Haltestelle mit sich bringen würden. „Da müsste ein Bus-Shuttle gut funktionieren.“

Gabriele Michaelis, die im Ortskern wohnt, begrüßt die Pläne einerseits, weil sie die Umwelt entlasteten, andererseits kann sie sich nicht vorstellen, dass „eine Bahn direkt an der Haustür vorbeifährt“. Sie fragt: „Was ist denn, wenn die Müllabfuhr oder ein Pflegedienst kommt?“ Und gibt die Antwort gleich selbst: „Dann steht alles still.“ Elektrobusse fände sie besser. „Die können Hindernissen ausweichen und brauchen auch keine hässlichen Oberleitungen.“ Horst Fischer dagegen hält das Pfalztram-Projekt für sinnvoll. Weil er kein Auto hat, ist er entweder mit dem Fahrrad oder dem Bus unterwegs. „Und die Busse fallen dauernd aus“, moniert der 69-Jährige.

Heiße Debatten im Norden der Stadt

Das Projekt insgesamt ist noch in einer sehr frühen Phase der Planung. Bis die Bahnen auf den verlängerten Strecken fahren, wird noch viel Zeit vergehen. Es wird wohl mehr als zehn Jahre dauern, bis die Pfalztram abschnittsweise von Ludwigshafen aus in Betrieb geht. Ein Projekt dieser Größenordnung muss mehrstufige Planungs- und Genehmigungsverfahren durchlaufen. Darauf weist auch Maudachs Ortsvorsteher Andreas Olbert (CDU) hin. Die Trassen stünden noch nicht fest, er gehe aber davon aus, dass die Umgehung des Ortskerns bevorzugt werde. „Ich als Ur-Maudacher brauche die Pfalztram nicht, weil die bisherigen Busverbindungen gut funktionieren“, sagt er.

Während in Maudach die Diskussionen um das Projekt an diesem Abend gemäßigt zu Ende gehen, ist es im April im Ludwigshafener Norden doch eher hitzig zugegangen. Dort erinnert die Skepsis an die Debatte um die Stadtbahn Nord in Mannheim vor mehr als zehn Jahren. Doch auch in Maudach ist es nicht ausgeschlossen, dass sich noch Protest formiert.

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