Donnersbergkreis
Das Jahr im Rückblick: Feierstimmung, Zusammenhalt und mutiger Neuanfang
Die Stadt feiert sich selbst. Anlässlich des 1250. Jubiläums veranstalteten die vier Schulen der Stadt auf dem Römerplatz einen Aktionstag unter dem Motto „Meine Stadt – Meine Schule – Meine Party“ mit 1200 Schülern und 200 Lehrkräften. Alle Schüler formierten sich zu Buchstaben, sodass am Schluss aus der Luft „Wir sind Kibo“ zu lesen war. Die Schüler hielten bunte Papierseiten in die Luft als Zeichen dafür, wie bunt „ihre“ Stadt ist. Die Aktion war Teil des Stadtjubiläums, das am 28. Dezember mit einer Party in der Stadthalle seinen Abschluss findet.
Im März war das Jubiläum mit einem Festakt eröffnet worden, im August gab es ein Pop-Open-Air mit Nico Santos und Michael Schulte.
Zuvor war die Kammerphilharmonie Europa aus Köln zu Gast und brachte zusammen mit dem Opernprojektchor „Mont Tonnere“ unter der musikalischen Gesamtleitung von Stefan Wasser bekannte Werke unter anderem von Rossini, Mozart, Verdi und Jaques Offenbach auf die Bühne.
Der Bierkönig fährt zum Bierkönig
Dass er als Bierkönig von Kerchem dem Bierkönig auf Mallorca einen königlichen Besuch abstatten könnte, diese Idee hatte der Amtsträger aus der Pfalz, Ernst Ludwig Huy, schon seit langem. In diesem Frühjahr nun wurde es wahr: Seine Majestät fuhr mit einer Abordnung nach Mallorca, um dort in seinem Namensvetter-Lokal Werbung für seine Heimatstadt Kirchheimbolanden zu machen. Ob und wie viele Menschen es daran anschließend in die Region verschlagen hat, lässt sich nicht feststellen.
Klar ist aber: Bierkönig Huy und Peter Wackel, der das Kultlokal „Bierkönig“ führt, ein Hotspot der deutschsprachigen Partyszene auf Mallorca, kamen 2019 auf die Stadt zu mit der Bitte, den Titel „Bierkönig“ aus der Urlaubsinsel kommerziell nutzen zu dürfen. Bei seiner ersten Anfrage im Jahr 2010 hatte die Stadt diese Bitte noch abgelehnt. Doch ohne offizielle Erlaubnis ging es nicht, denn in Kerchem kam man erstmals auf die Idee, einen Bierkönig als Würdenträger einzusetzen. Ausschlaggebend dafür war die Kerchemer Bierwoche und die Tatsache, dass rings um den Donnersberg viel Braugerste angebaut wird. Schon 2002 hatte der damalige Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller in weiser Voraussicht das entsprechende Patent auf den Namen angemeldet.
Sehr viel Geld für „immensen“ Aufwand
Für große Entrüstung sorgte die Ankündigung, die monatliche Aufwandsentschädigung für die beiden Beigeordneten der Verbandsgemeinde anzuheben, und zwar auf den vierfachen Satz des bisherigen Betrages. Demnach sollten Franz Röß als erster Beigeordneter und Albert Ziegler (SPD) für ihr Ehrenamt künftig nicht länger 587,40 Euro, sondern 2289 Euro monatlich erhalten. Dieser Satz kann Beigeordneten in Kommunen mit zwischen 20.000 und 40.000 Einwohnern bezahlt werden. Laut Statistischem Landesamt wohnen aktuell 20.048 Bürger in der Verbandsgemeinde. Begründet wurde der finanzielle Aufschlag zudem damit, dass die beiden Beigeordneten in den nächsten Jahren „immense Aufgaben zu stemmen“ hätten. Nach vielfältiger Kritik sowohl von Kommunalpolitikern als auch von Bürgern lenkte der Verbandsgemeinderat ein: Künftig sollen es 30 Prozent weniger sein als zunächst beschlossen, statt 2289 Euro also rund 1600 Euro monatlich. Diese Summe entspricht der Aufwandsentschädigung eines Bürgermeisters mit einer Gemeinde bis zu 2500 Einwohnern.
Auch die Stadt erhöhte die Entschädigungen für die beiden Beigeordneten. Tatjana Röß (CDU) und Michael Ruther (SPD) erhalten nun je rund 1110 Euro pro Monat.
Die Donnersberger hatten die Wahl
Stellenweise sah es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Amtsinhaber Marc Muchow als Stadtbürgermeister von Kirchheimbolanden und seinem Herausforderer Alexander Groth (Freie Wählergemeinschaft) aus.
. Groth vereinigte 45,7 Prozent der Wählerstimmen auf sich. Auch in Rockenhausen gab es ein „weiter so“: Michael Vettermann (FDP) bleibt für eine zweite Amtszeit Stadtbürgermeister von Rockenhausen.
Er entschied das Duell mit seinem Herausforderer Güngör Aydin (SPD) mit 53,7 Prozent der Wählerstimmen für sich. Eine vierte Amtszeit brachten die Wahlen für den Ortschef von Göllheim, Dieter Hartmüller (CDU). Er hatte keinen Gegenkandidaten. Der Amtsinhaber in Winnweiler, Rudolf Jacob (CDU), setzte sich mit 62,6 Prozent gegenüber Herausforderer Christian Ritzmann (FDP) durch.
In der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden und im Kreistag schaffte die Alternative für Deutschland (AfD) den Einzug. Während die Partei nach der Wahl auf Verbandsgemeindeebene sechs Sitze belegt, waren es im Kreis sieben. Mittlerweile haben sich die Konstellationen allerdings wieder verschoben. Michael Eich, der ehemalige Spitzenkandidat und Fraktionsführer der AfD im Kreis, legte all seine Mandate nieder, als Parteimitglieder sich anschickten, ihn und seinen Stellvertreter Torsten Kistenmacher abzuwählen. Mitglied der AfD ist Fraktionsführer Michael Eich aber weiterhin. Kistenmacher dagegen behält sein Mandat auf Kreisebene, ist aber mittlerweile aus der Partei ausgetreten.
Neue Wege im Westpfalz-Klinikum
Beim Westpfalz-Klinikum geht es voran. Nach etlichen Debatten ist der Startschuss für den Erweiterungsbau in Kirchheimbolanden mit dem Spatenstich für den Erweiterungsbau auf dem Gelände der früheren Radiologie gefallen. Der Neubau soll bis Anfang 2027 bezugsfertig sein. Im Gegenzug wird der Standort Rockenhausen geschlossen, das Westpfalz-Klinikum auf die Standorte Kaiserslautern, Kusel und Kirchheimbolanden konzentriert. 50 Millionen Euro werden in den Neubau in der Nordpfalz investiert, den größten Batzen davon übernimmt mit 42,7 Millionen Euro das Land. Der Umzug der Inneren Medizin und der Geriatrie von Rockenhausen nach Kirchheimbolanden im Jahr 2027 soll sowohl das Behandlungsspektrum am Standort erweitern als auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern. Künftig werden Chirurgie, Unfallchirurgie, Gynäkologie, Innere Medizin und Geriatrie am Standort Kirchheimbolanden angeboten.
Bereits im März trat der langjährige Chefarzt der Viszeralchirurgie am Klinikum, Michael Schmid, in den Ruhestand. Wobei er seinen Patienten als Chirurg des Gesundheitszentrums erhalten bleibt. Sein Nachfolger am Klinikum ist Christian Mönch, der damit zum Chefarzt der gesamten Chirurgie am Westpfalz-Klinikum wird. Neben Schmid verließ auch der Chefarzt der Inneren Medizin am Standort Rockenhausen, Stefan Hinze, das Klinikum. Er hat sich mit einer Praxis für Gastroenterologie im neuen Ärztehaus in Winnweiler niedergelassen.
Gienanth erlebt turbulentes Jahr
Die Gienanth-Gruppe in Eisenberg erlebte im Jahr 2024 eine turbulente Phase. Nach finanziellen Schwierigkeiten, bedingt durch hohe Energiekosten und Auftragsrückgänge, musste das Unternehmen Insolvenz anmelden. Es wurden 100 Stellen abgebaut. Im Juli übernahm die DiHAG-Gruppe das Werk, wodurch die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden sollen.
Aus Seniorenheim wird ein Ferienhaus
Nach fast fünf Jahrzehnten stellte das Seniorenheim „Haus Höhenruh“ in Ruppertsecken zum 1. März dieses Jahres den Betrieb ein. Die 21 Bewohnerinnen und Bewohner mussten sich nach einer neuen Unterkunft umsehen. Als Hauptgründe für die Schließung wurde die deutschlandweit angespannte Personalsituation in der Pflege angegeben, aber auch notwendig gewordene Investitionen. Im Laufe des Jahres wurde dann aus Haus Höhenruh „Maison Fasson“, ein Ferienhaus für Gruppen und einige Ferienwohnungen für bis zu vier Personen.
Schlosshotel wird griechisch
Ereignisreich war das Jahr 2024 auch für die Stadt Rockenhausen, speziell mit Blick auf eines ihrer Wahrzeichen – das Schlosshotel. Nachdem es zum Jahresbeginn noch die unterschiedlichsten Gerüchte darüber gab, wer denn den leerstehenden Gebäudekomplex übernehmen wolle, lichteten sich die Reihen der Bewerber schnell. Allen voran die „Ordensritter des salomonischen Tempels zu Jerusalem“ schafften es dabei in die Schlagzeilen. Letztlich dauerte es bis zum Hochsommer, ehe Fakten geschaffen wurden: die Gastronomen-Familie Ntemiris übernahm das Ruder. Im September feierte das Hotel Wiedereröffnung, im Oktober folgte das griechische Restaurant „Mykonos“, welches seitdem die nicht mehr sehr üppige Gastronomie-Landschaft der Stadt bereichert. Nach einem Stotterstart, besonders beim Hotel, wird sich nun die nächsten Monate zeigen, wie gut sich das Schlosshotel unter neuer Führung entwickelt. Für die Stadt geht es dabei neben touristischen und kulinarischen Aspekten vor allem um die wirtschaftliche Seite. Nur mit Pachteinnahmen lässt sich das große Minus-Geschäft Schlosshotel einigermaßen abfedern. Und das ist in Zeiten einer waschechten Finanzkrise alles andere als nebensächlich. Nachdem Rockenhausen 2024 die meiste Zeit ohne genehmigten Haushalt und zwischen Abstimmungen über Grundsteuer-Erhöhungen finanziell nach Luft zu schnappen versuchte, visiert man aktuell eine Klage gegen des Land Rheinland-Pfalz an.