Karriere
Was der neue Job von Volker Wissing mit dem SPD-Wahlkampf zu tun haben könnte
Beide haben eine FDP-Vergangenheit, beide sind aus Protest gegen das von Christian Lindner provozierte Aus der Ampelkoalition bei den Liberalen ausgetreten. Nun machen Volker Wissing und Harald Christ beruflich gemeinsame Sache: Der Ex-Justiz- und Verkehrsminister aus Landau wird Beiratsvorsitzender von Christ Capital, der Beratungs- und Investmentfirma des Unternehmers aus Worms. Wissing soll die „langfristige Unternehmensausrichtung gestalten und Investitionsentscheidungen mit unterstützen“.
Die Zusammenarbeit der Rheinland-Pfälzer mag auf den ersten Blick überraschen, hatte Wissing doch in den vergangenen Monaten immer wieder betont, sich vor allem auf seine Tätigkeit als Anwalt zu freuen. Doch die Rückkehr in die eigene Kanzlei in Landau ist für ihn als ehemaligen Justizminister ohnehin erst mal verbaut – der Karenzzeit wegen. Wissing musste sich also so oder so umorientieren, sich Gedanken über die nahe Zukunft machen. Die Tätigkeit bei Christ Capital steht allerdings noch unter Vorbehalt: Die Bundesregierung muss zustimmen.
Wie Wissing der RHEINPFALZ auf Nachfrage bestätigt, standen für ihn zwei kolportierte Optionen gar nicht zur Diskussion: das Amt des Richters am Bundesverfassungsgericht und ein Wechsel in die SPD. Beides kann sich Wissing aktuell nicht vorstellen. Wobei der stets recht gut vorbereitete Gesprächspartner bei der Frage nach einer Rückkehr in die Politik auffällig lange abwägt. Er schätzt die rheinland-pfälzische SPD, hat unter Malu Dreyer gerne regiert. Christ wiederum ist seit Juso-Zeiten befreundet mit dem heutigen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer.
Lange Partnerschaft, großes Vertrauen
Auch Wissing und Christ kennen sich seit vielen Jahren. Beide Männer sind lange schon im Politikbetrieb aktiv. Harald Christ war Schattenminister des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD), wechselte dann zu den Liberalen, sondierte mit, als eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene möglich schien. Im vergangenen Jahr war er einer der wenigen Menschen, die Wissing rund um das Ampel-Aus ins Vertrauen zog. Sowohl dem Minister als auch dem Unternehmer war zuwider, wie sich führende Politiker ihrer Partei aus der Verantwortung verabschiedeten.
Fortan arbeiten Christ und Wissing also außerhalb der Politik zusammen. Wobei Wissings Aufgabe bei Christ Capital alles andere als unpolitisch sein dürfte. Nicht umsonst nennt die Hauptstadtpresse Harald Christ den „mächtigen Strippenzieher in Berlin“. Der 53-Jährige bringt einflussreiche Menschen zusammen, agiert als Netzwerker von außen in die Politik hinein. Mit Wissing gewinnt er einen Mitarbeiter mit vollem Adressbuch. Der Ex-Minister nennt „identische Werte“ als ausschlaggebend für sein Engagement.
Nun ist die unternehmerische Zusammenarbeit das eine. Die Frage nach der politischen eine andere. Christ ist Vertrauter von Alexander Schweitzer – und ein Befürworter einer sozial-liberalen Prägung seiner Heimat. Die Landtagswahl hat der Unternehmer im Blick. Er will selbst keine Verantwortung übernehmen. Aber vielleicht gemeinsam mit alten Weggefährten für seinen Juso-Freund Schweitzer die Trommel rühren?
Wissing hat mit Rot-Gelb gute Erfahrung gemacht
Volker Wissing wird in Hintergrundgesprächen jedenfalls nicht müde, von alten Zeiten zu schwärmen. Etwa von jenen Zeiten, in denen er unter der „liebenswerten, aber durchaus strengen Führung“ von Malu Dreyer am Kabinettstisch saß, insbesondere mit der heutigen Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) „überaus konstruktiv und freundschaftlich“ zusammengearbeitet hat.
Keine Unterstützung sollte derweil die FDP Rheinland-Pfalz von Christ und Wissing erwarten. Beide haben zunehmend Distanz zur Landesvorsitzenden Daniela Schmitt aufgebaut. Die 53-Jährige steht für eine FDP, die ihre Ex-Parteifreunde als nicht sehr zukunftsfähig erachten – woraus die Geschäftspartner in spe keinen Hehl machen. Ebenso wenig machen sie ein großes Geheimnis daraus, dass sie Alexander Schweitzer politisch wie menschlich näherstehen als dessen Herausforderer Gordon Schnieder von der CDU.
Apropos Schnieder – da war doch was? Richtig: Der Bruder von Gordon Schnieder, Patrick, hat von Volker Wissing erst im Frühjahr das Amt des Verkehrsministers übernommen. Es heißt, das Verhältnis zwischen den beiden Männern sei seit einem recht konstruktiven Übergabegespräch im Ministerium merklich abgekühlt. Das könnte auch mit dem Rauswurf von Bahnchef Richard Lutz zu tun haben. Wissing hatte die Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnersohn aus der Westpfalz stets geschätzt, Schnieder schmiss ihn raus.
Während die Frage „Was macht Volker Wissing eigentlich beruflich“ also fürs Erste beantwortet ist, bleibt eine andere spannende noch offen.