Katastrophenschutz RHEINPFALZ Plus Artikel Tipps für den Krisenfall: Neuer Ratgeber des Bundes soll helfen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt appelliert an die Bevölkerung, stärker für Krisen vorzusorgen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt appelliert an die Bevölkerung, stärker für Krisen vorzusorgen.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sorgt nicht für Krisen vor. Ein neuer Leitfaden soll der Bevölkerung helfen, besser auf Katastrophen vorbereitet zu sein.

Vorräte an Lebensmitteln und Trinkwasser, der Umgang mit Desinformation und der beste Schutzraum vor Explosionen: In seinem neuen Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) Tipps für Notlagen.

Es war ein skurriles Bild an diesem sonnigen Montagnachmittag vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Auf den ersten Blick hätte man vermuten können, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) habe die Reste seiner Speisekammer von zu Hause mitgebracht.

Auf einem weißen Regal hinter ihm war unter anderem ein Sack Kartoffeln, eine Packung Nudeln, zwei Kisten Wasser und ein Glas Gewürzgurken ausgestellt. Doch tatsächlich zeigten die Lebensmittel ganz anschaulich den Vorrat, der für drei Personen nötig ist, um drei Tage überleben können.

Mehr Vorsorge wichtig

„Wir wollen, dass so viele Menschen wie möglich für Krisen vorsorgen“, so Dobrindt. Deswegen habe sein Ministerium gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einen neuen, überarbeiteten Ratgeber auf den Weg gebracht, um den Menschen „Hinweise zu geben, wie sie sich am besten auf Krisen vorbereiten.“ Einer BBK-Umfrage zufolge sorgen 53 Prozent der Menschen nicht gezielt für Krisensituationen vor.

Dobrindt will das ändern. Cyberattacken, Umweltkatastrophen, Angriffe auf die Energie-Infrastruktur: „Wir erleben eine Weltlage, die viele beunruhigt. Da ist es auch die Aufgabe des Bevölkerungsschutzes, die Gesellschaft gegen die Bedrohungen unserer Zeit zu sensibilisieren“, betonte der Minister. Dafür biete der neue Ratgeber viele einfache und leicht umzusetzende Praxistipps.

Schutz vor Explosionen

Aber was steht nun konkret in der 36-seitigen Hilfsanweisung drin? Zum einen werden einige Vorsorgemaßnahmen im Ratgeber aufgelistet. Neben Vorratsempfehlungen für Lebensmittel, Wasser und ein paar grundlegenden Medikamenten, zeigt die Broschüre auch, wie im Notfall Wunden erstversorgt werden müssen. „Eine funktionierende Hausapotheke zu haben, klingt banal, ist aber unglaublich wichtig. Leider ist das bisher nicht jedem wirklich bewusst“, sagt Dobrindt.

Zum anderen beinhaltet der Ratgeber vor allem Hinweise, wie sich die Menschen in Notsituationen verhalten sollen. „Wichtig ist aber auch, dass Menschen die Warnungen und die Gefahr erstmal erkennen und vertrauenswürdige Informationen von anderen unterscheiden können“, betonte Dobrindt. Auch dazu stünden Tipps im Ratgeber.

Ebenso wie Empfehlungen, welche Räumlichkeiten bei Explosionen den besten Überlebensschutz garantieren. „Das muss unaufgeregt und rational erklärt werden“, so der Minister. Es sei entscheidend, dass die Menschen im Ernstfall wissen, sich besser nicht in einem Raum mit Fenstern aufzuhalten.

Keine Panikmache

Dobrindt beteuerte, ihm gehe es bei der Vorstellung des neuen Ratgebers nicht darum, Panik zu verbreiten. „Ich sehe es als Appell an die Bürger, sich stärker mit dem Thema zu beschäftigen“, sagte der Innenminister. Bevölkerungsschutz müsse mehr Platz in der Gesellschaft einnehmen und eine größere Rolle in den Haushalten und Familien spielen.

Den Vorwurf, dass der Ratgeber auch zu mehr Verunsicherung in der Bevölkerung führen könnte, wiegelte der CSU-Mann ab. „Das Vorsorgen und Sprechen über Krisen macht unsere Gesellschaft resilienter“, betonte er. „Denn das Unvorhersehbare kann immer eintreten, auch wenn wir das nicht wollen.“

Gewissermaßen betreibt der Ratgeber zudem eine Art Selbstvorsorge. Denn er ist nicht nur digital abrufbar, sondern auch noch klassisch analog auf Papier – für den Ernstfall.

x