Germersheim
Badebetrieb am Baggersee stockt
Der Baggersee in Germersheim ist grundsätzlich gut besucht, schreibt die Germersheimer FDP-Vorsitzende Malgorzata Urbanska in einem Schreiben an Bürgermeister Marcus Schaile. „Am Pfingstsonntag waren beispielsweise alle Parkplätze belegt, der wunderschöne Spielplatz wurde rege genutzt, und viele Eltern genossen die Zeit im Schatten beim Grillen“, schreibt sie weiter. Doch werde die sogenannte Studentenwiese „aufgrund des Zustands des Gewässers kaum noch als Strand genutzt“. Der Baggersee diene faktisch nicht mehr als Badesee. Zur gleichen Zeit seien auf dem Lingenfelder Baggersee etwa 50 Leute im und 20 auf dem Wasser gewesen. Das Wasser in Germersheim rieche unangenehm, auf der Oberfläche und unter dem Wasser wuchern Seepflanzen. Die FDP schlägt vor, die Wasserqualität und das Ufer gezielt anzugehen. Zumindest sonntags sollten Rettungskräfte eingestellt werden, und ein Mähboot soll die Wasserpflanzen entfernen.
Zigarettenkippe in See geschnippt
Zudem hieß es am Wochenende in einem Leserbrief in der RHEINPFALZ und auch immer wieder in sozialen Netzwerken, dass gerade an Feiertagen oder an sonnigen Wochenenden viele Gäste aus der Region auf das Gelände des Badesees kämen und dort grillten. Dabei würden eigene Holzkohlegrills benutzt, die ausgewiesenen Feuerstellen reichten bei Weitem nicht. Neben dem hinterlassenen Müll ärgerte sich die Schreiberin des Leserbriefs auch über Zigarettenkippen, die ins Wasser geworfen wurden, und die Reste der Holzkohle.
Unregelmäßige Kontrollen
Die Stadt hat vor Jahren für die Umgestaltung des Baggersees ein Gutachten erstellen lassen, wie der See ohne Bademeister und Aufsichtspersonal rechtssicher betrieben werden kann. Darauf weist Bürgermeister Marcus Schaile (CDU) hin. Aus dem Grund gebe es nur wenige ausgewiesene Badestellen. Dort, wo Baden nicht erlaubt ist, „weisen Schilder auf das Badeverbot hin“, sagt Schaile. Er wisse, dass der See an sonnigen Tagen gut besucht sei. Das Ordnungsamt führe unregelmäßig Kontrollen durch. Dabei würden nicht immer Menschen angetroffen, die unrechtmäßig grillten. Drei Angebote für einen Sicherheitsdienst für den See habe die Stadt vorliegen. Bislang habe man sich gescheut, da dies freiwillige Aufgaben wären. Der Haushalt sei defizitär. Aufgrund der hohen Kosten habe man sich vor Jahren auch gegen eine Einzäunung – „die mehrere Hunderttausend Euro kostet“ – entschieden, sagt Schaile und fragt: Was soll die Stadt mit dem Badepersonal, das für die Monate Mai bis September oder Oktober eingestellt werde, im restlichen Jahr machen? Wer übernehme so einen Job? Beim Wasser geht Schaile davon aus, dass sich das Problem mit dem Fadenalgenwachstum durch die Natur selber regelt. Nach einiger Zeit werden diese absinken, sei ihm gesagt worden. Außerdem werde demnächst ein Mähboot eingesetzt. Das sei bereits geordert.
Massenvermehrung von Algen
Das Landesamt für Umwelt (LfU) untersucht während der Saison die Badegewässer im Land auf ihre Qualität – also auch die Seen in Germersheim und Sondernheim, die als Badegewässer ausgewiesen sind. Am 27. Mai betrug die Wassertemperatur 23,5 Grad. Die Färbung des Wassers ist gelbgrün, Blaualgen gibt es derzeit keine, jedoch eine Massenvermehrung von Makroalgen – Fadenalgenwachstum. Der Sauerstoffgehalt lag bei 8,3 Milligramm/Liter. Weiter heißt es dort: An der Wasseroberfläche auf der linken Seite des Badestrandes sind große Ansammlungen von Grünalgen zu sehen. Am Wassergrund ist zudem eine große Menge organischen Materials, überwiegend Blätter, erkennbar. Im Uferbereich ist in mehreren Bereichen deutlich sichtbar Vogelkot zu sehen. Der Germersheimer See schwankt in den vergangenen Jahren immer zwischen ausgezeichneter und guter Qualität, während diese im Sondernheimer See durchweg ausgezeichnet ist, so das LfU.
Kanadagänse vertreiben Enten
Das Problem mit dem Vogelkot durch die invasiven Kanadagänse oder Nilgänse ist der Stadt ebenfalls bekannt. Und das ist auch der Grund, warum die Liegewiese kaum benutzt wird: Überall liegt Vogelkot. Während ein städtischer Mitarbeiter des Bauhofs täglich mit einem Bläser die Einstiegsstellen am Wasser vom Kot befreit, ist das auf den Liegewiesen nicht möglich. Schaile dazu: Die Zeit der Bejagung ist zu kurz. Wenn „wir eine Sondergenehmigung zum Abschuss erhalten, dann gilt die lediglich für vier oder fünf Tiere“. Angesichts der Massen von Kanadagänsen dort sei das nichts. Es sei schon alles versucht worden, auch eine Vergrämung. Nichts habe bisher Erfolg gezeigt. Ein Artenreichtum sei nicht mehr vorhanden, keine Stockenten oder Haubentaucher sehe man mehr. Dafür sorgten die Kanadagänse.
