Meinung
Nicht nur im Fall Eichbaum: Brauereien brauchen neue Rezepte
Fassbrause Cola-Orange, Himbeere, Rhabarber. Von Krombacher. Wo eine Biermarke draufsteht, ist oft kein Bier mehr drin. Unser Konsumverhalten verändert sich, auch beim Trinken. Es wird weniger Bier getrunken. Vielen Anbietern macht der Umbruch zu schaffen. Einige alteingesessene Brauereien wie eben Krombacher mit den Fassbrausevarianten haben mit deutlichen Veränderungen ihres Angebots auf die neuen Kundenwünsche reagiert. Krombacher hat damit Erfolg, die Sparte alkoholfreie Getränke wuchs 2024, der Bierabsatz schrumpfte. Andere traditionsreiche Betriebe haben zu kämpfen.
Eichbaum in Mannheim aktuelles Beispiel
Jüngstes Beispiel ist die Mannheimer Eichbaum-Brauerei. Sie befindet sich wegen wirtschaftlicher Probleme in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Und das obwohl sie etwa mit dem alkoholfreien Malztrunk Karamalz lange eine am Markt sehr erfolgreiche Alternative zu den klassischen Bieren im Sortiment hatte. Auch Eichbaums Braumeister-Limo hat ihre Fans, das aber reichte nicht.
In der Not hat Eichbaum die Marke Karamalz an den größeren Konkurrenten Veltins verkauft. Nun will sich Eichbaum neu positionieren, breiter aufstellen, weiter weg von der reinen Bierbraukunst.
Bunte Biermixgetränke: Das Auge kauft mit
Veltins etwa ist kreativ mit bunten Biermixgetränken wie Wild Berry, Sprizz, Energy. Das Auge kauft mit, gerade bei jungen Kunden. Auch die Homburger Karlsberg-Brauerei ist da einfallsreich. Längst vom Markt verschwunden indes ist die einstige pfälzische Traditionsbrauerei Bischoff aus Winnweiler.
Die Branche steht unter Dauerdruck, der Bierausstoß der deutschen Brauwirtschaft ist von 93 Millionen Hektolitern (9,3 Milliarden Litern) 2017 auf 84 Millionen Hektoliter 2024 zurückgegangen. Die Deutschen tranken zuletzt immer weniger Gerstensaft. Das hat viele Ursachen. Eine ist verändertes Sozialverhalten, das viele Gaststätten, auch Sport-Vereinsheime kämpfen lässt. Nach dem Fußball- oder Hockeytraining zusammen noch ein Bier auf dem Klubgelände? Das war früher die Regel und ist heute die Ausnahme. Da geht nach dem Training jeder seine eigenen Wege.
Wenig junge Bier-Kundschaft
Es wächst wenig Bier-Kundschaft nach. Gerade junge Erwachsene trinken nachweislich weniger Alkohol, als es frühere Generationen getan haben. Damit folgen sie, bewusst oder unbewusst, den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die stufen Alkohol auch in geringen Mengen als Gesundheitsrisiko ein. So sind für die Brauereien die alkoholfreien Biere wichtig geworden. Die Produktionsmenge hat sich binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt: von 329 Millionen Litern im Jahr 2004 auf 700 Millionen Liter 2024. Auch in anderen Ländern gibt es diesen Trend. In vielen Irish Pubs, auch in der Pfalz, ist Guinness 0,0 aus der eiskalten 0,44-Liter-Dose der Renner. Auch bei alkoholfreiem Bier indes ist der Konkurrenzkampf groß.
Rührig: Pfälzer Brauerei geht andere Wege
So geht der pfälzische Brauer Park & Bellheimer offensiv zusätzlich andere Wege. Er ist verstärkt auch mit modernen Limonaden erfolgreich. Immer nur weiter wie bisher, das funktioniert in den meisten Fällen nicht mehr.
Das bekommen auch Winzer zu spüren, auch beim Wein gibt es längst einen Trend zu alkoholfreien Angeboten. Bei Marktanalysen stets auf der Höhe zu sein und Strategien für (über-)morgen im Hinterkopf zu haben, ist heute wichtiger denn je.