Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Suche nach Investor: Eichbaum stellt sich neu auf

Hat mehr als 300 festangestellte Beschäftigte: die Eichbaum-Brauerei in Mannheim.
Hat mehr als 300 festangestellte Beschäftigte: die Eichbaum-Brauerei in Mannheim.

Die Mannheimer Eichbaum-Brauerei ist bei der Suche nach einem Investor optimistisch. Die Geschäftsführung hat sich zurückgezogen. Ihre Nachfolger sind schon an Bord.

Der Schritt soll den Beginn einer besseren Zukunft markieren. Und das obwohl so eine Entscheidung für Gläubiger, Angestellte und Geschäftsleitung eines Unternehmens oft schmerzhaft ist und Verzicht bedeutet: Die traditionsreiche Mannheimer Eichbaum-Brauerei befindet sich seit Ende Oktober im vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit dem Ziel, sich zu sanieren. Der bisherige Geschäftsführer Andreas Hiby-Durst von der Inhaberfamilie der Brauerei und Mitgeschäftsführer Markus Lopsien haben ihre Ämter aufgegeben.

Sie haben den Weg für die Einsetzung einer Sanierungsgeschäftsführung freigemacht. Das hat das Unternehmen, das sich mithilfe des vom Amtsgericht für das vorläufige Insolvenzverfahren bestellten Sachwalters, des Mannheimer Rechtsanwaltes Thomas Oberle, wirtschaftlich kurieren möchte, am Freitag mitgeteilt.

Breitere Ausrichtung geplant

Die Entscheidung für den Weg einer Sanierung in Eigenverwaltung sei „nach intensiver Prüfung aller Optionen durch die Geschäftsleitung und die Eigentümerfamilie Hiby-Durst einvernehmlich getroffen“ worden, sagte Andreas Hiby-Durst.

Basis der Eigenverwaltung ist aktuellen Eichbaum-Angaben zufolge ein Sanierungskonzept, das dem Gericht vorgelegt worden ist und das die Grundlage für die Zukunft des Unternehmens bilden soll. Es sieht vor, die Vertriebsaktivitäten zu verstärken und neue Märkte zu erschließen – insbesondere im Bereich „ready to drink“ mit trinkfertig verpackten Getränken. Ziel ist es, so Eichbaum, sich vom reinen Bierbrauer zum Getränkehersteller zu entwickeln. Die 1679 gegründete Traditionsbrauerei möchte sich breiter aufstellen.

Neuanfang mit neuen Leuten

Die Eichbaum-Sanierungsgeschäftsführung besteht aus dem Mannheimer Restrukturierungsspezialisten Frank Reifel und dem langjährigen Eichbaum-Vertriebschef Uwe Aichele. Unterstützt werden sollen sie durch Christoph Glatt. Der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht ist zum Generalbevollmächtigten bestellt worden.

Der Schritt hin zum offiziellen Sanierungsverfahren solle den gewünschten „Neuanfang markieren“, sagte Reifel. Ziel sei es, die Brauerei in Mannheim zu erhalten, „ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern“.

Mehr als 300 Mitarbeiter

Eichbaum verfügt über mehr als 300 festangestellte Mitarbeiter. Im jetzt angelaufenen vorläufigen Insolvenzverfahren sind die Löhne und Gehälter der Angestellten für drei Monate durch das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur abgedeckt. Dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, damit es rasch fließen kann und somit die Eichbaum-Beschäftigten weiter bezahlt werden, das soll der vorläufige Sachwalter Oberle sicherstellen. Die Gehaltszahlungen für Oktober stehen noch aus. So hat für Oberle „Priorität, dass die Mitarbeiter ihr Geld bekommen“. Das sagte der Fachanwalt für Insolvenzrecht im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Generell ist Oberle vom Gericht dafür eingesetzt, um sicherzustellen, dass die Interessen der Gläubiger in dem Sanierungsverfahren gewahrt werden. In der Regel innerhalb eines Zeitraums von rund drei Monaten entscheidet das Gericht, ob das angestrebte Verfahren in Eigenverwaltung eröffnet wird. Bei einem solchen bleibt die Unternehmensleitung selbst handlungsfähig – mithilfe des oder der zur Seite gestellten Juristen.

Ansonsten kann das Gericht auch ein Regelinsolvenzverfahren eröffnen. In diesem Fall würde dann ein gerichtlich bestimmter Insolvenzverwalter die aktive Geschäftsführung übernehmen.

Eichbaum-Sachwalter Oberle indes sagte, „die Pläne des Unternehmens für eine Sanierung in Eigenverwaltung sind plausibel und nachvollziehbar“. Der Jurist zeigte sich nach ersten Gesprächen mit der neuen Geschäftsleitung zuversichtlich. Er sehe gute Chancen, das Unternehmen zu retten.

Erste Investoren-Kontakte

Um für Eichbaum den finanziellen Spielraum für Investitionen in eine erfolgreichere Zukunft zu schaffen, braucht es nach Meinung von Experten einen Kooperationspartner respektive einen Käufer für die angeschlagene Brauerei. Daher laufe die Suche nach Investoren, teilte Eichbaum mit. Es gebe erste vielversprechende Kontakte.

Aktuellen Unternehmensangaben zufolge ist auch der Eichbaum-Betriebsrat in die Sanierung „eng eingebunden“.

Biermarkt unter Druck

Die Lage bei Eichbaum hatte sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Die Brauerei führt das auch auf den in Deutschland in diesem Jahr „ungewöhnlich stark gesunkenen Pro-Kopf-Verbrauch an Bier“ zurück. Die Exporte in andere Länder, vor allem nach Russland und in die USA, waren für Eichbaum wichtig. So hätten „unruhige geopolitische Verhältnisse sowie eine zunehmend unberechenbare Zollpolitik in wichtigen Absatzmärkten“ die Probleme verschärft, betonte das Unternehmen. „Deglobalisierungs-Tendenzen in Folge der Corona-Pandemie“ und der Preis- und Wettbewerbsdruck auf dem Biermarkt machten Eichbaum zu schaffen. Auch deshalb wollen sich die Mannheimer breiter aufstellen.

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