Unternehmen
Eichbaum-Brauerei im Insolvenzverfahren
Das hat das Amtsgericht Mannheim der RHEINPFALZ am Donnerstag bestätigt. Das Gericht hat die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet.
Ziel eines solchen Weges ist die Sanierung des Unternehmens. Es gehe darum, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Brauerei wieder auf Kurs zu bringen, sagte Betriebsratssprecher Georg Dohr der RHEINPFALZ. Eichbaum hat mehr als 300 festangestellte Beschäftigte.
Man wolle den Bier-Standort und die Strukturen erhalten sowie möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen, sagte Dohr. Das sei auch das Ergebnis aller schon erarbeiteten Szenarien gewesen. In einer Betriebsversammlung sind die Beschäftigten über das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung informiert worden.
Sachwalter eingesetzt
Dabei führt das Management die Geschäfte unter Aufsicht eines vom Gericht eingesetzten Sachwalters, eines Insolvenzrechtsexperten, fort. Vorläufiger Sachwalter bei Eichbaum ist der Mannheimer Rechtsanwalt Thomas Oberle, Fachanwalt für Insolvenzrecht.
Debatte um Karamalz-Verkauf
Gerade erst ist die erfolgreiche Eichbaum-Malzbiermarke Karamalz offenkundig aus finanziellen Gründen an die Veltins-Brauerei verkauft worden. Die Karamalz-Produktion in Mannheim endet demnach zum Jahresschluss 2025. Eichbaum-Urgestein Dohr sieht Fehler des Managements des schon 1679 gegründeten Mannheimer Traditionsunternehmens. Dohr meint, ein frühzeitigerer Verkauf der Marke Karamalz verbunden mit einem weiteren Jahr Produktion des Malzbiers bei Eichbaum in Mannheim hätte Eichbaum zumindest „sehr geholfen“. So sei der erst vor einigen Tagen getätigte Verkauf von Karamalz an Veltins zu spät gekommen.
„Haben Luft zum Atmen“
Es fehle nicht viel bei Eichbaum, nur etwas fremde Hilfe – und womöglich ein neues Management, sagte Dohr. „Wir müssen uns nicht verstecken. Wir haben einen starken Vertrieb, wir haben schon häufiger bewiesen, dass wir innovativ sind.“
Die Belegschaft sei stark und motiviert, der Betriebsrat gesprächsbereit, auch was einen möglichen Eichbaum-Käufer oder einen Kooperationspartner angehe. „Wer mit uns etwas anfangen will, der kann das bestimmt“, sagte Dohr im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
In Sachen Personal habe Eichbaum „Luft zum Atmen“, sagte der Betriebsratssprecher. Das heißt, man könne ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen, weil beispielsweise bei einigen Mitarbeitern der Ruhestand ohnehin kurz bevorstehe. Dohr betonte, es gehe ihm auch darum, den Mitarbeitern Mut zu machen. „Es muss alles auf den Tisch, wir haben nichts zu verstecken.“
Am Freitag erneute Betriebsversammlung
Vom Unternehmen selbst gab es trotz mehrmaliger Versuche und Anfragen bisher keine Rückmeldung.
Die Geschäftsleitung halte die Belegschaft hin, sagte Dohr am Donnerstagabend der RHEINPFALZ. Deshalb habe der Betriebsrat für Freitag eine erneute Betriebsversammlung einberufen.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert von der Geschäftsleitung Transparenz. Das betonte Stephanie Albicker von der NGG im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Bei Eichbaum, das ist eine starke Truppe“, sagte Albicker mit Blick auf die Belegschaft.
Allgemein Nachfragerückgang nach Bier
Eichbaum hat seit längerer Zeit ebenso wie viele Konkurrenten mit einem Nachfragerückgang nach Bier zu kämpfen, während Veltins 2024 einen Rekordabsatz von 3,36 Millionen Hektolitern verbuchte. Expertenschätzungen zufolge war das fast das Dreifache des Eichbaum-Ausstoßes.
Zum Vergleich: Der Absatz der pfälzischen Brauerei Park & Bellheimer lag 2024 bei 335.000 Hektolitern, davon zwei Drittel Bier und ein Drittel alkoholfreie Getränke.
Der Absatz der Brauer in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,3 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Liter gesunken. Damit habe der Absatz erstmals seit über 30 Jahren in einem Halbjahr unter 4 Milliarden Liter gelegen. In den Zahlen sind den Angaben zufolge alkoholfreie und Malzbiere sowie das aus Ländern außerhalb der EU importierte Bier nicht enthalten.