Der Mainzer Kabarettist Lars Reichow über die Kandidaten für den CDU-Vorsitz und sein Geheimrezept für den Erfolg der SPD RHEINPFALZ Plus Artikel Lars Reichow im Interview: Sein Geheimrezept für die Politik

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Lars Reichow findet, »AKK wäre eine gute Wahl«.

Kabarettreif ist zwar so manche Rede im Bundestag, aber echte Kabarettisten sind im Parlament nicht vertreten. Ob Politik und Pointe dennoch zusammenpassen, darüber sprach Winfried Folz mit Lars Reichow, Träger des Deutschen Kleinkunstpreises und „Nachrichtenmoderator“ in der Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“.

Herr Reichow, das ist seit 2005 das vierte Interview, das wir führen. Und ich habe beim Nachlesen den Eindruck gewonnen, dass Sie ein großer Fan der nüchtern-pragmatischen Frau Merkel sind. Sind Sie traurig, dass sie in absehbarer Zeit aufhört?

Ganz ehrlich? Ja. Angela Merkel ist eine Lichtgestalt im Zeitalter der politischen Kompromisse. Es war schon bemerkenswert, wie sie die Männer mit dem Lotuseffekt an der Regierungsoberfläche abperlen lassen konnte. Ich werde ihre Uneitelkeit vermissen. Wenn mehr Länder in Europa eine solche Regierungschefin gehabt hätten, wäre die Welt vernünftiger geblieben. Was jetzt droht, ist die Rückkehr der politischen Kleinhirnfraktion. Was braucht die CDU jetzt an der Spitze: eine eiskalte Macbeth-Figur aus der Welt des Kapitals oder eine Merkel 2.0 mit saarländischem Akzent? Jetzt muss der Südwesten mal zusammenhalten. Nachdem Deutschland 16 Jahre aus der Pfalz regiert wurde, kann man dem Saarland auch etwas gönnen. Ich finde, AKK wäre eine gute Wahl. Von welchem Kandidaten versprechen Sie sich als Kabarettist am meisten? Wir lieben das unfreiwillig Komische, aber das sehe ich bei keinem der Kandidaten. Da wird man in der internationalen Politik leichter fündig. Im Zweifel gilt: Erst das Land, dann die Pointe. Es gibt Menschen, die trauen nur den Herren Spahn oder Merz zu, ein Stück des Raums rechts von der CDU wieder zurückzuerobern. Würden Sie das begrüßen? Man muss unterscheiden, was gut ist für unser Land und was nützlich ist für die Parteien und Personen. Eine konservative CDU schwächt die AfD und konsolidiert die SPD. Das ist nützlich für die Statik einer Demokratie, aber damit ist noch nicht alles „wegregiert“. Ein Wort zur SPD … Herr Reichow? Sind Sie noch da? Ich bin noch da, aber ich bin nicht sicher, ob die … Also zur SPD. Unterirdische Umfragewerte, schlecht aufgestellte Landesverbände im Süden und Osten, eine umstrittene Parteichefin: Die SPD leidet an Burn-out. Was würden Sie tun, wenn Sie SPD-Chef wären? Oh, das ist ganz einfach: Ich würde Friedrich Merz dabei unterstützen, CDU-Vorsitzender zu werden, und Robert Habeck, den Vorsitzenden der Grünen, fragen, ob er nicht Lust hätte, Kanzlerkandidat zu werden. Für die SPD! Dann nur noch die Löhne hoch, die Reichensteuer durchdrücken, Waffen weg, und fertig sind die 35 Prozent. Der SPD fehlt offenbar eine beliebte Führungsfigur. Muss jetzt Malu Dreyer ran und die Sozialdemokraten retten? Malu Dreyer muss erst 148 Mails checken und dann Rheinland-Pfalz retten. Sie ist die beste Ministerpräsidentin der Welt. Meine Gefühle für sie gehen weit über eine Landtagswahl hinaus. Das lassen wir jetzt mal so stehen. Und machen ein kleines Quiz: Sind die Grünen die neue SPD? Ist die AfD die neue CSU? Oder ist Merz der neue Schulz? Jede Partei hat ihre Berechtigung und ihren Markenkern. Es ist mir eigentlich egal, wer was werden kann. Ich bin schon erleichtert, wenn sich alle endlich mit unserer Zukunft auf diesem Planeten beschäftigen: Schaffen wir die Energiewende? Die Agrarwende? Plastikwende? Vor allem: Wann werden wir endlich alle zu überzeugten Europäern und hören auf, uns vor anderen zu fürchten! Gibt es einen Weltfrieden? Dann möchte ich mit einer sehr irdischen Frage abschließen: Was will eigentlich die FDP, haben Sie eine Idee? Nein. Christian Lindner muss aufpassen, dass er nicht als politischer Lackaffe in die Geschichte eingeht.

Zur Person

Lars Reichow ist Kabarettist, Pianist, Komponist, Sänger, Fernsehmoderator und Entertainer aus Mainz. Der 54-Jährige war einst mit Kabarettlegende Hanns Dieter Hüsch auf Tournee. Seine Karriere hat Reichow 1994 im Mainzer „Unterhaus“ gestartet. Er ist auch in ZDF und SWR als Moderator zu sehen. Zurzeit ist Reichow mit seinem neuen Programm „Lust“ auf Tournee und tritt damit morgen Abend im Kulturzentrum Kammgarn in Kaiserslautern auf.

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