Bundestagswahl Fehler im Saarland passiert: Gersheim wählt erst am 23. März
Ganz Deutschland wählt am 23. Februar einen neuen Bundestag. Ganz Deutschland? Nein, eine kleine Gemeinde ganz am Rande der Republik wählt erst einen Monat später, nämlich am 23. März.
Dieses Datum jedenfalls steht in den Wahlbenachrichtigungen, die das saarländische Gersheim per Brief an seine Bürger geschickt hat. Schwarz auf weiß. Nur warum? Befindet sich diese Ecke ganz im Süden des Saarlandes im Februar noch im Winterschlaf? Oder hat es eben seine Zeit gebraucht, bis die Kunde, dass das Ampelbündnis im fernen Berlin geplatzt ist und dass deshalb ein neuer Bundestag gewählt wird, bis in den hintersten Winkel des Saarlandes vorgedrungen war?
Nichts von alledem. Laut offiziellen Angaben aus Gersheim ist es „zu einem unglücklichen Fehler gekommen“. Ein Versehen also. Wie schnell wird beim zügigen Schreiben aus der Ziffer 2 eine 3. So was ist dem Autor dieser Zeilen schon in der ersten Klasse passiert. Beim Rechnen. 1+1=2 sollte es heißen, doch zack stand da 1+1=3. Unbeabsichtigt natürlich, was dem Lehrer schwer glaubhaft zu machen war.
Apropos Lehrer: Die Gattin des Gersheimer Bürgermeisters Michael Clivot (SPD) ist als Bildungsministerin des Saarlandes gewissermaßen die Chefin aller Lehrerinnen und Lehrer des Landes. Sie kennt sich also mit Fehlern aus.
Ob sie ihrem Mann nun eine Standpauke halten musste oder ob er selbst auf die Idee kam: Die Gemeinde Gersheim will ihren Fehler glattbügeln, indem sie „neue Briefe mit dem korrekten Datum verschickt“.
Pfälzer Lesern, die auch nach der fünften Nennung des Ortsnamens immer noch nicht wissen, wo Gersheim liegt, sei gesagt, dass die Gemeinde mit 6300 Einwohnern einst aus dem Zusammenschluss mit Bliesdalheim, Herbitzheim, Medelsheim, Peppenkum, Reinheim, Rubenheim, Walsheim und Niedergailbach entstand. Alles weltbekannte Dörfer. Und wer sie nicht kennt, sollte mal hinfahren, ins liebliche Bliestal, wo das Saarland am schönsten ist. Obergailbach ist übrigens auch schön, liegt aber schon jenseits der Grenze in Lothringen.
Im Rathaus von Gersheim werden sie jetzt saarländische Schimpfwörter auspacken: „Dunnerkeil“, „Gewiddersääf“, „hann mir uns blamiert“! Höchstwahrscheinlich liegt’s an der Fasenacht. Der Gersheimer Terminkalender ist in der fünften Jahreszeit schon rappelvoll: 15. Februar Faschings-Show in der Grenzlandhalle, 16. Februar Kinderfasching, 27. Februar Rathaussturm, 2. März Pyjama-Party, 3. März Rosenmontagszug. Da hätte die Bundestagswahl doch bis Ende März warten können …
Und ganz im Ernst: Alles zur Bundestagswahl im Saarland erfahren Sie hier.