Meinung
Bevölkerungsdeckel für Schweiz: Ein weltfremdes Modell
Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat bei der Volksabstimmung einen kühlen Kopf bewahrt. Die „Keine-10-Millionen-Initiative“ wurde abgelehnt. Mit dem Plan wollte die rechtsnationale Schweizerische Volkspartei einen Bevölkerungsdeckel von zehn Millionen Menschen in dem vermögenden Land einführen. Alles Neue, alles Fremde sollte draußen bleiben.
Ohne Zuwanderung wäre Wohlstandsniveau kaum haltbar
Das Nein zu dem Bevölkerungsexperiment mit unsicherem Ausgang zeugt von einem Pragmatismus, den sich die Menschen zwischen Bodensee und Genfersee gerne zugutehalten. Sie wissen, dass die Schweiz die Arbeitskräfte von jenseits der Grenzen braucht. Der Anteil der Erwerbstätigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit liegt bei 35 Prozent. Vor allem in den Bereichen, in denen die Schweizer selbst nicht arbeiten wollen, packen die Ausländer an. Aber auch hoch qualifizierte Zugezogene, Ärzte, Manager und Wissenschaftler legen sich ins Zeug und steigern die Wirtschaftskraft. Ohne die fleißigen Fremden, viele aus Deutschland, könnten die Eidgenossen ihr Wohlstandsniveau kaum halten.
Die Stimmberechtigten durchschauten, dass die Argumente der SVP zu simpel sind. Für nahezu alle großen Probleme der Schweizer machte die Partei die Ausländer und die Migration verantwortlich: von Wohnungsnot über Jobverlust bis hin zu verstopften Zügen. Die Schweiz hat gezeigt: Die Bevölkerung hat es in der Hand. Sie kann Populisten in die Schranken weisen.