Kerzenheim
Burger mit Pommes – aber gesund? Kita-Kinder lernen, wie das geht
Auf dem Parkplatz vor der Kita in Kerzenheim herrscht an diesem Vormittag geschäftiges Treiben: Die Stimmen von Kindern mischen sich unter die Rufe und Anweisungen von Erziehern. Unter einem Zelt stehen drei tiefe Arbeitstische, daneben parkt ein Imbissanhänger. Zwölf Vorschulkinder sitzen in Gruppen an den Tischen, schälen Kartoffeln und raspeln Karotten, zwei stehen im Anhänger und rühren Tomatensoße an. Es geht um eine Frage, die für die Kleinen ganz praktisch beantwortet werden soll: Worauf kommt es bei gesunder Ernährung an?
Unter dem Motto „Rheinland-Pfalz isst besser“ hat der Kochbus des Landes am vergangenen Montag Station in Kerzenheim gemacht – und das mit einem Menü, das zunächst nicht nach Gesundheitskampagne klingt: Burger und Pommes stehen heute auf dem Plan.
Fokus auf regionalen Zutaten
„Die Kinder sollen lernen, dass auch Burger und Pommes gesund zubereitet werden können“, sagt Petra Lambrecht, stellvertretende Leiterin der Kita. Auf den Burgern liegen deshalb heute keine Fleischbuletten, sondern flache, runde Bratlinge aus Hafer und Möhren. Und die Pommes kommen nicht aus der Tiefkühlpackung: Die Kinder schneiden und würzen sie selbst – aus frischen Kartoffeln. Die Zutaten hat die Kita organisiert, vieles stammt aus der Region, etwa vom Biohof nebenan.
Dass Ernährung in der Kerzenheimer Kita mehr ist als ein Projekt für einen Vormittag, wird schnell klar. „Das Thema hat sich bei uns schon lange in den Alltag integriert“, berichtet Lambrecht. In der Ganztagsbetreuung werde täglich frisch gekocht. Die Kinder werden dabei bewusst einbezogen, etwa durch wöchentliche Mitmach-Aktionen und Angebote, die sich spielerisch mit Lebensmitteln beschäftigen. Ziel sei es, eine sogenannte Ernährungs-Kita zu werden. Hinter dem Begriff steckt ein Programm des Landes, das Einrichtungen finanziell unterstützt, die sich besonders für gesunde Ernährung einsetzen. Das können etwa Fördergelder zum Kauf frischer Lebensmittel oder für den Betrieb einer eigenen Küche sein.
Fast die Kita-Küche verloren
Lambrecht erinnert sich, dass in der Kita vor rund drei Jahren aus Kostengründen beinahe die eigene Küche schließen musste. Seitdem, sagt sie, kämpfe das Team umso entschlossener dafür, dass vor Ort frisch gekocht werden kann – und dass die Kinder dabei nicht nur essen, sondern auch etwas lernen. Das sei besonders wichtig, weil die Erzieherin, die seit fast 36 Jahren in der Kerzenheimer Kita arbeitet, über die Zeit Veränderungen im Alltag beobachtet habe. „Den Kindern wird immer seltener durch die eigenen Eltern vermittelt, worauf es bei der Ernährung ankommt“, sagt sie. Ein Grund sei, dass immer häufiger beide Elternteile berufstätig sind. „Bei uns essen fast alle Kinder hier in der Kita.“
Diesen Trend kennt auch Koray Karabiyik vom Team des Kochbusses. „Die Kinder wissen gar nicht mehr, wie viel Arbeit hinter dem Kochen steckt, weil sie es zu Hause kaum noch sehen“, sagt sie. Daher sei es wichtig, den Kindern gesundes und nachhaltiges Kochen in der Praxis näherzubringen: „Das Selbermachen ist dabei ganz entscheidend.“ Ebenso soll der sichere Umgang mit Kochwerkzeugen wie etwa Messern und Sparschälern vermittelt werden.
Begeisterung fürs Kochen wecken
Der sechsjährige Levin hat bereits einige Kartoffeln zu feinen Streifen geschnitten, aus denen später dann die Pommes werden sollen. Beim Wort Pommes grinst der Junge, als sei es ein Zauberwort. Zuhause hat er zwar auch schon beim Kochen mitgeholfen, aber bereits etwas dazugelernt: „Ich weiß jetzt, wie man Kartoffeln richtig schält“, sagt er.
Der Kochbus ist regelmäßig an Kitas und Schulen in Rheinland-Pfalz unterwegs. „Einige Kinder entdecken erst dann ihre Begeisterung fürs Kochen“, berichtet Karabiyik. Und manchmal, sagt sie, wirke das sogar nach: Wenn Kinder selbst mitgekocht haben, möchten sie oft das Erlebte später am Küchentisch wiederholen – und bringen so neue Routinen in den eigenen Familienalltag.