Speyer / Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Ameisen, Hornissen und Co.: Wie invasive Arten sich in der Region ausbreiten

Asiatische Tigermücke
Asiatische Tigermücke

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht über Funde von Tigermücken oder Tapinoma-Ameisen berichtet wird. Doch es gibt noch weitere invasive Arten. Ein Überblick.

Asiatische Tigermücke
Überaus lästig und potenziell gefährlich: Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) bekämpft die Tigermücken aktiv und leistet Aufklärungsarbeit. Die Tiere stammen ursprünglich aus Asien, sind kleiner als normale Stechmücken, nur drei bis acht Millimeter groß, lackschwarz mit silberweißen Streifen. Einer davon verläuft längs über den Oberkörper. Wer genau hinsieht, bemerkt fünf breite weiße Ringe auf schwarzem Grund an den Hinterbeinen, die eine weiße Spitze haben. Die Mücken sind überaus lästig, aggressiv, stechen auch tagsüber und können Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Virus übertragen. Ende letzter Saison gab es Tigermücken im südlichen Stadtzentrum von Speyer, im Ortskern von Otterstadt und in Teilen von Römerberg. Um die Ausbreitung zu verhindern, sollte man jegliche Wasseransammlung in Gärten und auf Balkonen vermeiden. Wer Tigermücken entdeckt, sollte den Fund an www.kabsev.de/stichts melden.

Asiatische Hornisse
Asiatische Hornisse

Asiatische Hornisse
Jäger heimischer Bienen: Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) sind etwas kleiner als heimische Hornissen, haben einen dunklen Körper und am Hinterleib einen breiten gelborangenen Ring. Sie bauen in Baumkronen große, bis zu einem Meter lange Nester. Problematisch sind sie deswegen, weil sie heimische Insekten, insbesondere Bienen fressen, was letztlich zu Problemen im Obst- und Weinbau führt. Ursprünglich kommt die Asiatische Hornisse aus Südostasien. Nester wurden im gesamten Stadtgebiet von Speyer sowie in den Umlandgemeinden gefunden, teilt die Verwaltung mit. Diese sind meist erst im Winter sichtbar, wenn die Bäume kein Laub mehr haben. Wer Asiatische Hornissen oder deren Nester sieht, soll sie über das Portal Artenfinder artenfinder.rlp.de/MeldeaufrufAsiatischeHornisse melden. Dann kann die dafür zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd geeignete Maßnahmen ergreifen. Die Nester sollten auf keinen Fall selbst entfernt werden.

Tapinoma Magnum
Tapinoma Magnum

Tapinoma Magnum
Kleines Tier macht großes Chaos: Die nur etwa zwei bis vier Millimeter kleine schwarze Ameise, die nach Zitrone riecht, wenn man sie zerdrückt, bildet breite Ameisenstraßen und Superkolonien, in denen Hunderttausende bis zu einer Millionen Ameisen leben können. Sie können große Schäden verursachen, indem sie Wege und Plätze unterhöhlen, in Gebäude eindringen, Strom und Internet-Leitungen beeinträchtigen. Diese Ameisenart ist aus Südeuropa eingewandert und wurde inzwischen in vielen Gemeinden der Pfalz gesichtet. Sie wird von Fachfirmen bekämpft. In Speyer wurde Tapinoma Magnum laut Stadtverwaltung am Rosensteiner Hang nachgewiesen, auch in Otterstadt wurde sie gesehen. Die Gemeinde Limburgerhof bekämpft sie schon seit Jahren. Eine Meldepflicht gibt es nicht, Hinweise über artenfinder.rlp.de sind möglich und erwünscht.

Nordamerikanischer Ochsenfrosch
Nordamerikanischer Ochsenfrosch

Nordamerikanischer Ochsenfrosch
Riesig und laut: Bis zu 20 Zentimeter lang wird der Frosch lang. Am Rücken ist er oliv-grün, grau und bräunlich, oft mit unregelmäßigen Flecken. Der Bauch ist weißlich mit grauen Flecken oder Marmorierung. Seinen Namen hat er davon, dass der Ruf der Männchen wie Ochsengebrüll klingt. Er frisst andere Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger und gefährdet heimische Arten massiv. Über den Zoohandel kam er nach Europa, wo er ausgesetzt wurde. In der Region wurde er bisher nur im Landkreis Germersheim gesichtet, wo er im Auftrag der Struktur und Genehmigungsdirektion Süd bekämpft wird. Eine Besiedlung von Speyerer Gewässern und Altrheinarmen kann nicht ausgeschlossen werden, so die Stadt. Keinesfalls dürften Nordamerikanische Ochsenfrösche ausgesetzt werden. Wer einen Nordamerikanischen Ochsenfrosch im Badesee Altrheinarm sieht, sollte es an das Landesamt für Umwelt (InvasiveArten@lfu.rlp.de) oder artenfinder.rlp.de melden.

Nutria
Nutria

Nutria
Zerstörerische Baumeister am Ufer: Nutrias können bis zu 65 Zentimeter lang werden und haben einen bis zu 45 Zentimeter langen Schwanz. Die am Wasser lebenden Nagetiere haben orangefarbene Nagezähne, ein gelbgrau bis schwarzes Fell, dicke lange Schnurrhaare und einen runden Schwanz. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden und über Pelzfarmen nach Europa gebrachten Nager können im Uferbereich von Flüssen, Seen und Gräben ziemlich wüten, Ufer unterhöhlen, große Schäden an Hochwasserschutzanlagen und in der Landwirtschaft anrichten. Nutria sind längst entlang des Rheins und in den Rheinauern heimisch. Wer welche sieht, kann sie über artenfinder.rlp.de melden. Auf keinen Fall sollte man sie füttern und den Aufenthalt für sie attraktiver machen.

Nilgans
Nilgans

Nilgans
Hübsch, aber gefräßig und manchmal aggressiv: Die aus Ostafrika stammenden Vögel können laut Landesamt für Umwelt mehr als 70 Zentimeter groß werden. Sie sind hellbraun, am Rücken dunkler grau- bis rotbraun. Sie haben einen dunkelbraunen Augenring und einen dunklen Fleck an der Brust. Schnabel und Beine sind blassrosa bis rosarot. Nilgänse sind Konkurrenz für heimische Wasservögel, besetzen deren Nistplätze und verteidigen ihr Revier aggressiv. Die EU hat sie 2017 als invasiv eingestuft. In der Landwirtschaft können sie erhebliche Fraß-Schäden anrichten. Inzwischen haben sie sich hier überall in der Nähe von Gewässern niedergelassen, auch in Parkgewässern und den Rheinauen rund um Speyer. Für Nilgänse gibt es keine Meldepflicht. Wenn sie allerdings durch aggressives Verhalten auffallen, können sie an die untere Jagdbehörde oder das entsprechende Umweltamt (umweltundforsten@stadt-speyer.de) gemeldet werden. Nilgänse sollte man nicht füttern und während der Brutzeit nicht stören.

Gelbwangen-Schmuckschildkröte
Gelbwangen-Schmuckschildkröte

Schmuckschildkröten
Die etwa 30 Zentimeter großen Wasserschildkröten haben einen olivgrünen Panzer mit gelben Streifen und einen auffälligen roten oder gelben Wangenfleck. Problematisch sind sie deshalb, weil sie einheimische Sumpfschildkröten verdrängen können. Außerdem fressen sie Amphibienlarven. Sie stammen aus Nordamerika. Die Exemplare, die hier in der Region in stehenden Gewässern immer wieder gesehen werden, wurden meist von ihren Besitzern ausgesetzt, weil sie zu groß für die Haltung in Wohnungen wurden. Das Umweltamt der Stadt Speyer bekommt etwa einmal im Jahr Schmuckschildkröten in Speyerer Gewässern gemeldet. Wer eine entdeckt, sollte sie über artenfinder.rlp.de oder an die Untere Naturschutzbehörde (umweltundforsten@stadt-speyer.de) melden. Schmuckschildkröten sollte man auf keinen Fall aussetzen.

Waschbär
Waschbär

Waschbär
Possierliche Räuber: Der kleine Bär wird bis zu 70 Zentimeter lang, hat eine schwarze Zorromaske im Gesicht, einen langen gelbgrauen Pelz und einen geringelten Schwanz. Er frisst, was er kriegen kann, plündert Vogelnester, beschädigt auf seinen Raubzügen Gebäude und kann Krankheiten übertragen. Aus Nordamerika kam er in Pelzzuchtfarmen nach Europa, von wo immer wieder Tiere entkamen oder freigesetzt wurden. In Speyer und Umgebung sowie im Pfälzerwald und am Haardtrand werden immer wieder Waschbären gesichtet. Eine gesetzliche Meldepflicht gibt es nicht, aber Hinweise können an die Untere Naturschutzbehörde (umweltundforsten@stadt-speyer.de), an artenfinder.rlp.de oder die Jagdpächter gemacht werden. Wer Waschbären sieht, sollte sie nicht füttern und aufpassen, dass sie keinen Zugang zu Mülltonnen, Dachböden oder Nebengebäuden finden.

Noch Fragen?

Wissenswertes über weitere invasive Arten von Chinesischen Muntjak, über diverse Flusskrebsarten, Marderhund bis zum heiligen Ibis und dem Sibirischen Streifenhörnchen sind in einer Broschüre des Landesamts für Umwelt zusammengestellt. Download auf: lfu.rlp.de. Infos gibt es auch auf www.bfn.de/gebietsfremde-und-invasive-arten.

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