Kreis Germersheim
Über 300 Ochsenfrösche getötet
Vor etwa zwei Jahren wurde den rheinland-pfälzischen Behörden von zwei baden-württembergischen Bekämpfern des nordamerikanischen Ochsenfroschs gemeldet, dass sie Rufe des unerwünschten Einwanderers aus dem pfälzischen Nachbarkreis gehört haben. Im nördlichen Landkreis Karlsruhe ist die Amphibie seit vielen Jahren heimisch und wird dort bekämpft. Die Obere Naturschutzbehörde bei der SGD Süd in Neustadt wurde tätig. Denn wie der rote nordamerikanische Flusskrebs muss auch die von Übersee stammende Ochsenfrosch-Population eingedämmt und bekämpft werden – weil der Frosch heimische Arten verdrängt.
Wo gibt es Ochsenfrösche?
Hubert Laufer, vom gleichnamigen Büro für Landschaftsökologie, sagt, dass „der Kot der Kaulquappen des Ochsenfroschs“ Ursache dafür sei, dass „sich heimische Amphibien im Wasser nicht mehr entwickelten“. Entsprechende Untersuchungen aus Amerika haben das festgestellt. Laufer ist mit Kollegen seit Ende der 1990er Jahre für die Bekämpfung des Ochsenfroschs in Baden-Württemberg zuständig. Wobei die Situation dort mit der im Landkreis Germersheim nicht vergleichbar sei, sagt er. Der Ochsenfrosch sei im Badischen vor der Bekämpfung schon sehr verbreitet gewesen. Im Kreis Germersheim gibt es nach Angaben von Matthias Klöppel von der Oberen Naturschutzbehörde in zwölf Baggerseen Vorkommen. „In sieben wurden Kaulquappen nachgewiesen“, sagt Klöppel. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn bekämpfen können“, sagt Laufer zur derzeitigen Situation.
Wo liegen die Unterschiede?
Der nordamerikanische Ochsenfrosch ist dem Landschaftsökologen zufolge neben seiner Größe von bis zu 45 Zentimetern von Kopf mit Schenkel gut von heimischen Arten wegen seines Drüsenverlaufs erkennbar: Beim Ochsenfrosch verläuft eine Drüse vom Auge über das Trommelfell runter in Richtung Maul. Bei den heimischen Arten sei das Trommelfell kleiner und die Drüse verlaufe vom Auge über Trommelfell und seitlichen Rücken. Die Männchen hätten ein größeres Trommelfell, das der Weibchen sei kleiner. Von Kopf bis Rumpf sei der Frosch 17 bis 20 Zentimeter lang. Die Kaulquappen, also die Larven, erreichten eine Körperlänge von bis zu 15 Zentimetern.
Wie wird bekämpft?
Im Laufe des Frühjahrs wurden im Auftrag der SGD mehrere Baggerseen eingezäunt und entlang des Zauns Fallen (rund 70 Zentimeter tiefe Plastiktonnen) eingegraben. Die Frösche landen auf ihrem „Weg zum Gewässer irgendwann in der eingegrabenen Tonne“, sagt Laufer. Insgesamt gebe es rund 70 Fanggefäße. Freiwillige Helfer kontrollierten täglich die Gefäße. Bis 14. September wurden auf diese Weise 10 erwachsene, geschlechtsreife Tiere gefangen und 26 heranwachsende Tiere (nicht geschlechtsreif). Kürzlich wurden in Leimersheim und Hördt weitere Baggerseen eingezäunt. Wenn Ochsenfrösche „ins Wasser wollen, können sie das nicht mehr“, sagt Laufer. Und wenn sie abwandern wollten, ginge das auch nicht.
Klöppel ergänzt, dass im Sommer in Zusammenarbeit mit dem THW Germersheim und Speyer in Hördt das Wasser eines Baggersees abgepumpt wurde. Laut Laufer war das bis zu einem gewissen Wasserstand wegen nachfließenden Grundwassers möglich. Mit Schleppnetzen, Köcher und Reusen wurde versucht möglichst viele Schädlinge aus dem Wasser zu holen. Neben „vier Jungtieren wurden 208 Larven herausgeholt“, sagt Laufer. Der Beifang von rund 1000 nordamerikanischen Kalikokrebsen sei beträchtlich gewesen. Auch habe es einige Sonnenbarsche gegeben, die ursprünglich ebenfalls aus Nordamerika stammten.
Wie werden Tiere getötet?
Klöppel sagt, dass die geltende EU-Verordnung und das Naturschutzrecht hier eindeutig seien. Die Tiere werden getötet. Einerseits gebe es Jäger, die mit Kleinkaliber vom Boot aus auf Frösche schießen. Doch es gibt noch eine andere Methode: Die eingesammelten Tiere werden „in einem Container kurzzeitig bei plus 2 Grad Celsius gelagert“, bis sie mit einer Chemikalie betäubt und getötet werden, sagt Laufer. Danach „werden sie kostenpflichtig der Tierkörperbeseitigung zugeführt“, ergänzt Klöppel.
Bilanz und Zukunft?
Bis Mitte September wurden insgesamt 80 erwachsene Ochsenfrösche, 51 Heranwachsende, 167 Jungtiere und 314 Larven getötet. Hinzu kommen rund 104 Tiere, deren Größe unbekannt ist, weil sie unter anderem geschossen wurden. Insgesamt wurden 716 Tiere getötet.
Auf Fragen nach dem Effekt und den langfristigen Chancen der Bekämpfung aus dem Umweltausschusses des Kreises, bei dem das Ochsenfrosch-Management des Landes vorgestellt worden war, zeigten sich die beiden Fachmänner überzeugt, dass die Chancen für eine erfolgreiche Verdrängung und Bekämpfung gut stehen. Laufer schätzt, dass der Ochsenfrosch aufgrund der Größe der Population bereits seit rund zehn Jahren im Landkreis heimisch ist.