Vorderpfalz / Südpfalz
Wie jeder die Tigermücke bekämpfen kann
Warum ist die Tigermücke gefährlich?
Die Tigermücke gilt als aggressiver Plagegeist, der für Menschen und Haustiere gefährlich werden kann. Sie ist tagaktiv und kann die Lebensqualität erheblich reduzieren, sagt Artur Jöst von der Kabs, der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Die Tigermücke gilt als Gesundheitsschädling, weil sie mindestens 25 Viren übertragen kann – darunter das Dengue-, Zika- und West-Nil-Virus. Laut Jöst sind die genannten Viren bei uns noch nicht heimisch, sondern werden meist von infizierten Urlaubsrückkehrern importiert. Wenn die Tigermücke eine infizierte Person in der Nähe sticht, kann sie das Virus übertragen. „Die Tigermücke sticht mehrmals, sie kann also mehrere Menschen infizieren“, sagt der Biologe und Leiter der Arbeitsgruppe, die sich bei der Kabs mit exotischen Stechmücken beschäftigt. Seine Einschätzung: „Die Tigermücke ist gefährlich, weil sie extrem durchsetzungsfähig ist und schnell große Populationen bilden kann, wenn wir nichts machen.“
Muss ich Angst vor Zika-, Dengue- und West-Nil-Virus haben?
Die genannten Viren kommen vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten in Asien sowie Mittel- und Südamerika vor. Durch die Auswirkungen des Klimawandels, die Globalisierung sowie verstärkte Reisetätigkeit verbreiten sie sich jedoch auch auf anderen Kontinenten. Das Zika-Virus ist vor allem für Schwangere gefährlich, weil sich eine Infektion auf das ungeborene Kind übertragen und zu Fehlbildungen führen kann. Eine Erkrankung mit dem West-Nil-Virus verläuft häufig ohne Symptome. In Otterstadt gab es nach Angaben eines Infizierten im vergangenen Sommer einen solchen Fall. Mit dem Dengue-Virus infizieren sich weltweit laut Robert-Koch-Institut jedes Jahr zirka 400 Millionen Menschen. Die meisten Infektionen verlaufen ohne oder mit milden Symptomen.
Grippe-, Corona- oder HIV-Viren kann die Tigermücken laut Kabs-Fachmann Artur Jöst nicht übertragen. Sie gibt Viren nach aktuellem Stand der Forschung auch nicht an ihre Larven weiter. Für Hunde ist die Tigermücke gefährlich, weil sie infiziert Fadenwürmer übertragen kann, die die Herzwurmerkrankung auslösen können. Daran können Hunde sterben.
Woran erkennt man die Tigermücke?
Die Tigermücke ist kleiner als eine Ein-Cent-Münze. Unverwechselbar ist ihr ausschließlich schwarz-weißes Muster. Sie kann an ihren Hinterbeinen identifiziert werden: Ist das letzte Segment der Hinterbeine weiß, handelt es sich um eine Tigermücke. Ebenfalls auffällig ist der silberweiße Streifen, der mittig über den Kopf und den Halsschild bis zum Flügelansatz reicht. Die Tigermücke werde durch das CO2, das wir ausatmen, Körperausdünstungen sowie Wärme angelockt, sagt Artur Jöst. Gängige Mückensprays mit der chemischen Substanz Deet oder Icaridin können helfen. Wer gestochen wird, könne den Juckreiz mit Hitze unterdrücken.
Wo wurde sie schon nachgewiesen?
Die Tigermücke hat sich in Südwestdeutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben von Kabs-Biologe Artur Jöst massiv verbreitet. Am stärksten betroffen ist die Oberrheinebene, die durch ihre sehr warmen Sommer und milden Winter als klimatisch begünstigtes Gebiet gilt. Die Tigermücke verbreitet sich Jöst zufolge aber auch im Neckartal, am Bodensee sowie in Städten wie Kaiserslautern und Stuttgart, die als Wärmeinseln gelten. Im vergangenen Jahr sind in 171 Kommunen in Südwestdeutschland Tigermücken nachgewiesen worden. Im Jahr 2021 waren es nur 42 nachgewiesene Fälle.
Wie wird die Tigermücke bekämpft?
Die Tigermücke kann mit dem biologischen Wirkstoff BTI bekämpft werden. Der Proteinkomplex tötet die Larven der Stechmücken und ist laut Kabs für Menschen und andere Tiere ungefährlich. Bislang setzte die Kabs – wie bei der Bekämpfung der Schnakenplage – auf eigene Helferinnen und Helfer, die die Tigermücke in nachgewiesen betroffenen Gebieten bekämpften und dafür Eigentümer um Zutritt auf deren Grundstücke baten. Weil diese Methode nicht effizient genug sowie sehr personal- und vor allem kostenintensiv für die Kommunen ist, sollen jetzt verstärkt die Bürger bei der Bekämpfung der Tigermücke helfen.
Wo vermehren sich die Tigermücken?
Tigermücken legen ihre Larven in allen natürlichen und künstlichen Behältnisse ab, in denen sich Wasser ansammeln und mindestens sieben Tage stehen kann. Gechlorte Pools, Jauchegruben und Gartenteiche, in denen Fische leben, sind unbedenklich. Brutstätten sind Baumhöhlen, Regentonnen, IBC-Behälter, Reifenlager, Gießkannen, Wassereimer, Blumenuntersetzer, Zierwannen, Friedhofsvasen, Planschbecken, Vogeltränken, Aschenbecher, Kinderspielzeug, Plastikmüll, Clogs, Sonnenschirmständer sowie Blumenkästen mit Wasserspeicher, Getränkedosen, verstopfte Regenrinnen, Sinkkästen, Zeltdächer sowie Brunnen und Gullys. Es gilt die Maßgabe: „Tigermücken sind als Bewohner des tropischen Regenwalds Baumhöhlenbrüter. Je enger und dunkler, desto attraktiver ist eine Brutstätte“, sagt Artur Jöst.
Was können Bürgerinnen und Bürger tun?
Bürger sollen zwischen April und Oktober alle Brutmöglichkeiten konsequent vermeiden. „Gehen Sie in Ihren Garten, nachdem es geregnet hat, schauen Sie nach Wasseransammlungen und entfernen Sie diese, soweit möglich“, empfiehlt Artur Jöst von der Kabs. Das bedeutet, Behältnisse, in denen sich Wasser sammeln kann, entsorgen, abdichten, trocken lagern oder wöchentlich ausleeren. Abläufe sollen frei gehalten werden, damit sich kein Wasser ansammeln kann. Der Innenrand von Regentonnen und Untersetzern soll heiß ausgespült und abgeschrubbt werden. Gullys und Blumenkästen mit Wasserspeicher können mit BTI-Tabletten behandelt werden. Gemeinden stellen den Bürgern die Tabletten kostenlos zur Verfügung. Sie werden in lauwarmem Wasser aufgelöst, die Behandlung soll während der Tigermücken-Saison alle 14 Tage stattfinden. Tigermücken gelten als flugfaul. Daher gilt laut Kabs-Fachmann Jöst: „Die Tigermücken, die Sie belästigen, stammen entweder von Ihrem Grundstück oder aus der Nachbarschaft.“
Was tun Kommunen im Kampf gegen die Tigermücke?
Kommunen und die Kabs informieren die Bürger gemeinsam über die neue Strategie zur Tigermücken-Bekämpfung – wie jüngst in Otterstadt. Zur vom Ortsbeigeordneten Harald Endres (gkL) und Verbandsgemeinde-Bürgermeister Patrick Fassott (SPD) initiierten Informationsveranstaltung kamen fast 200 Bürgerinnen und Bürger aus der gesamten Verbandsgemeinde Rheinauen. Wer Interesse hat, kann sich bei der Kabs melden und wird geschult, wie Brutstätten vermieden und Tigermücken bekämpft werden können. Das Wissen sollen die Bürger an ihre Nachbarn und in der Straße weitergeben. Die Gemeinde wirbt ebenso darum, eine sogenannte Gullypatenschaft und damit die BTI-Behandlung in den Gullys vor der Haustür zu übernehmen.
Info
Mehr Informationen im Netz unter www.kabsev.de