Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenkolumne: Der Traum vom großen Geld, vom Goldkelchen und von der goldenen Mitte

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Geschenke erhalten die Freundschaft und beflügeln, das wissen die Mutterstadter Räte nur allzu gut. Indes kam bei einer Demo eine Mutterstadterin darüber ins Grübeln, wo ihr Platz ist. Und während der Saumagenorden-Party platzierte sich unser Redakteur geschickt neben Promis.

Haushalt: Träumereien

Was für eine nette Geste von Yvonne Wittmann (CDU): Vor ihrer Rede zum Haushalt 2025 in der Mutterstadter Ratssitzung hat sie Bürgermeister Thorsten Leva (SPD) im Namen ihrer Fraktion ein Sparschwein übergeben. Klar, ein schwarzes! Und einen Notfallhammer – für den Fall der Fälle, also falls die Kommune nicht mehr flüssig sein sollte. Zwar ist der Haushaltsplan ausgeglichen, aber eben gerade so. Da könnte jener besagte Fall der Fälle durchaus schneller eintreten, als der Gemeinde lieb ist. Und die Idee der CDU könnte doch eigentlich zu einer sehr wunderbaren Tradition werden. Wie jeder weiß, hat man sich in Mutterstadt eh ganz doll gern! Jede Fraktion beschenkt den Bürgermeister mit etwas Nützlichem, das die Geldsorgen ein wenig lindert. Die Grünen könnten einen geringelten Sparstrumpf stricken. Von seinen Genossen bekommt der Ortschef ein großes (selbstverständlich knallrotes) Kopfkissen, unter das er dann den ein oder anderen übergebliebenen Euro legen kann. Und die FWG könnte ihn mit einem fleißigen Goldesel beschenken. Noch besser wäre natürlich eine Wunderlampe. Am besten für Kämmerin Elke Helm. Auch wenn Yvonne Wittmann es sich in ihrer Rede gewünscht hat, zaubern kann die Finanzchefin der Verwaltung eben (noch?) nicht. Drei Wünsche von einem netten Dschinni, das wär’s doch! Aber ob drei Wünsche der Kämmerin reichen???

Saumagenorden: Fantasien

Dass man während der Fasnacht in andere Rollen schlüpft, ist nichts Neues. Im Gegenteil: Genau das reizt viele Menschen ja daran. Bei der Verleihung des diesjährigen Saumagenordens am Dienstag in Schifferstadt waren unter anderem die Mainzer Hofsänger dabei. In ihren auffälligen Kostümen und mit ihren wunderbaren Stimmen begeisterten sie das Publikum. Offensichtlich aus Bequemlichkeit hatten die Hofsänger aber nach ihrem Auftritt keine Lust mehr, in ihren typischen Kostümen die Heimreise anzutreten. Wie es der Zufall so wollte, gesellte sich der RHEINPFALZ-Reporter unter die Hofsänger, als diese – wieder in Zivil – nach draußen marschierten. Dort stand auch die SPD-Kandidatin für die Landratswahl, Bianca Staßen, und verabschiedete sich freundlich von allen. Zu mir sagte sie: „Ich hätte sie ohne Kostüm jetzt gar nicht erkannt.“ Die Verwechslung nehme ich ihr aber nicht krumm. Selten habe ich so ein schönes und gleichzeitig falsches Kompliment bekommen. Dass mir zugetraut wird, meine engelsgleiche Stimme auf Bühnen in ganz Deutschland zu präsentieren, ehrt einen. Ich glaube, es hätten schon zwei gesungene Töne aus dem Klassiker „Alle meine Entchen“ gereicht, und Staßen hätte ihren Fauxpas erkannt. Meine Stimme ist ehrlicherweise so weit weg von irgendeiner melodischen Klangfarbe, wie der Nordpol vom Rhein-Pfalz-Kreis. Im Nachhinein ärgert mich nur, dass ich die Verwechslung aufgelöst habe. Ich wäre gerne als Gesangstalent nach Hause gegangen… Möglicherweise bin ich auf der Heimfahrt im Auto, als das Radio lief, dann doch ein paar Minuten in die Rolle eines Hofsängers geschlüpft. Aber es ist ja auch Fasnacht.

Demo: Grübeleien

Als am vergangenen Samstag in Mutterstadt eine rechte Partei ihr Treffen im Palatinum abhielt, protestierten etwa 200 Menschen gegenüber für Demokratie und Vielfalt. Dazwischen gab es eine „neutrale Zone“, die Bohligstraße. Dort hielt sich auch der RHEINPFALZ-Reporter auf. Doch er war nicht allein. Auf einer Mauer am Straßenrand saß eine Frau mittleren Alters. Auf den ersten Blick würde man sagen „keine besonderen Merkmale“ und kein optischer Stil, der aufgrund von Kleidung oder Abzeichen die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppierung nahelegen würde. „Ich bin die schweigende Mehrheit“, sagt sie und wirkt ein bisschen bekümmert. „Was soll man denn machen, wenn man weder links noch rechts ist, aber für Demokratie?“, fragt sie den Reporter. „Für Demokratie und Vielfalt demonstrieren die Leute da drüben“, sagt der Reporter. Die Frau schaut auf die bunte Mischung von Menschen, Fahnen und Transparenten. Gerade läuft das Lied von der Arbeitereinheitsfront, das Bertolt Brecht und Hans Eisler 1934 gegen die Nazi-Bewegung geschrieben haben. „Komm' reih' Dich ein, weil Du auch ein Arbeiter bist“, heißt es und wendet sich an „Genossen“. Die Frau, die weniger proletarisch, sondern eher bürgerlich aussieht, schaut skeptisch. „Die sind mir zu extrem“, sagt sie. Etwas später rappt ein Hip-Hopper namens Kafvka: „Ich bin Pazifist, doch ich will Querdenker klatschen, immer noch besser, als sie marschieren zu lassen und mit Nazi-Parolen einen auf Spaziergang zu machen.“ Die Frau steht nicht auf, sie bleibt sitzen, im Niemandsland, irgendwo zwischen Rechts und Links. Die schweigende Mehrheit steht nicht auf.

Ein wunderschönes Wochenende

wünscht die Landkreisredaktion

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