Schifferstadt
Saumagenorden: Preisträger Denis Scheck beweist Witz und Charme
Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher, Marie-Luise Marjan: Der Literaturkritiker Denis Scheck gerät ins Schwärmen, als er die Namen seiner Vorgänger aufzählt. Sie alle sind bereits mit dem bekannten Saumagenorden der KG Schlotte in Schifferstadt ausgezeichnet worden. Am Dienstagabend kam bei der 32. Auflage der Verleihung nun Denis Scheck dazu. Und der gewiefte Preisträger stellte bei der Dankesrede direkt seinen Humor unter Beweis: „Bei dieser illustren Runde an Preisträgern stellt sich hier im Raum natürlich allen nur eine Frage: Warum ich – erst jetzt?“ Das Publikum im Saal lachte und Scheck hatte es sofort in seinen Bann gezogen.
Doch der Fasnachtsabend startete mit einer traurigen Nachricht. Am Vormittag war der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete, ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger der Stadt Schifferstadt und neunter Saumagenordensträger, Theo Magin, mit 92 Jahren verstorben. Das Publikum im Saal gedachte ihm mit einer Schweigeminute. Weil Magin selbst ein großer Fasnachter war, fand die Preisverleihung, auch nach Absprache mit seiner Familie, wie gewohnt statt. Das sei in seinem Sinne, gab die Karnevalsgesellschaft Schlotte zu Beginn der Veranstaltung bekannt.
Viele ehemalige Ordensträger
Und so fing die Ordensverleihung danach in gewohnter Manier mit dem Schifferstadter „Rettichlied“ an. Im Publikum schunkelten dabei neben der politischen Lokalprominenz auch ehemalige Saumagenorden-Preisträger mit – etwa die Schauspielerin Marie-Luise Marjan, die Sängerin Margit Sponheimer oder der ehemalige Fußballschiedsrichter Markus Merk. Und wie in jedem Jahr war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt: Wenig überraschend gab es feinsten Saumagen mit Sauerkraut und Brot.
Die Laudatio für Scheck hielt mit Helmut Markwort ebenfalls ein ehemaliger Saumagenordensträger. Der bekannte Medienunternehmer hatte sich dafür eine besondere Form ausgedacht: In 26 Kapiteln, von A bis Z, brachte er dem Publikum den Preisträger und seine Vorlieben näher. Scheck reise und koche sehr gerne, sei passionierter Jäger, liebe seinen Hund und seine Anzüge – und natürlich seine Frau Christina. „Und mit der Vorsicht eines gebürtigen Schwaben hast du deine Frau erst mit 50 Jahren geheiratet“, betonte Markwort.
Schecks Wirken als Bestsellerautor und Buchkritiker sei für die Literatur von enormer Bedeutung, erklärte Markwort. „Qualität ist das Merkmal seiner Texte. Deswegen hat er diesen Orden absolut verdient.“
Scheck freut sich über den Orden
Es folgte die Verleihung. Prinzessin Eyleen I. – Hoheit der Schifferstadter KG Schlotte – hing dem Literaturkritiker den rund 750 Gramm schweren Rosenquarz um den Hals. Mit Narrenkappe auf dem Kopf präsentiert Scheck als 32. Träger des Pfälzer Saumagenordens stolz dem Publikum seinen Preis. In seiner Rede dankte er seinem Laudator Markwort, „auch wenn ich sagen muss: Diesen grundsympathischen Menschen, den sie da beschrieben haben, Herr Markwort – den würde ich gerne mal kennenlernen.“ Wieder großes Gelächter im Saal. Der Literaturkritiker verwies begeistert darauf, wie köstlich Saumagen als Gericht sei. „Man kann nicht nur Bücher lesen, sondern auch den Teller. Jeden Tag aufs Neue lassen wir uns vom Essen in den Bann ziehen“, erzählte Scheck. Der Saumagen sei aus seiner Sicht eine kulinarische Glanzleistung.
Doch auch der närrische Teil der Veranstaltung kam an diesem Abend in Schifferstadt nicht zu kurz. Neben einer recht politischen und gewitzten Büttenrede von Bernhard Knab als Deutscher Michel, sorgten auch die Preisträger des vergangenen Saumagenordens für gute Stimmung im Saal. Die Mainzer Hofsänger brachten mit ihren Fasnachtsliedern das Publikum zum Schunkeln und Singen.
Spontanes Konzert fürs Publikum
Abgerundet wurde die Preisverleihung durch ein Überraschungskonzert der Sängerin Margit Sponheimer. Weil das Dessert für die geladenen Gäste noch etwas dauerte, schlug sich Sponheimer kurzerhand selbst als Pausenfüller vor, griff zum Mikrofon und sang los. „Das ist jetzt spontan und ungeprobt“, sagte sie. Ihren Klassiker hatte sie aber selbstverständlich im Gepäck. Mit „Am Rosenmontag bin ich geboren“ sorgte sie im ganzen Saal für gute Stimmung.
Dann endete der Abend, natürlich kulinarisch – mit Apfelstrudel und Vanillesoße. „Beim Essen erfährt man mehr über Menschen, als wenn man mit ihnen das Bett teilt“, erklärte Scheck in seiner Dankesrede. Grumbeersupp, Saumagen und das Dessert: Dem Literaturkritiker mundete das Pfälzer Menü auf jeden Fall sichtlich. Und so dürfte Scheck, wie die anderen Gäste wohl auch, vielleicht mit ein bisschen mehr als nur 750 Gramm Rosenquarz die Verleihung des Saumagenordens in Schifferstadt verlassen haben.