Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Waldbrandgefahr: Wie Feuerwehren und Forstamt gerüstet sind

Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern: Auch in der Vorderpfalz bereiten sich die Feuerwehren und Forstämter auf ein s
Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern: Auch in der Vorderpfalz bereiten sich die Feuerwehren und Forstämter auf ein solches Szenario vor.

Hohe Temperaturen und langanhaltende Trockenheit im Sommer begünstigen Wald- und Vegetationsbrände. Feuerwehren und Forstämter in der Vorderpfalz bereiten sich auf den Ernstfall vor. Wo lauern die Gefahren, was sind die Herausforderungen bei der Brandbekämpfung, und was können Bürger tun?

Wo sind Gefahrenschwerpunkte?
Die Wälder in der Rheinebene sind durch Wege und Straßen gut erschlossen und gelten als Erholungsorte. Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Brände schnell entdeckt werden. Auf der anderen Seite steigt dadurch die Gefahr, dass es überhaupt brennt. Denn laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) sind mehr als 90 Prozent der Waldbrände auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Die häufigste Ursache sei der fahrlässige Umgang mit offenem Feuer.

Jürgen Render vom Forstamt Pfälzer Rheinauen kann davon ein Lied singen. Der Förster berichtet bei einem Austausch mit Feuerwehren aus dem Rhein-Pfalz-Kreis sowie aus Haßloch und Speyer, dass sich zuletzt ein Obdachloser im Wald an einem Lagerfeuer ein Ei gebraten habe und es immer wieder vorkomme, dass Personen im Wald rauchen. Das beobachte er zum Beispiel bei Bestattungen im Friedwald bei Dudenhofen. Die Personen wüssten nicht, dass im Sommer teilweise die höchste Waldbrandgefahrenstufe herrsche, sagt Render und ist entsetzt über die Unkenntnis.

Wie sind die Feuerwehren im Rhein-Pfalz-Kreis aufgestellt?
Im Rhein-Pfalz-Kreis gibt es einen Lösch- und Hilfeleistungszug Waldbrand, der sich zum größten Teil aus einzelnen Fahrzeugen und Material der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren zusammensetzt. Die Gemeinde Böhl-Iggelheim stellt zum Beispiel einen Einsatzleitwagen, eine Drohne zur Lageerkundung sowie ein Tanklöschfahrzeug 2000 zur Verfügung. Die Zahl 2000 steht für das Fassungsvermögen des Wassertanks. Aus Römerberg und Dudenhofen kommen weitere Tanklöschfahrzeuge (TLF), die Wehr aus Otterstadt kann mit ihrem neuen geländegängigen TLF 3000 zum Brandort kommen, die Wehr aus Altrip steuert ein Logistikfahrzeug bei. Den Zug ergänzen Fahrzeuge zum Transport von Einsatzkräften und Verpflegung. An Material stehen unter anderem Schläuche, Pumpen, Feuerpatschen, Löschwasserrucksäcke, die 20 Liter fassen, sowie Faltbehälter bereit, um im Wald zusätzlich Löschwasserreservoirs einzurichten.

Die Einheiten und der Zug kommen je nach Ausmaß des Brandes zum Einsatz. Grundsätzlich findet eine Zusammenarbeit zwischen an Wald angrenzende Feuerwehren statt. Im Katastrophenfall können Wehren aus der ganzen Region angefordert werden. Außerdem gibt es Kontakte zu Firmen und Landwirten, die beim Wassertransport unterstützen können.

Was ist bei der Brandbekämpfung wichtig?
Wenn es im Wald brennt, sind ein abgestimmtes Vorgehen der Einsatzkräfte und ein schnelles Unter-Kontrolle-Bringen der Flammen wesentlich. Ein Waldbrand sei im Gegensatz zu einem Hausbrand dynamisch. „Die Flammen können plötzlich heftiger werden, und der Wind kann sie in eine andere Richtung drehen“, sagt Markus Jonas, der sich als ehrenamtlicher Feuerwehrmann aus Böhl-Iggelheim dem Thema Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung im Rhein-Pfalz-Kreis angenommen hat. Besonders wichtig seien daher gut geschulte Einsatzkräfte, die als Sicherheitsposten bei den Einheiten im Wald die Lage beobachten und diese rechtzeitig vor eskalierenden Gefahren warnen, sagt Michael Jaspers, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Rheinauen.

Was sind die Herausforderungen?
Waldbrände entstehen häufig bei großer Hitze und Trockenheit. Damit Wehrleute bei der Brandbekämpfung nicht kollabieren, schaffen Kommunen leichtere Einsatzkleidung an. Ebenso empfiehlt es sich, Feuer im Wald mit dünnen Schläuchen zu bekämpfen, weil es leichter sei, diese durch den Wald zu ziehen, sagt Markus Jonas. Löschwasser könne durch einen Pendelverkehr von den Feuerwehrfahrzeugen herbeigeschafft oder aus einem naheliegenden Gewässer gepumpt werden.

Der Einsatz von Löschhubschraubern sei ebenfalls denkbar – etwa von der Polizei, für die das Land welche anschaffen möchte, oder von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), was im Kreis Germersheim im vergangenen Jahr getestet wurde. Ein Hubschraubereinsatz erfordere aber ein abgestimmtes Vorgehen der Kräfte in der Luft und am Boden, damit das Wasser nicht wie beim Brand am Hambacher Schloss in Neustadt über den Einsatzkräften abgelassen wird.

Wo lauern außergewöhnliche Gefahren?
Die Förster Jürgen Render und Georg Spang verdeutlichen, dass sich aufgrund des Klimawandels im Wald immer mehr Totholz befinde – vor allem in Bereichen, die privaten Waldbesitzern gehören, oder die unter besonderen Schutz gestellt wurden. Abgestorbene Äste und tote Bäume stellen eine Gefahr für die Einsatzkräfte dar, deren Schutz an höchster Stelle stehe. Förster und Feuerwehrführungskräfte sind sich daher einig, dass ein Feuer im Wald auch kontrolliert abbrennen gelassen werden könne, wenn es die Situation zulässt und keine anderen Schutzgüter wie Häuser bedroht sind.

Mit Gefahren wird auch auf dem Bundeswehr-Standortübungsplatz in den Sanddünen zwischen Dudenhofen und Speyer gerechnet. Dort werden Munitionsreste vermutet. Von der Bundeswehr gab es auf RHEINPFALZ-Anfrage bis Freitagabend keine Auskunft, was dort noch liegen könnte und wie die Vorgehensweise ist, wenn es in dem bewaldeten Gebiet zu einem Brand kommt.

Wo sehen die Feuerwehrleute Verbesserungsbedarf?
Stefan Zöller, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen, sieht Defizite beim Digitalfunk, der in den Waldgebieten aufgrund von schlechtem Empfang teilweise nicht funktionsfähig sei. Außerdem fordern die Wehrleute vermehrt Ausbildungs- und Weiterbildungsplätze an der Feuerwehr- und Katastrophenschutzakademie des Landes in Koblenz, die für die Ausbildung der Haupt- und Ehrenamtlichen verantwortlich ist.

Der rheinland-pfälzischen Innenminister Michael Ebling (SPD) hatte im Frühjahr die Eckpunkte zur Neuaufstellung des Katastrophenschutzes vorgestellt. Die Rede ist von einem neuen Landesamt, veränderten Zuständigkeiten, mehr Personal, mehr Aus- und Weiterbildung und einer besseren Ausstattung der Kräfte. Die überwiegend ehrenamtlichen Wehrleute erhoffen sich, dass dies auch umgesetzt wird, und wünschen sich angesichts zunehmender Starkregen- und Hochwasserereignisse sowie Wald- und Vegetationsbränden mehr finanzielle Unterstützung vom Land für geländegängige Fahrzeuge und Material. Sie berichten, dass die Förderrichtlinien sehr eng gefasst, komplex und in der Praxis nicht dienlich seien. Markus Jonas spricht zum Beispiel geländegängige Pick-ups mit Wassertank an, für die es kein besonderes Fahrtraining brauche und mit denen schwer zugängliche Brandstellen besser angefahren werden könnten. Solche Fahrzeuge werden vom Land finanziell aber nicht gefördert.

Dass das Land für jeden Leitstellenbereich in Rheinland-Pfalz bis Oktober insgesamt acht neue, speziell für die Waldbrandbekämpfung ausgestattete Tanklöschfahrzeuge 3000 anschafft, haben die Wehrleute vernommen. Sie weisen allerdings daraufhin, dass zur Integrierten Leitstelle Ludwigshafen nicht nur die Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis gehören, sondern auch der waldreiche Kreis Bad Dürkheim und Neustadt sowie Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal.

Wie sollen sich Bürger verhalten?
Im Wald und in dessen Nähe ist es das ganze Jahr über verboten, Feuer zu machen. Außerdem besteht ganzjährig ein absolutes Rauchverbot. Fahrzeuge sollen nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden, weil sich die Abgasanlage stark erhitzen und einen Brand auslösen kann. Wer im Wald mit Maschinen arbeitet, soll auf Funkenschlag achten. Des Weiteren soll kein Glas im Wald entsorgt werden, es könne ein Feuer entfachen. Wer Flammen entdeckt, soll unverzüglich die Notrufnummer 112 wählen und seinen Standort – entweder mithilfe von markanten Punkten oder Rettungspunkten – angeben.

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