Mutterstadt
Gefahr von herabfallenden Ästen: Holz so brüchig wie Glas
Derzeit setzt dem Wald einiges zu, nicht nur die Trockenheit. Doch gestresste Bäume werden anfälliger für Krankheiten. „Gut die Hälfte der Kiefern ist tot“, sagt der für den Mutterstadter Wald zuständige Förster Georg Spang. Das Eschentriebsterben war schon im Wald, derzeit kommt noch die Ahornrinden-Rußkrankheit dazu. Schon im vergangenen Jahr waren eine Menge Buchen abgestorben. Etwa 90 Prozent der etwa 100-jährigen Buchen hat es nicht mehr geschafft. Spang wollte die toten Bäume fällen, aber dagegen haben BUND und die Untere Naturschutzbehörde Einspruch erhoben.
Tatsächlich gibt es noch eine Menge Leben in toten Bäumen, Insekten und Pilze siedeln sich an, es kommen Vögel, die Maden und Käfer suchen. Deshalb sollten die toten Buchen in der Nähe des Böhlgrabens stehen bleiben. Allerdings stehen einige davon an einem Weg, der dort entlangführt. Und das ist gefährlich. Brüchig wie Glas sei das Holz geworden, da kann durchaus mal ein Ast herunter krachen. Deshalb hat der Förster den Weg mit einem Sperrgatter samt Warnschild gesperrt.
„Der Wald in seiner jetzigen Form ist gefährdet“
„Das wird aber immer wieder abgeräumt“, sagt der Mutterstadter Beigeordnete Hartmut Kegel (FWG). Tatsächlich gebe es sogar Leute, die ihn anrufen, um ihm zu sagen, dass sie die „unnötige“ Absperrung beiseite geräumt haben. Dabei gäbe es genug Ausweichmöglichkeiten. „Unser Wald ist ein Erholungswald und wird von vielen Menschen besucht. Und es gibt sehr viele Wege“, sagt Kegel. Mit 120 Hektar ist das Waldstück, das zur Hälfte auf Limburgerhofer Gemarkung liegt, nicht groß, hat aber gerade deshalb ein dichtes Wegenetz.
Doch über die Zukunft des Waldes muss die Gemeinde sich Gedanken machen – wie alle Gemeinden mit Waldbesitz in der Region. „Der Wald in seiner jetzigen Form ist gefährdet“, bringt der Beigeordnete das Problem auf den Punkt. Gemeint ist damit, dass bestimmte Baumarten sich mit dem Klima schwertun. Die ansässige Kiefer ist ein nordischer Typ, liebt es kühler und feuchter. „Wenn es weiterhin bei uns trocken und heiß bleibt, sind vielleicht mediterrane Bäume besser geeignet“, überlegt Kegel. Ähnliche Gedanken über andere Baumarten hat Förster Spang schon bei früherer Gelegenheit in Schifferstadt geäußert, wo die Gemeinde mit ihren 900 Hektar Wald ganz ähnliche Probleme hat.
Anfang der 2000er war die Situation anders
In Mutterstadt stehe der Wald auf einer unterschiedlich tiefen Sandschicht, unter der Lettenschichten liegen. Wasser kommt also in erster Linie von oben und hält sich im Sand. Doch wenn es lange nicht regnet, kann diese Schicht austrocknen und Bäume, die keine tieferen Wurzeln haben, haben das Nachsehen. Das bestätigt Förster Spang. Manche alte Bäume können nicht ausreichend Wurzeln nachbilden, um das tiefer liegende Wasser noch zu erreichen. Der Förster hofft, dass jüngere Bäume das noch schaffen können. „Viele Flachwurzler wurden verwöhnt, weil wir lange hohe Grundwasserstände hatten“, sagt Kegel. Noch Anfang der 2000er-Jahre habe man öfter im Wald und auf den Feldern Landunter gehabt. Damals wollte man das Oberflächenwasser vor allem schnell wieder los werden, um die Felder bestellen zu können und sich vor nassen Kellern zu schützen. Vielleicht müsse man hier umdenken, meint Kegel. „Vielleicht müssen wir da Regelmöglichkeiten schaffen, um den Fluss des Wassers kontrollieren zu können“, sagt der Beigeordnete.
Achtung, Lebensgefahr!
Wie schon berichtet, wurden am Oberlauf der Bäche bereits Regelungen geschaffen. In den Gemarkungen Haßloch und Böhl-Iggelheim wurden an den Bächen Ableitungen so eingestellt, dass Feuchtgebiete bewässert werden. Dass allerdings den Unterliegern wie Schifferstadt und Mutterstadt dann Wasser fehlt, muss geregelt werden. Die Funktion des Mutterstadter Walds als Erholungsgebiet soll erhalten bleiben, betont Kegel. Allerdings sollten die Waldbesucher auch Absperrungen respektieren. Wer Absperrungen wegräumt, bringt sich und andere in Lebensgefahr, macht er klar.
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