Serie Nahaufnahme (5) RHEINPFALZ Plus Artikel Torsten Kerbeck fotografiert am liebsten Motive im Herbst

Fragiles Wespennest: Manche Motive finden sich direkt vor der Haustür.
Fragiles Wespennest: Manche Motive finden sich direkt vor der Haustür.

„Ich bin ein überzeugter Pfälzer“, sagt der Fußgönheimer Torsten Kerbeck über sich selbst. Deshalb muss der Hobbyfotograf auch nicht unbedingt lange Reisen unternehmen, um seine Lieblingsmotive vor die Linse zu bekommen. Sein Traumreiseziel allerdings ist momentan ohnehin unerreichbar.

Wer sich mit Torsten Kerbeck unterhält, landet unweigerlich beim Wein. Verständlich, denn der 58-Jährige ist nicht nur ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf, sondern auch Kultur- und Weinbotschafter. 13 Monate lang hat er sich im Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt an der Weinstraße hierfür fortgebildet. Viel, viel länger allerdings ist er schon mit der Kamera unterwegs.

Als Kind hatte es ihm die Kodak Instamatic angetan. Im Laufe der Zeit wurde die Ausstattung immer professioneller, aktuell fotografiert er hauptsächlich mit der Fujifilm FinePix HS50 EXR und seinem Smartphone. Sein Paradestück war lange Zeit eine Canon EOS. Diese allerdings machte im Urlaub samt zweier hochwertiger Objektive Bekanntschaft mit dem harten Boden und war seitdem nicht mehr zu gebrauchen. Für seine Tour durch Alaska suchte Kerbeck nach einer „Allzweckwaffe“ und wurde fündig. Die Bridgekamera, die die Eigenschaften einer Spiegelreflex- und einer Kompaktkamera vereint, hat es ihm seitdem angetan und ist quasi zu seiner täglichen Begleiterin geworden.

Wespe am Fenster oder Abendstimmung am See?

Manchmal muss Torsten Kerbeck nicht mal einen Fuß vor die eigene Türe setzen, um ein Fotomotiv zu entdecken. Die Wespe, die am heimischen Fensterrahmen fleißig am Nestbau ist, die Erdhummeln, die sich unter dem Terrassenboden häuslich eingerichtet haben, faszinieren ihn genauso wie die Abendstimmung am 700 Meter entfernten Rohrlachweiher. Meist hat er beide Kameras im Gepäck, um ein Motiv einzufangen. „Und nicht selten gewinnt bei der genauen Betrachtung das Smartphone-Bild“, erzählt er.

Kerbeck, der bei der BASF in der Prozessgestaltung und im IT-Bereich arbeitet, ist kein großer Freund von Nachbearbeitungen. Mal einen Ausschnitt nehmen, das kommt vor. Ansonsten aber belässt er das Foto im Original.

Das Fotografieren hat sich Kerbeck selbst beigebracht, das ganz besondere Auge und den Moment, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, das ist ohnehin Instinkt. „Mach sichtbar, was ohne dich unsichtbar geblieben wäre“, lautet Kerbecks Motto. Hin und wieder steht er im Austausch mit Hobbyfotografen-Kollegen, wie beispielsweise der ebenfalls kürzlich in der RHEINPFALZ porträtierten Maike Müller. Ansonsten braucht er fürs Fotografieren vor allem eines: Muße.

Es zieht ihn raus in die Natur

Blühende Weinreben, die Wingerte in all ihren Farbschattierungen – Kerbeck kann sich nicht sattsehen, greift immer und immer wieder zur Kamera, um all diese einzigartigen Momente festzuhalten. Das ganze Jahr zieht es ihn raus in die Natur, um zu beobachten, einzufangen, wie sie sich verändert. „Am liebsten mag ich den Herbst“, sagt der 58-jährige Weinkenner und -genießer lachend. Riesling ist aktuell bei ihm die Nummer eins, gefolgt vom Sauvignon Blanc. „Hauptsache kein Grauburgunder“, meint er augenzwinkernd. Kerbeck hat auch ein Faible für historische Rebsorten, wie beispielsweise den Roten Riesling, eine im Vergleich zur weltweit verbreiteten Sorte Riesling kaum bekannte, aber in Zeit des Klimawandels hochaktuelle Weißweinsorte.

Neben den Pfälzer Weinen liebt der gebürtige Ludwigshafener Kerbeck den Spargel. Unzählige Aufnahmen des königlichen Gemüses finden sich auf seiner Kamera. Eine davon schaffte den Sprung in die RHEINPFALZ. Ein Dutzend Fotos hat er bereits an die Zeitung geschickt, rund die Hälfte ist erschienen. Auch der Radiosender SWR1 wurde schon auf ihn und sein Hobbay aufmerksam. Nach einem Aufruf des Senders im vergangenen Jahr, Herbstbilder zu senden, schickte Kerbeck eines seiner Lieblingsmotive „Flammende Herbstfarben – Weinreben in der Pfalz bei Leistadt“ dorthin und landete prompt im Radio.

Ein äthiopischer Vulkan steht auf der Wunschliste

Doch es sind beileibe nicht nur die heimischen Motive, die den 58-Jährigen faszinieren. In Alaska bekam er Wale und Bären vor die Kamera, in der Wüste Namibias entstanden beeindruckende Naturaufnahmen. Eine Fotoreise nach Äthiopien zum Vulkan Erta Ale mit seinem gigantischen Lavasee steht ganz oben auf der Wunschliste von Torsten Kerbeck. „Aufgrund von Corona ist das allerdings momentan eher unwahrscheinlich, dass ich dort hinreise“, sagt er. Doch aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Für faszinierende Landschaftsfotos muss sich der Fußgönheimer nicht unbedingt in den Flieger setzen. Die hat er auch direkt vor der Haustüre.

Die Serie

Mehr als 3000 originelle, romantische, künstlerische Motive von Hobbyfotografen aus der Stadt und dem Landkreis haben wir in jüngster Vergangenheit unter dem Titel „Leser fotografieren“ in der Ludwigshafener Rundschau veröffentlicht. In der Serie „Nahaufnahme“ stellen wir die Frauen und Männer hinter der Linse vor. Vorgestellt wurden bisher Helga Petersen, Michael Wüst, Maike Müller und Sr. Hiltrudis.
Weinbotschafter und begeisterter Fotograf: Torsten Kerbeck.
Weinbotschafter und begeisterter Fotograf: Torsten Kerbeck.
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