Serie Nahaufnahme (2)
Geduld und ein gutes Auge: Michael Wüst nimmt vor allem Tiere in den Fokus
Ein Turmfalke in Ruhe und hoch konzentriert, mit Argusaugen auf die Beute fixiert, im Flug und schlussendlich der Turmfalke mit der von ihm anvisierten Maus. Seine Frau hatte einige Greifvögel zuvor beim Joggen genau an dieser Stelle beobachtet und ihrem Mann den „heißen“ Tipp gegeben. Wüst schnappte sich sein Fahrrad und legte sich auf die Lauer. Mit Erfolg. „Reaktionsschnelligkeit und Geduld, ein gutes Auge und ein besonderes Gespür sind bei der Tierfotografie gefragt. Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl, ob es etwas wird“, unterstreicht der Friesenheimer. Tut sich nach einer halben Stunde nichts und kein Tier ist in Sicht, dann zieht Wüst mit seiner Sony Alpha unverrichteter Dinge wieder ab.
Traumland Costa Rica
Tiere in der freien Natur haben es ihm seit einigen Jahren angetan, vor allem die Vögel in den hiesigen Gefilden. Zoo-Aufnahmen sind für Wüst übrigens ein No-Go. Einige außergewöhnliche Fotos sind ihm schon im eigenen Garten gelungen. Dort hatte er in den Wintermonaten Zweige und Äste drapiert, Vogelfutter befestigt und so konnte er direkt aus seinem Arbeitszimmer heraus seine Modelle fotografieren. Sein Höhepunkt aber war die Reise nach Costa Rica. „Ein Traumland für die Fotografie“, schwärmt Wüst. Mit zwei Bildern eines Brüll- und eines Kapuzineräffchens erreichte er bei einem Fotowettbewerb von „Wikinger Reisen“ den zweiten Platz und seitdem können die beiden Äffchen im Online-Katalog des Anbieters bewundert werden.
Stolz ist er auch, wenn seine Fotos in der Rubrik „Leser fotografieren“ der RHEINPFALZ erscheinen. Von zwölf eingereichten Bildern haben es zehn bereits in die Zeitung geschafft. „Es ist schon schön, wenn die Fotos Anklang finden und die Arbeit damit gewürdigt wird.“
„Eigenes Schwarz-Weiß-Labor“
Schon in Jugendjahren lernte Wüst die Analog-Fotografie kennen und schätzen. „Als 17-Jähriger hatte ich ein eigenes Schwarz-Weiß-Labor“, erzählt er von den Anfängen. Sein Hobby schlief aber berufsbedingt ein, beschränkte sich in späteren Jahren lediglich auf die klassischen Urlaubsbilder. Die Entwicklung hin zur Digitalfotografie sieht Wüst ganz klar als Fortschritt. „Es macht vieles einfacher.“ Seine Aufnahmen bearbeitet er in der Regel nur wenig nach. Mal einen Bildausschnitt nehmen oder ein wenig aufhellen, ansonsten bleiben die Fotos original. Die schönsten Motive hängen im Haus der Familie Wüst verteilt an den Wänden und werden hin und wieder durch neuere ausgetauscht. Ausgewählte Aufnahmen setzt er in Fotobüchern in Szene.
Ansprüche steigen von Jahr zu Jahr
Der Friesenheimer bezeichnet sich selbst als Autodidakt, hat sich die Fotografie ebenso wie das Klavierspielen selbst beigebracht. Er entwickelt sich immer weiter. „Und auch die Ansprüche in Sachen Ausstattung sind von Jahr zu Jahr gestiegen“, sagt er augenzwinkernd. Rund eine Stunde pro Tag widmet Wüst der Fotografie. „Die Luft ist noch lange nicht draußen“, sagt der 65-Jährige. Turmfalken, Spatzen, Meisen, Spechte – all die Vögel hat Wüst bereits vor die Kamera bekommen. Einen aber noch nicht: „Ich würde so gerne einen mitteleuropäischen Eisvogel fotografieren.“ Mit seinem orange-stahlblau-türkisen Gefieder ist der „Vogel des Jahres 2009“ ein wahrer Hingucker – nicht nur für Hobbyfotograf Michael Wüst.
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