Serie Nahaufnahme (4)
Warum eine kleine Kamera der ständige Begleiter einer Dominikaner-Schwester ist
Zum Fotografieren kam die gelernte Kinderkrankenschwester eher zufällig. In der BG Klinik, in der sie zehn Jahre lang als Seelsorgerin tätig war, lernte sie einen Fotografen kennen, der dort Fotos für die medizinischen Dokumentationen aufnahm. Er begleitete sie beim Kauf ihrer ersten Kamera, damals noch mit Kleinbild-Film, und gab ihr wertvolle Tipps. Dass daraus ein wahrer Selbstläufer mit Tausenden Fotos werden würde, hätte die gebürtige Neustadterin nicht gedacht.
Ohne Schnickschnack
Seit nunmehr fast 25 Jahren ist der kleine Apparat ihr ständiger Begleiter. Auch ohne technischen Schnickschnack gelingen ihr mit der kleinen Kamera, inzwischen eine digitale, wunderschöne Momentaufnahmen. Für eine hat sie bereits einen Preis beim Wettbewerb einer Bank gewonnen. In der Südpfalz, wo es während des Urlaubs gemeinsam mit Mitschwestern hingeht. Mitten hinein ins Grüne.
In der Natur findet die Dominikanerin immer Motive, die ihr in Form von Reh, Fuchs oder Schmetterling gerne mal von selbst vor die Kamera laufen oder flattern. Auch zu Hause. „Wir suchen uns die grünen Ecken von Ludwigshafen“, sagt die 82-Jährige. „Ich liebe einfach die Natur.“ Ob Kleingartenanlage, Parkinsel oder eben auf der begrünten Dachterrasse – es gibt mehr Natur als man zunächst wahrnimmt. „Da, ein Schmetterling“, macht sie auf den tierischen Gast am blühenden Oleander aufmerksam. Der kleine Bläuling will sich aber nicht recht vor die Kamera trauen und flattert davon.
Tiermotive beliebt
Für Tiermotive muss Schwester Hiltrudis trotzdem nicht unbedingt in die Südpfalz fahren: „Letztes Jahr haben sich an unserer Fassade an einem kühlen Tag Dutzende von Schwalben aufgewärmt. Irgendwie haben sie sich dort festgekrallt“, berichtet sie. Das Foto schickte sie an die Lokalredaktion, die es, wie so viele andere von ihr, veröffentlichte. Zum Fotografieren gehört der Blick für das Besondere im Alltäglichen.
Die unzähligen Grußkarten, die im Zusammenhang mit den früheren Basaren im St. Annastift mit ihren Fotos selbst gestaltet wurden, waren folglich immer schnell ausverkauft. Auch die rund 60 Fotokalender, die Schwester Hiltrudis alljährlich zusammenstellt, sind schnell vergriffen. Bei zwei Ausstellungen, einer in der BG, einer im Marienkrankenhaus, hat die ehrenamtliche Seelsorgerin, die unter anderem auch im Gefängnis gearbeitet hat, bereits ihre Fotos vorgestellt.
Im Moment stellt sie den nächsten Kalender zusammen. Die Texte und Fotos werden sich mit der besonderen Situation zur Corona-Zeit beschäftigen. Die hat natürlich auch die Schwestern getroffen, die ihr Haus während der ersten Zeit nicht verlassen durften.
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