Serie Nahaufnahme (1)
Helga Petersen fotografiert seit mehr als 70 Jahren
Die Bilder aus der Anfangszeit hat Helga Petersen alle in Alben archiviert und blättert immer wieder gerne darin. Elf Jahre alt war sie, als sie ihre Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte. „Damals musste ich zwei Monate lang mein Taschengeld sparen, um mir den ersten Rollfilm zu kaufen“, erzählt die 84-Jährige. Zwei weitere Monate dauerte es, ehe sie wieder das Geld zusammenhatte, um die Entwicklung des Films zu finanzieren. Mit Smartphones und Digitalkameras geht heute alles bedeutend einfacher.
Auch Helga Petersen ist mit der Zeit gegangen, ihre Lumix und das Samsung Galaxy S5 bedient sie wie selbstverständlich. Beide kommen bei ihr – je nach Situation – zum Einsatz. „Fortschritt ist genauso wichtig wie die Tradition“, sagt Petersen und meint dabei beileibe nicht nur die Fotografie. Für Serienfotos greift sie in der Regel auf die Lumix zurück, wenn es schnell gehen muss, ist das Smartphone erste Wahl.
„Mich faszinieren von jeher Bilder. Meine Stärke ist ein ausgeprägtes visuelles Gedächtnis. Das erleichtert mir vieles“, unterstreicht sie. Dieser eine Moment, wenn der Finger den Auslöser verlässt, der ist für Petersen „pure Freude“. Vor allem die Natur, die Tier- und Pflanzenwelt haben es der Schauernheimerin angetan. In ihrem Garten wird sie, obwohl sie schon lange in dem Haus wohnt, tagtäglich überrascht. „Was ich in diesem Garten schon gesehen habe, die einzigartige Fülle. Niemals sieht man zweimal das Gleiche“, betont die Diplom-Kauffrau. „Ich lasse alles immer wieder auf mich zukommen“, sagt sie über die Auswahl ihrer Motive.
Besser als jeder Krimi
Rund 25 Fotos, die sie gemacht hat, wurden bereits in der RHEINPFALZ veröffentlicht. Dass sie doch ein wenig stolz ist, wenn sie die Zeitung aufschlägt und eines ihrer Motive entdeckt, daraus macht die agile 84-Jährige keinen Hehl. „Ich schicke ein Foto hin, bin neugierig, ob es veröffentlicht wird. Dann ziehen manchmal ein paar Wochen ins Land und ich vergesse es. Umso größer ist dann die Freude, wenn es drin ist“, sagt sie.
Die engagierte Seniorin lebt seit 48 Jahren in Schauernheim, ist dort verwurzelt und zu einer echten Pfälzerin geworden. „Es gibt durchaus auch Fotos, auf denen man mich mit einem Glas Wein oder Schorle sieht“, meint sie augenzwinkernd. Bekannte, Freunde, Nachbarn nehmen regen Anteil, wenn ihre Fotos in der RHEINPFALZ erscheinen und selbst Menschen, die sie nur flüchtig kennt, sprechen sie dann an: „Sind Sie nicht die, deren Bilder in der RHEINPFALZ veröffentlicht wurden?“
Helga Petersen hat nicht das eine Lieblingsmotiv, wohl aber eine Zeit, zu der sie gerne zur Kamera greift. Und zwar am liebsten am frühen Morgen, wenn ein zarter Sonnenaufgang die Natur in ein ganz besonderes Licht taucht. Dann gelingen ihr reizvolle Motive. „Natur ist Kunst“, sagt sie. „Ich brauche keinen Krimi, denn der kommt nicht dran an das, was man draußen beim Beobachten und Fotografieren so erlebt.“ Bilder nachbearbeiten, das macht sie schon ein ums andere Mal. Einen Ausschnitt aus einem größeren Ganzen nehmen, das kommt vor. „Doch ich setze beim Nachbearbeiten garantiert keinen Schmetterling oder Emoji aufs Bild.“
Blick fürs Detail
Es sind wunderbare Bilder, die im Laufe der mehr als sieben Jahrzehnte entstanden sind. Der dunkelrote Strauch mit einem Regentropfen, in dem sich Petersen selbst spiegelt, ein Agavenblatt auf Madeira, auf dessen seidigen Untergrund sich ebenfalls durch einen Regentropfen ein Flugzeug spiegelt oder die blaue Physalis mit ihren hellgrünen Blättern, auf der eine Heuschrecke sitzt und durch deren durchsichtiger Maserung die Blattrippen zu sehen sind, sind echte Hingucker und faszinieren Petersen.
Die Hobbyfotografin ist aber auch ganz bodenständig unterwegs. So hat sie in der Vergangenheit eine Reihe von Aufnahmen ihrer vier Enkelsöhne gemacht – in den unterschiedlichen Lebensabschnitten, vom Babyalter bis jetzt. „Die Bilder drucke ich aus und mache daraus Alben. Das sind wunderbare Erinnerungen“, sagt Petersen, die sich vielfältig in ihrer Gemeinde engagiert und auch viele Hobbys hat. Origami, Kochen, Fotografieren – all das hält die 84-Jährige fit. Langeweile kennt das Energiebündel nicht. „Ich habe mir gesagt, dass ich in der dritten Phase meines Lebens all das in die Tat umsetzen werde, was ich mir in den Kopf gesetzt habe“, sagt sie lachend. Die Fotografie ist ein Teil davon – allerdings schon fast ein Leben lang.
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