Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Isenach: Zurück zur Wildnis (mit Bildergalerie)

Die Vegetation hat den Bachlauf erobert. An manchen Stellen kommt man dennoch direkt an die Isenach – und das lohnt sich.
Die Vegetation hat den Bachlauf erobert. An manchen Stellen kommt man dennoch direkt an die Isenach – und das lohnt sich.

Die Isenach bei Lambsheim ist renaturiert worden. Um die Fische steht es in dem rund ein Kilometer langen Abschnitt dennoch nicht gut. Ein Grund dafür ist die Grundel.

Freinsheims hohe Mauern, Dürkheims grobe Bauern und Lambsheims tiefe Gräben brachten manchen schon ums Leben“ – sagt zumindest ein altes Sprichwort. Die Gräben, gespeist von Isenach und Fuchsbach, gehörten einst zur Festung Lambsheims, weiß der Lambsheimer Altbürgermeister Herbert Knoll. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Doch die Isenach prägt Dorf und Region noch heute. Grund genug also, dem Bach ein wenig zu folgen.

Los geht es am Parkplatz der Isenachsporthalle in Flomersheim. Von dort aus gehen wir bis zum Eppsteiner Ortsschild – und nach rechts, in einen schmalen Fußgängerweg hinein. Kanalartig fließt die Isenach tief eingeschnitten neben dem Weg. Auch hinter dem Frankenthaler Vorort fließt der Bach in einem engen Korsett, aber seine Hänge sind grün bewachsen: mit Gräsern, Büschen, Bäumen. Drumherum steht auf weiten Feldern goldenes Getreide. Der Pfad wird von Schilf gesäumt, von Libellen und einer flüchtigen Ente begleitet.

Zu wenige Fische

Wie es um die Fische in diesem Bachabschnitt steht, hat eine Untersuchung im Vorjahr gezeigt: Die Isenach schnitt „schlecht“ ab – und damit deutlich unter dem Niveau von 2021. Nur ein Dreistachliger Stichling und zwei Schwarzmundgrundeln seien gefangen worden, schreibt das Landesamt für Umwelt (LfU) auf Nachfrage. Damit schneidet der Bach schlechter ab als vergleichbare Wasserläufe wie Untere Pfrimm (gut), Rehbach (unbefriedigend) und Speyerbach (mäßig).

Schlimmer noch: Die Grundel ist ein Eindringling aus der Gegend des schwarzen Meeres. Als invasiv gelte sie nur nicht, weil Teile ihrer ursprünglichen Heimat zur EU gehören, so das LfU. „Faktisch jedoch entwickelt sie im Rheinstrom so hohe Individuendichten, dass sie einheimische Arten wie Kaulbarsch, Schmerle und Gründling verdrängen kann.“

In Flomersheim fließt die Isenach anfangs noch durch ein Wohngebiet.
In Flomersheim fließt die Isenach anfangs noch durch ein Wohngebiet.
Schon kurz dahinter liegen zu beiden Seiten des Baches weite Felder.
Schon kurz dahinter liegen zu beiden Seiten des Baches weite Felder.
Aber auch wenn die Umgebung idyllisch scheint: Ökologisch geht es der Isenach schlecht. Das hat nicht zuletzt die Befischung im
Aber auch wenn die Umgebung idyllisch scheint: Ökologisch geht es der Isenach schlecht. Das hat nicht zuletzt die Befischung im Vorjahr gezeigt.
An der Gemarkungsgrenze sollen Zäune und ein Viehgitter verhindern, dass mit der Schweinepest infizierte Wildscheine umherwander
An der Gemarkungsgrenze sollen Zäune und ein Viehgitter verhindern, dass mit der Schweinepest infizierte Wildscheine umherwandern.
Der Weg führt ein Stück an der Straße entlang. Im Hintergrund ragt der Lambsheimer Kirchturm aus der Dorfsilhouette heraus.
Der Weg führt ein Stück an der Straße entlang. Im Hintergrund ragt der Lambsheimer Kirchturm aus der Dorfsilhouette heraus.
Hier fließt ein Teil des Fuchsbaches in die Isenach.
Hier fließt ein Teil des Fuchsbaches in die Isenach.
Die Gebäude der Lambsheimer Mühle verstecken sich, wie auch der Bach, hinter der Vegetation. An dieser Stelle führt ein Durchgan
Die Gebäude der Lambsheimer Mühle verstecken sich, wie auch der Bach, hinter der Vegetation. An dieser Stelle führt ein Durchgang in den Hecken zur Isenach – aber Vorsicht: Dornen!
Die Arbeiten an den alten Mühlengebäuden gehen weiter.
Die Arbeiten an den alten Mühlengebäuden gehen weiter.
Ganz am Anfang war der Blick frei auf den Bach. Für die Renaturierung hatte erst einmal gerodet werden müssen. Im Vordergrund di
Ganz am Anfang war der Blick frei auf den Bach. Für die Renaturierung hatte erst einmal gerodet werden müssen. Im Vordergrund die drei Steine über die Isenach.
Und so sieht die Stelle heute aus.
Und so sieht die Stelle heute aus.
Blick auf Lambsheim – diesmal von Süden, vom renaturierten Bachlauf aus.
Blick auf Lambsheim – diesmal von Süden, vom renaturierten Bachlauf aus.
So sieht der Bach an der Isenachbrücke aus.
So sieht der Bach an der Isenachbrücke aus.

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Spielmöglichkeiten im Dorf

In der Ferne rauscht es. Je nach Windrichtung hört man den Lärm der A61 mal lauter, mal leiser. Der Autobahn nähert man sich auf dem Weg immer weiter an – bis man sie schließlich unterquert. Hier hängen Hinweisschilder aus: Zäune und ein Viehgitter sollen die Ausbreitung der Schweinepest verhindern. Auf dem breiten, asphaltierten Eppsteiner Weg geht es dann an der Kläranlage vorbei, und der Floßbach fließt in die Isenach. Der Weg entfernt sich vom Bach, zwei Straßen müssen überquert werden. An einer dieser Straßen führt der Weg dann entlang. Allzu viel Verkehr gibt es nicht.

Dann erreichen wir Lambsheim. Hinter dem kleinen Gewerbegebiet Im Brand fließt ein Teil des Fuchsbachs der Isenach zu. Im Dorf angekommen gibt es für Kinder einige Spielmöglichkeiten: das Schulgelände ist während der Ferienzeit weitgehend offen, und in der Nähe der Isenach gibt es ein paar Spielplätze. Die Plauderstubb mit ihrem Biergarten und dem Eisverkauf an der Straße lädt zu einer Pause ein.

Hochwasser wegen Mühle

Gegenüber liegt die Lambsheimer Mühle. Auf dem geschichtsträchtigen Gelände sind Wohnungen entstanden, auch speziell für Senioren. Die Mühle hat Dorf und Isenach stark geprägt. „Nach ihrem Bau wurde der Bach an der Fußgönheimer Straße auf einer Strecke von circa 1400 Meter um zwei Meter angehoben“, erklärt Knoll. Damit sicherte man die Wasserversorgung. Es gab aber auch negative Auswirkungen: Verbunden mit Begradigungen am Oberlauf der Isenach sei es nach Starkregen und heftigen Gewittern häufig zu Überschwemmungen gekommen. Der Altbürgermeister erlebte das als Mitglied der Feuerwehr hautnah mit.

Um die Gefahr zu mindern, wurde ab 2008 die mehr als 250 Jahre zurückliegende Anhebung des Bachbetts rückgängig gemacht und das Gewässer für 780.000 Euro renaturiert – oder besser: naturnah gestaltet. „Renaturierung bedeutet für mich, den Bach in seinen ursprünglichen Lauf vor der Mühle zurückzuversetzen“, sagt Paul-Christian Lang, Mitglied des Vereins Lambsheimer Heimatfreunde. Mithilfe von Luftaufnahmen konnte der Hobby-Luftarchäologe den früheren Verlauf nachweisen. An den ehemaligen Bachabschnitten zeigt sich bis heute: Das Land ist fruchtbarer, das Pflanzenwachstum üppiger. „Teilweise weicht das alte Bachbett deutlich vom heutigen ab.“

Vegetation hält Wasser kühl

Schön ist dieser „naturnahe“ Abschnitt dennoch – auch wenn man vom Bach zu dieser Jahreszeit wenig sieht. Denn die Ufer sind dicht bewachsen. Das schütze den Bach vor Überhitzung, sagt Ralf Kopecek vom Lambsheimer Sportanglerverein (SAV). „Wir haben auch im Hochsommer meistens zwischen 16 und 18 Grad.“ Das sei weniger als bei vielen anderen Pfälzer Bächen – und auch weniger als bei späteren Abschnitten der Isenach.

Der SAV hat eine Genehmigung zum Fischen im Bach – und das schon seit den Achtzigerjahren. „Damals gab es in der Isenach noch gar keine Fische.“ Das habe sich Mitte der Neunzigerjahre geändert, sagt Kopecek, „als die Papierwerke hinter Bad Dürkheim ihre letzte Reinigungsstufe eingeführt haben.“ Hier fangen Mitglieder des Vereins sogar Bachforellen und viele Kleinfische. Allerdings: Seit der Renaturierung des Albertgrabens bei Erpolzheim, bei der ein Verbindungsgraben geschlossen wurde, fließe weniger Wasser zur Isenach. „Wir haben dadurch zehn bis 15 Zentimeter weniger.“

Um wieder auf den Weg entlang der Isenach zu gelangen, muss man die Mühle einmal umrunden. Schon kurz dahinter führt ein Pfad zum Bach, wo flache Steine im Wasser liegen. Hier kann man die Isenach trockenen Fußes überqueren – oder im Wasser spielen. Ein ganzes Stück weiter kommen Spaziergänger ein weiteres Mal bis an die Isenach. Nachdem der Pfad einen Knick gemacht hat, kündigt lautes Plätschern die Stelle an: Steine und angeschwemmtes Gehölz bilden einen kleinen Damm. Perfekt für Kinder.

Der Spaziergang endet kurz danach an der Isenachbrücke am Römerweg – nach fast fünf Kilometern wechselhafter Wegstrecke. „In unserer Kindheit haben wir dort Stichlinge gefangen“, erzählt Knoll. Die kleine Steinbrücke bietet sich für eine kurze Pause an, bevor es zurückgeht. Und wer nicht den gleichen Weg zurückgehen möchte, kann vom Bahnhof Lambsheim aus nach Flomersheim fahren.

Serie

Die Badeseen im Rhein-Pfalz-Kreis sind bekannt und im Sommer beliebte Ausflugsziele. Aber auch die Bäche im Kreisgebiet haben Freizeitpotenzial. Besonders für Menschen, die sich für Ökologie und Naturschutz interessieren und vielleicht sogar Interesse am Hochwasserschutz haben. In unserer Serie „Bachlauf“ stellen wir sechs solcher Fließgewässer zweiter und dritter Ordnung vor, und zwar bei Spaziergängen an ausgewählten Bachabschnitten.

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