Lambsheim
Verschwundene Orte: Die Lambsheimer Mühle
Dass Mühlen an rauschenden Bächen klappern, ist eine verbreitete Vorstellung. Der rauschende Bach der Lambsheimer Mühle ist bekanntermaßen die Isenach. Das klappernde Geräusch aus dem Volkslied rührt vom sogenannten Rüttelschuh, der die Körnerzufuhr zu den Mahlsteinen reguliert. Doch nur wenigen Lambsheimerinnen und Lambsheimern dürfte das Klappern vor Ort noch in Erinnerung sein, denn die Mühle stellte schon vor mehr als 35 Jahren den Mahlbetrieb ein.
Wasser treibt Räder an
Die Frage, wo das Wasserrad geblieben ist, wird oft gestellt. Bekannt ist, dass es bis in die 1930er-Jahre hinein zwei hölzerne Wasserräder mit einem Durchmesser von über drei Metern gab. Früher sollen es sogar fünf gewesen sein. Sie befanden sich im sogenannten Wasserbau, dem Gebäude, dessen Giebelseite zur Fußgönheimer Straße hin am weitesten hervorragt. Von außen waren sie nicht sichtbar. Das Wasser, das sie antrieb, kam nicht direkt aus der Isenach, sondern aus einem seitlich abzweigenden Graben, der unter dem Wasserbau durchfloss und mit einer Schließe reguliert werden konnte.
In den 1930er-Jahren wurden die Wasserräder durch moderne Turbinen ersetzt. Ihr Wirkungsgrad war für den gestiegenen Bedarf in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg einfach zu gering. Zeitweise trieb auch elektrischer Strom den Mahlgang an. Wie viele Fließgewässer ist die Isenach launisch, die Wassermenge variiert im Sommer und Winter.
Die für den Mahlgang typischen Mühlsteine aus Sandstein waren in den 30er-Jahren schon lange nicht mehr zeitgemäß. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts kamen neuartige Walzstühle auf, bei denen das Mahlgut durch mehrere hintereinander liegende Walzen gepresst und so bis auf den gewünschten Zerkleinerungsgrad gemahlen wurde. In seinem Buch „Die Lambsheimer Mühle und ihre Geschichte“ schreibt Günter Klein, dass es hier drei Walzstühle gab (oder gibt). Die Kraftübertragung von den Turbinen erfolgte über Treibriemen. Weitere wichtige Geräte waren etwa der Plansichter zur Trennung der Kornbestandteile und der Trieur zur Reinigung des Getreides, deren genaue Funktion in dem Buch ebenfalls erklärt wird.
Betrieb endet 1988
Wie alt die Mühle ist, das lässt sich nicht mehr exakt feststellen. Ältestes bekanntes Datum ist das Jahr 1479. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie zwischen 1804 und 1818. Ein modernes Silo, das 1967 angebaut wurde, verschwand 2021 wieder. Eigentümer der Mühle waren bis 1736 die pfälzischen Kurfürsten, dann die Familien von Haacke und Reudelhuber. Schließlich übernahm die Familie Wiedemann die Anlage. Mit dem Tod des letzten Müllers, Karl Wiedemann, endete 1988 der Mühlenbetrieb.
Durch die mittlerweile hochgewachsenen Bäume entlang der renaturierten Isenach ist die Mühle aus der Ferne nur teilweise zu erkennen. Die historischen Gebäudeteile stehen hinter einer neu errichteten und im vergangenen November eröffneten Tagespflegeeinrichtung gegenüber der Einmündung des Eppsteiner Wegs. Die Lambsheimer Wohnungsbaufirma Kempf, die heutige Eigentümerin des gesamten Anwesens, hat bereits Teile des alten Ensembles restauriert. Die beiden nördlichen Seitenflügel wurden bereits oder werden noch in ihrer ursprünglichen äußeren Form wiedererrichtet und zu Wohnzwecken ausgebaut.
Angedacht ist weiter die Eröffnung eines Cafés. Doch das geschieht, wie alles bei dem Bauprojekt, in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Rhein-Pfalz-Kreises.
Die Serie
„Verschwundenes Lambsheim“ ist das Motto des diesjährigen Kalenders der Lambsheimer Heimatfreunde. Der Vereinsvorsitzende Jochen Glatt beschreibt in der RHEINPFALZ begleitend zum Kalender die Geschichten hinter den Fotos. Auf der Website des Vereins www.lambsheimer-heimatfreunde.de zeigt der Verein, wie es an besagtem Ort heute aussieht. Auch beim Instagram-Kanal @lambsheimer_heimatfreunde sind die Bilder zu sehen. Das Buch „Die Lambsheimer Mühle und ihre Geschichte“ kann bei Renate Young unter Telefon 06233 325712 zum Preis von 20 Euro erworben werden.