Lambsheim
Tagespflege als Alternative zum Heim
Frohe Gesichter am Freitagvormittag in dem Neubau an der Mühltorstraße. Landrat, Bürgermeister und Ratsmitglieder sind gekommen, um sich die Räume der Tagespflege anzuschauen. Denn die Einrichtung schließt im Dorf jetzt die Lücke zwischen der Pflege zu Hause durch Angehörige oder eventuell ambulante Dienste und dem Altenheim Lamundisstift.
Das Haus unter der Leitung von Bernadette Sohns hat 20 Plätze für alte Menschen, die montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr Beschäftigung, Therapie und Betreuung brauchen. Das Tagesprogramm sieht Frühstück, Mittagessen und Kaffee/Kuchen vor, dazwischen versuchen die fünf Pflege- und Betreuungskräfte die Teilnehmer mit verschiedenen Angeboten zu aktivieren. Im Mittelpunkt der ebenerdigen Räume auf 280 Quadratmetern steht die offene Küche. Hier wird immer irgendwas geschafft, sodass die Senioren das Gefühl haben, mitten im Geschehen zu sein. Brauchen sie Ruhe, können sie sich in einen Raum mit bequemen Sesseln und Decken zurückziehen. Auch ein Bett und ein Pflegebad sind vorhanden.
Söhne übernehmen die Geschäfte
So beschreiben Matthias Kempf und Benjamin Hoffmann die Abläufe in der Einrichtung, die bereits ungefähr zur Hälfte belegt ist. Denn vor der Feierstunde am Freitag für geladene Gäste hat schon der Probebetrieb begonnen. Kempf und Hoffmann – Letztgenannter gemeinsam mit seiner Schwester Anja Kempf – haben in ihren jeweiligen Unternehmen, das sind Wohnbau Kempf in Lambsheim und die Wohnstift Betriebsgesellschaft (WGB) in Maxdorf, kürzlich von ihren miteinander befreundeten Vätern die Führung übernommen. Sie dürfen an dem Tag das symbolische rote Band durchschneiden.
Seit 30 Jahren sei die WBG auf dem Pflegemarkt, sagt Hoffmann, und beschäftige heute mehr als 600 Mitarbeiter. An fünf Orten in der Vorderpfalz ist die GmbH mit Pflegeheimen vertreten. Erfahrungen in der Tagespflege hat sie im Maximiliansstift in Maxdorf gesammelt, das Haus in Lambsheim sei die erste externe Tagespflege. Synergien sind möglich, weil die WBG auch Standbeine in den Bereichen Catering und Ambulanter Pflegedienst hat. Und speziell in Lambsheim können Tagespflege und das WBG-Lamundisstift mit kurzen Wegen kooperieren.
Miete schließt Leistungen ein
Das Besondere an dem neuen Lambsheimer Angebot ist das angegliederte Appartementhaus mit acht 1,5-Zimmer-Wohnungen. Geeignet für alle, die abends und nachts alleine zurechtkommen, aber tagsüber eine Anlaufstelle sowie Hilfe brauchen, etwa bei der Verpflegung, dem Putzen und Wäschewaschen. Für 1400 bis 1550 Euro kann man so eine seniorengerechte Wohneinheit mieten – „all inclusive“, wie Benjamin Hoffmann und sein Geschäftsführer Christoph Wagner betonen. Das bedeutet: Der Mietpreis ist fix und schließt Heizung, TV, Telefon, Hausmeister, Notruf und die genannten Dienstleistungen ein.
Mehrfach gedankt wird am Eröffnungstag Seniorchef Volker Kempf. Er hatte die Idee, das im Verfall begriffene historische Mühlenanwesen zu einem „Wohnquartier für alle Altersgruppen und Lebenslagen“ zu machen. Ein „Herzensprojekt“, wie sein Sohn bekräftigt. Auf dem Gelände an der Isenach sind seit 2018 nach und nach ein großes Mehrfamilienhaus und Reihenhäuser entstanden, das eigentliche Mühlengebäude mit Scheune sollte denkmalgerecht saniert werden.
Denkmalpflege lässt warten
Daran hapert es noch, denn die Landesdenkmalpflege ist offenbar noch sehr mit Aufgaben im 2021 überfluteten Ahrtal beschäftigt. „Wir haben derzeit keine Verbindung zur Denkmalpflege“, bedauert Volker Kempf, versichert jedoch, „dass wir ganz schnell loslegen können, wenn unser Sanierungskonzept abgesegnet ist“. Sein großer Dank gilt der Rhein-Pfalz-Kreisverwaltung, genauer gesagt Michael Pack von der Bauabteilung, der die Firma gut beraten und unterstützt habe. Wenn alles einmal fertig ist, werden sich auf einer Fläche von 3100 Quadratmetern 36 Wohneinheiten und 57 Stellplätze befinden.