Bobenheim-Roxheim
Das sind die Themen im neuen Jahr
Bürgermeister Michael Müller (SPD) blickt ziemlich entspannt ins neue Jahr. Ein Grund ist, dass die Personalmisere in der Bauabteilung wohl bald beendet ist. Fachbereichsleiter Thomas Krauß, der lange wegen Krankheit ausgefallen ist, hat die Gemeindeverwaltung verlassen, auf einen Nachfolger hofft Müller bis Ostern. Auf den anderen Stellen sei das Bauamt seit Neujahr wieder voll besetzt, freut sich der 54-Jährige, der vor fast genau elf Jahren ins Amt kam.
Die Verwaltungen im Land befinden sich im Konkurrenzkampf um Mitarbeiter, mal ist die eine Kommune in Nöten, mal die andere. Verbandsfreie Gemeinden in der Größe von Bobenheim-Roxheim haben’s wegen dem, was sie zahlen dürfen, eher schwer. „Also müssen wir die Stellen bei uns anderweitig attraktiv machen“, erklärt Müller. Zum Beispiel durch das Angebot, im Homeoffice zu arbeiten. „Doch das geht nur, wenn die Mitarbeiter dafür keine Aktenberge mit nach Hause nehmen müssen.“ Heißt: Im Rathaus muss die Digitalisierung Fahrt aufnehmen. Daran wird in diesem Jahr verstärkt gearbeitet.
Gemeindevorstand ist gutes Team
Ein anderer Grund, warum Müller guter Dinge ist: Die Zusammenarbeit mit den drei Beigeordneten Georg Zwilling (CDU), Jens Becker (SPD) und Manfred Schärf (FWG) sowie dem neuen Gemeinderat sei gut. „Es herrscht jetzt ein ganz anderer Ton“, nennt der Bürgermeister den entscheidenden Unterschied zur Wahlperiode 2019 bis 2024. Das ist gut, denn es gibt wie immer viel zu tun.
Ende November war Start für die Erarbeitung eines Starkregen-Vorsorgekonzepts. Es soll das bestehende Hochwasserschutzkonzept ergänzen. Anders gesagt: Was Bobenheim-Roxheim tun muss, wenn der Rhein über die Ufer tritt, ist klar – nun muss sich die Gemeinde wappnen gegen Wasser, das bei Unwettern vom Haardtrand in die Ebene fließt und Bäche und Kanäle überlaufen lässt. Wo sind im Ort die Schwachstellen? Wer hat wann schon mal Wasser im Keller gehabt? Wie kann sich der einzelne Hausbesitzer selbst schützen? Darum geht es bei den kommenden Workshops zusammen mit Fachleuten, der erste ist am 22. Januar.
Müller ist zuversichtlich, was die Einwohnerbeteiligung betrifft: „Bei der Auftaktveranstaltung war der Ratssaal jedenfalls voll. Das zeigt: Die Bürger wollen mitreden.“ Gelegenheit dazu wird vermutlich auch beim kreisweiten Radwegekonzept sein. „Das Planungsbüro Modus Consult kommt dazu in alle Kommunen“, weiß Müller. Allerdings ist fraglich, ob das in diesem Jahr schon passiert. Zuerst müsse das Projekt auf Ebene des Rhein-Pfalz-Kreises beraten werden.
Problem Gutenbergstraße könnte gelöst werden
Mitentscheiden, das fordern Bobenheim-Roxheimer seit ein paar Jahren in Bezug auf die Erschließung von neuen Wohnbauflächen. In einem Bürgerentscheid wurde 2021 ein Baugebiet südlich des Globus-Markts abgelehnt. Gegen eine viel kleinere Version nördlich des Littersheimer Wegs gab es ebenfalls Protest. Die CDU hat angekündigt, nach Ablauf der dreijährigen Bindung an den Bürgerentscheid den ersten Plan wieder aus der Schublade holen zu wollen, doch das ist noch nicht passiert. Kann sein, dass es überflüssig wird, denn Michael Müller präsentiert im Gespräch mit der RHEINPFALZ eine Idee, bei der man sich fragt, warum bis dato keiner darauf gekommen ist.
Im Quartier Bobenheim West könnte das Logistikgewerbe in der Gutenbergstraße, das die Anwohner seit Jahrzehnten nervt, aufgegeben werden. Und zwar dann, wenn es machbar ist und sich für den Eigentümer der Gewerbeimmobilien rechnet, die Flächen zu entsiegeln und fürs Wohnen zur Verfügung zu stellen. Der Bürgermeister spricht von der „eierlegenden Wollmilchsau“, also einem Projekt, das mehrere Probleme auf einmal löst und von den Bürgern begrüßt statt kritisiert wird. „Es braucht aber einen Gemeinderatsbeschluss, um diesen Weg einzuschlagen“, sagt Müller.
Neues vom Wormser Flugplatz
Welchen Weg wird der Rat beim Thema Fluglärm beschreiten? Wie mehrfach berichtet, leidet ein Teil der Einwohnerschaft unter den Flugbewegungen über dem Ort, weil der Verkehrslandeplatz Worms so nah ist. Protest, Gespräche, Mediation und Kündigung von Grundstückspachtverträgen – all das hat bislang aus Sicht der Bobenheim-Roxheimer nicht die erwünschte Einschränkung der Start- und Landezeiten gebracht. Die Stadt Worms hat beim Land beantragt, die Gemeinde zu enteignen, damit der künftige Flugplatzbetreiber Rechtssicherheit bezüglich der Bobenheim-Roxheimer Grundstücke auf dem Areal hat. Die zuständige Landesbehörde dringt allerdings erst einmal auf weitere Verhandlungen der beiden Kontrahenten.
Nun hat die Gemeinde im November die Nachricht ereilt, dass Worms so viele Anteile an der Flugplatz GmbH verkauft hat, dass nun die Skyport Equity GmbH die knappe Mehrheit hat und deren Chef Reinhard Ritter Flugplatz-Geschäftsführer wird. Das war mal anders geplant: Ritter, seit zwei Jahren Prokurist der Flugplatz GmbH, sollte den bislang defizitären Landeplatz lediglich pachten und das operative Geschäft führen. „Aber der Unterverpachtung ihrer Grundstücke hätte die Gemeinde Bobenheim-Roxheim zustimmen müssen, und das war nicht zu erwarten“, erläutert Michael Baumann von der Stadtverwaltung auf Anfrage.
Was es für den Start- und Landebetrieb und den damit verbundenen Fluglärm bedeutet, wenn der Unternehmer Ritter künftig das Sagen hat und natürlich Gewinn erzielen will, ist noch unklar. Deshalb gibt Bürgermeister Müller noch kein Statement ab. Der neue Sachverhalt werde mit dem Rechtsanwalt der Gemeinde besprochen, dann werde sich der Gemeinderat damit befassen.
Projekte für Kitas und Schulen
Auf das Gremium – aber noch mehr auf die Verwaltung – kommt außerdem die Umsetzung des sogenannten Kita-Masterplans zu, den zu erstellen länger gedauert hat als gedacht. Im September war die Knobelei vorbei, nun liegt ein Fahrplan auf dem Tisch, wie Bobenheim-Roxheim zu mehr Kindergartenplätzen kommt und gleichzeitig seine bisherigen Einrichtungen zukunftsfähig machen kann.
Gleichzeitig laufen Modernisierungsprojekte an den beiden Grundschulen. Ein Beispiel: Nachdem 2021 in der Sporthalle der Rheinschule mit dem Einbau eines Trennvorhangs zwei Nutzungseinheiten ermöglicht wurden, ist im Herbst der neue Umkleidetrakt in Betrieb genommen worden. Das ist aber nur ein Puzzleteil für die Gesamtmaßnahme, welche die Schulerweiterung zum Ziel hat. Der Anbau wird laut Müller 2025 starten. Er bezeichnet das mehrteilige Schulbauprojekt als größte finanzielle Infrastrukturmaßnahme in der jüngeren Geschichte der Gemeinde Bobenheim-Roxheim.
Wird das Jugendzentrum abgerissen?
Neu gedacht werden muss auch die Jugendarbeit der Kommune. Im Jugendzentrum (Juz) im Kleinerweg gibt es eine Zäsur, weil der langjährige Jugendpfleger Peter Knab in den Ruhestand geht. Zuvor hat er noch das vom Rhein-Pfalz-Kreis verlangte neue Konzept für die offene Kinder- und Jugendarbeit im Ort erstellt. Doch beim neuen Sozialdezernenten Georg Zwilling ist die Überzeugung gereift, dass die Halle, in der Knab so viele Jahre Ansprechpartner für die Bobenheim-Roxheimer Jugendlichen war, eher abgerissen als saniert gehört. Sobald das Juz eine neue Leitung bekommen hat, soll über einen Alternativstandort gesprochen werden, so Zwilling.
Der Erste Beigeordnete ist auch für die Heimatfeste zuständig. Da steht in diesem Jahr die Frage an, wer sich erbarmt und für den Kerweumzug verantwortlich zeichnet. „Das Gondelfest soll neu konzipiert werden“, kündigt Zwilling an, „eventuell aber erst 2026.“ Hier lautet die Frage: Passt der Name des Festes überhaupt noch, wenn auf dem Altrhein mittlerweile weder Gondeln noch Tretboote fahren? Wie es mit der Serata Italiana weitergeht, ist unklar. Für den ausrichtenden Gewerbeverein scheint die Beliebtheit des Festes auf dem Kurpfalzplatz zum Fluch geworden zu sein. Die Stichworte sind Sicherheitsauflagen und Lärmschutz.
In die Offensive geht dagegen das 2024 gegründete Bündnis „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“. Am 27. Januar wird eine Gedenktafel in Roxheim installiert, die an die frühere Synagoge erinnert, am 13. Februar findet ein Infoabend zum Thema Rechtsextremismus statt. „Und wir überlegen, ob wir weitere Stolpersteine verlegen lassen“, sagt Müller als Repräsentant der Gemeinde. Sie ist Mitglied in dem Bündnis, das am Samstag mit Lösemittel und Schabern Aufkleber mit rechter Hetze im Ort entfernt hat.
Termin
Neujahrsempfang der Gemeinde Bobenheim-Roxheim am Sonntag, 12. Januar, 14.11 Uhr, in der Jahnhalle.