Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Vorgaben: Jugendpfleger stellen sich auf Veränderungen ein

Seit gut einem Jahr lockt dieser Pumptrack Kinder und Jugendliche ans Bobenheim-Roxheimer Jugendzentrum.
Seit gut einem Jahr lockt dieser Pumptrack Kinder und Jugendliche ans Bobenheim-Roxheimer Jugendzentrum.

Der Rhein-Pfalz-Kreis hat neu festgelegt, was die Offene Kinder- und Jugendarbeit leisten soll. Daran müssen sich die Gemeinden künftig halten und eigene Konzepte entwickeln, wenn sie Geld vom Kreis wollen. Das dürfte in so manchem Ort die Diskussion um das Thema beenden.

Wer sich das Rahmenkonzept zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die vom Kreis mit OKJA abgekürzt wird, durchliest, könnte meinen, dass auf dem Gebiet bislang jede Kommune machen kann, was sie will. In der Tat dürfte das, was unter „außerschulischem Lernort“ und „Möglichkeit zur Selbstgestaltung und Partizipation“ als Zweck der Jugendpflege benannt wird, im Landkreis unterschiedliche Ausprägungen haben. In einem Ort liegt der Schwerpunkt auf Kindern im Grundschulalter, die gern basteln und spielen, im anderen auf Jugendlichen, die Pumptrack und PC-Spiele schätzen oder einfach nur chillen wollen. Die Jugendpfleger betätigen sich in der einen Gemeinde stärker als Familienberater und in der anderen gern als Organisatoren großer Ferienfreizeiten. Und nicht selten müssen sie sich Kritik anhören, weil Gemeinderatsmitglieder meinen, dass eigentlich alles anders laufen müsste.

Das Kreisjugendamt gibt nun neue Orientierung und macht Vorgaben. Nur Kommunen, die sich daran halten und ein Konzept vorlegen, bekommen vom Kreis einen Personalkostenzuschuss und fachliche Beratung. Demnach soll die OKJA noch stärker die Bedürfnisse der Sechs- bis 27-Jährigen und deren Sozialraum in den Blick nehmen. Sie soll unter anderem Bildungs- und Erholungsort sowie Beratungsstelle sein, Sport, Spiel, Geselligkeit bieten und Schule, Familie, Arbeitswelt berücksichtigen. Und sie soll von sich reden machen, also Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Bobenheim-Roxheim unter den Vorreitern

Das Jugendamt formuliert – je nach örtlicher Personallage – Mindeststandards, die erfüllt sein sollten. Der pädagogischen Arbeit in den Jugendtreffs inklusive Gruppen- und Projektarbeit wird Priorität eingeräumt, sie soll die Hälfte der Arbeitszeit eines Jugendpflegers ausmachen. Erwünscht sind Öffnungszeiten bis 20 Uhr und auch mal am Wochenende. In jeder Ortsgemeinde soll im Sommer eine Ferienbetreuung für Sechs- bis Zwölfjährige stattfinden, und zwar an mindestens zehn Werktagen. Erwartet wird außerdem, dass Jugendpfleger, deren Stelle vom Kreis gefördert wird, Netzwerker sind, Jahresberichte schreiben und sich fortbilden.

Als eine der ersten Kommunen im Kreis hat sich Bobenheim-Roxheim der Aufgabe gestellt und bereits ein Konzept erstellt. Peter Knab, Jugendpfleger in Vollzeit, hat es kürzlich dem Jugendausschuss vorgestellt. Unter der Maßgabe, dass die gerade frei gewordene halbe Stelle wieder besetzt wird, werde das Jugendzentrum im Kleinerweg 28 Stunden in der Woche geöffnet sein, montags bis freitags jeweils von 15 bis 20 oder sogar 21 Uhr. „Unsere Zielgruppe sind die Zehn- bis 27-Jährigen, für die Jüngeren gibt es genug Angebote“, so Knab.

Grillen und Computerspiele

Einmal im Monat soll es eine Wochenendveranstaltung geben, zum Beispiel ein Grillfest oder ein Computerspieltreffen, und für die Sommerferien wird im und am Jugendzentrum ein Freizeitprogramm organisiert. Fester Kooperationspartner soll die Realschule plus sein, und als Instrument der politischen Beteiligung von Jugendlichen schwebt Knab eine Art Runder Tisch vor. Der Einrichtung eines Jugendgemeinderats räumt der Fachmann keine Chance ein.

Knab betont, dass Jugendtreffs und Jugendzentren auf Freiwilligkeit beruhen, „das heißt Kommen und Gehen, wann man will“. Es gebe keine Zugangsvoraussetzungen, und die Inhalte der Jugendarbeit bestimme die Zielgruppe selbst. Das unterscheide die OKJA von den Vereins- oder Verbandsangeboten. Eine Sozialarbeit im engeren Sinne sei nicht vorgesehen.

Schwieriger Start in der VG Lambsheim-Heßheim

Knab und sein Kollege, der die Gemeinde jetzt verlässt, haben sich auch Gedanken über eine „mobile aufsuchende Jugendarbeit“ gemacht. So wollen Zehn- bis 18-Jährige erreicht werden, für die der Besuch des Jugendzentrums noch eine hohe Hürde darstellt. Knab wünscht sich Verstärkung durch Absolventen von Freiwilligendiensten und liegt damit auf einer Linie mit dem Jugendamt. Mit der Ausstattung des Bobenheim-Roxheimer Jugendzentrums ist dessen Leiter zufrieden, und sein Wunsch nach einem zusätzlichen Raum will die Gemeindeverwaltung endlich bald erfüllen.

Die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim arbeitet ebenfalls an dem vom Kreis geforderten Konzept. Mit dem Entwurf soll sich laut Bürgermeister Michael Reith (SPD) nun jede Ortsgemeinde befassen, sodass die Gremien das Papier in absehbarer Zeit verabschieden können. Aber schon jetzt muss die VG den kommenden Veränderungen Tribut zollen: Die langjährige Jugendpflegerin Carmen Wendel hat gekündigt. Auf Anfrage begründet Reith das mit, dass Wendel nach dem neuen Konzept kaum noch Zeit für ihren bisherigen Schwerpunkt Familienhilfe hätte. „Ich bedaure es sehr, dass Frau Wendel zu dieser Entscheidung gekommen ist“, so Reith. Sie sei die tragende Säule der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde gewesen und habe hervorragende Arbeit geleistet.

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