Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Kita-Plätze: So könnte es funktionieren

Kindergartenplätze sind heiß begehrt und auch gesetzlich gefordert. Deshalb muss sich die Gemeinde Bobenheim-Roxheim etwas einfa
Kindergartenplätze sind heiß begehrt und auch gesetzlich gefordert. Deshalb muss sich die Gemeinde Bobenheim-Roxheim etwas einfallen lassen, um den Rechtsanspruch der Kinder sicherzustellen.

Endlich kann die Gemeindeverwaltung in die Umgestaltung der Bobenheim-Roxheimer Kindergartenlandschaft einsteigen. Der neue Gemeinderat hat dafür am Mittwoch einstimmig und mit Applaus einen Masterplan verabschiedet. Wenn alles läuft wie gedacht, hat der Ort am Ende zwei Kindergärten weniger, aber viel mehr Betreuungsplätze als im Moment.

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass das auf Kindergärten spezialisierte Architekturbüro Hort und Hensel den damaligen Gemeinderatsmitgliedern den Handlungsbedarf erläutert hat. Aktuell benötigt die Gemeinde 65 bis 75 zusätzliche Betreuungsplätze, um bis 2028 dem neuen Kita-Gesetz Rechnung tragen zu können. Konkret heißt das: Es muss Ersatz für die provisorische Container-Kita am Rathaus (50 Plätze) und ein Zusatzkontingent von 15 bis 25 Plätzen her. Nach alter Kita-Denkart würde man sagen: Es muss Platz für drei Gruppen geschaffen werden. Hinzu kommt: Bis auf die zwei neuen Kindertagesstätten erfüllt im Ort keine die neuen gesetzlichen Anforderungen. Wenn die alten Einrichtungen nicht saniert, erweitert, umgebaut werden, streicht das Landesjugendamt der Gemeinde 85 jetzt bestehende Plätze.

Viele Varianten wurden geprüft

In Kooperation mit Hort und Hensel sowie den freien Kita-Trägern, also den Kirchengemeinden, hat die Verwaltung an einem sogenannten Masterplan gearbeitet. Vereinfacht könnte man sagen: Die Gesamtheit aller jetzigen Einrichtungen wurde wie ein großer Kindergarten betrachtet, den man nur klug umgestalten muss, um die erforderliche Betreuungskapazität zu schaffen.

Seitdem wurden viele Varianten und Einzelmaßnahmen geprüft und etliche verworfen. Die Erweiterung der Kita St. Laurentius zum Beispiel scheiterte am Grundstückserwerb, der Umbau der Immobilie Pfalzring 51a (heute Asylbewerberheim) an Kosten und Statik. Immer wieder ging es hin und her, wurden im Bauausschuss oder Gemeinderat neue Ideen geboren und Prüfaufträge erteilt. Das Problem dabei: Alle Schrauben, an denen gedreht wird, wirken sich auf das Gesamtsystem aus.

Ein Workshop bringt den Durchbruch

In den Unterlagen zur Ratssitzung, die am Mittwochabend stattfand, macht die Verwaltung deutlich, welche Folgen die jüngste Überlegung aus den Reihen der Bürgervertreter haben würde. Vorgeschlagen war eine Abfolge von Neubau, Umzug, Grundstückstausch, Renovierung und Abriss, die laut Verwaltung dazu führen könnte, dass die Gemeinde ihr Kita-Personal „wegen mangelnder Zukunftsperspektiven beim kommunalen Arbeitgeber“ verliert. Das sei inakzeptabel.

Um endlich zu Potte zu kommen, wurde im August ein Workshop mit Vertretern aller Parteien im Rat veranstaltet, und der brachte offenbar den Durchbruch. Am Mittwoch wurde einstimmig und mit einer kleinen Änderung, die sich Michael Voll (CDU) wünschte, beschlossen, wie es nun laufen soll, wobei organisatorische Feinheiten, wie Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, noch geklärt werden müssen. Der Kommentar von Ratsmitglied Werner Bigott (SPD), es sei gut, dass man sich endlich auf ein Vorgehen geeinigt habe und es weitergehe, wurde im Saal mit Applaus quittiert – vor allem aus dem Zuschauerraum, in dem Vertreter der Kindergärten saßen.

Demnach wird die katholische Kita Edith Stein saniert und – als Ersatz für die Kita St. Laurentius – für 65 oder mehr Kinder erweitert, und zwar auf einem Teil der Rathauswiese, den die politische Gemeinde der kirchlichen überlässt. Im Gegenzug überlassen die Katholiken der Gemeinde den dann leeren St.-Laurentius-Kindergarten und das dazugehörige Grundstück. Dorthin ziehen die 80 Kinder und die Erzieher der kommunalen Kita Breslauer Straße, wenn diese abgerissen und für 125 bis 140 Kinder neu gebaut wird. Eventuell findet sich noch eine andere Lösung für ein Provisorium. Auf jeden Fall sollen Kosten für Container vermieden werden. Die protestantische Kita Regenbogen wird wie berichtet abgerissen und größer als jetzt neu gebaut.

Fachbereichsleiter Frank Unvericht meint, wenn alles so umgesetzt werde und kein unvorhergesehener großer Zuwachs an Kindern komme, zum Beispiel durch Zuwanderung, habe Bobenheim-Roxheim für etwa 20 Jahre mal Ruhe auf diesem Gebiet. Er weist auf weitere Erleichterungen hin: Die Pfarrei müsse dann nur noch einen Kindergarten betreiben und die Kommune nach der Auflösung der Container-Kita nur noch zwei.

Vorerst gibt’s keinen Wald-Kindergarten

Vor dem Hintergrund der Arbeit, die jetzt auf den Gemeinderat und die Verwaltung zukommt, hatte der Antrag der FWG-Fraktion zur Einrichtung eines Wald- oder Naturkindergartens am Mittwoch keine Chance. Fraktionssprecher Florian Reuber hatte ihn mit diesen Worten beworben: „Eine Wald-Kita wäre eine Ergänzung des Masterplans und würde Bobenheim-Roxheim attraktiver machen, auch was die Fachkräftegewinnung betrifft.“

In den Sitzungsunterlagen aber hatte die Verwaltung ausführlich beschrieben, warum das im Moment keine gute Idee sei. Unter anderem habe sich kein Träger gefunden, der so eine Kindertagesstätte an der frischen Luft betreiben würde. Bevor die Freie Wählergruppe Gefahr laufen konnte, dass ihr Antrag zerpflückt und mehrheitlich abgelehnt wird, zog die Fraktion ihn zurück.

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