Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Bahntrasse: Gemeinde will wachsam bleiben

Immer mehr Güter sollen auf die Schiene. Doch wie viele genau ist noch unklar. Die Prognose über die Zugzahlen 2040 lässt noch a
Immer mehr Güter sollen auf die Schiene. Doch wie viele genau ist noch unklar. Die Prognose über die Zugzahlen 2040 lässt noch auf sich warten.

Die Bahn kommt. Besser gesagt: die geplante Güterbahntrasse zwischen Mannheim und Karlsruhe. Nur wann und wo, das ist noch völlig offen. Die Gemeinden auf der linken Rheinseite sammeln jedenfalls Argumente dafür, dass die Trasse auf ihrer Seite wenig attraktiv ist. Das wurde bei der Einwohnerversammlung am Montag in Neuhofen deutlich. Die Gemeinde ist um Sachlichkeit bemüht, während das Thema bei den Bürgern vor allem auf der emotionalen Schiene fährt.

Das Leben kann manchmal ganz schön ungerecht sein. „Neuhofen will seit 40 Jahren den Anschluss an die Bahn. Aber eben nicht so.“ Neuhofens Ortsbürgermeister Ralf Marohn (FDP) leitete die Einwohnerversammlung am Montagabend im Bürgerhaus Neuer Hof mit etwas Humor ein. Denn schließlich lechzt der Ort nach einer Anbindung an das Straßenbahnnetz. Und das hat in den vergangenen Monaten wieder etwas Schub bekommen.

Marohn würde also vor den knapp 300 Gästen lieber über Schienennahverkehr reden. Stattdessen muss er aber über die von der Deutschen Bahn geplanten Güterbahntrasse sprechen. Die Bahn muss auf der Strecke zwischen Rotterdam in den Niederlanden und Genua in Italien auf dem Teilstück zwischen Mannheim und Karlsruhe eine Lücke im Schienennetz schließen. Marohn gibt zu, dass das nicht plötzlich komme. Die Planungen seien aber bislang eher mit dem Fokus auf die rechte Rheinseite erfolgt.

Enge im „Flaschenhals“

Allerdings sind nach wie vor auch zwei linksrheinische Streckenvarianten im Gespräch. Und beide würden am „Flaschenhals“, wie Marohn es nennt, zwischen Limburgerhof und Neuhofen vorbeilaufen. Was in Limburgerhof schon Wellen geschlagen hat. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet. Und die Gemeinde hat inzwischen eine knapp 70 Seiten starke Stellungnahme verfasst, in der sie etliche Raumwiderstände, also Gründe, die gegen eine linksrheinische Trassenführung sprechen, nennt.

Auf Neuhofener Gemarkung würde etwa ein Kilometer der Strecke verlaufen, erläutert Marohn weiter. Entsprechend macht man sich auch auf der anderen Seite der B9 Gedanken über Raumwiderstände. Marohn nennt als vorrangige Themen den Lärm und die Unfallgefahr. „Was passiert, wenn sich mal ein Zug quer legt?“

Argumente bündeln

Bei allen weiteren Argumenten soll das Kaiserslauterer Büro Firu helfen. Das hat schon für Limburgerhofsowie Waldsee und Otterstadt die jeweiligen Stellungnahmen erarbeitet. Und eben jene Widerstände, die bereits für Waldsee und Otterstadt gelten, seien auch für Neuhofen anzuführen. Einer sei die B9, führt Marohn aus. Als weitere Faktoren, die gegen eine linksrheinische Bahntrasse sprechen, nennt er die geplanten Windräder, elektrische Freileitungen und Landschaftsschutzgebiete, die alle von der Trasse in Mitleidenschaft gezogen werden würden. „Wir werden die Argumente gebündelt an die Bahn schicken“, verspricht der Ortschef.

Keine Frage: Auch Marohn und Patrick Fassott (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen, wissen und befürworten, dass grundsätzlich mehr Güter auf die Schiene kommen. Allerdings sei die Strecke vorbei an Limburgerhof und Neuhofen eben ungeeignet, betont Marohn.

Netzwerk wichtig

Was bis vor Kurzem noch niemand so richtig auf dem Schirm hatte: „Wir sind alle davon ausgegangen, dass das eine reine Güterverkehrsstrecke wird“, sagt Marohn. Aber man habe noch mal ganz genau auf die Planung geschaut, und da ist eben von einer Mischverkehrsstrecke die Rede. Heißt: Auf der neuen Trasse können theoretisch auch Personenzüge fahren. „Dann sei aber ein Anschluss an die Hauptbahnhöfe in Mannheim und Karlsruhe sinnvoll. Doch in den Plänen ist die Anbindung nicht vorgesehen. Das ist irgendwie ein Widerspruch in sich“, meint Marohn.

Was also tun? Marohn betont, dass es vor allem um die Frage gehe, wie man politisch Einfluss nehmen könne. Das Netzwerk zu den Landes- und Bundespolitikern sei da sehr wichtig. Und das erste Gespräch sei auch sehr gut gewesen. Vor allem, da die Mainzer und Berliner Politiker aus der Region eher skeptisch seien, dass eine der beiden linksrheinischen Strecken wirtschaftlich umzusetzen ist. Hintergrund: Zum Einstieg müsste zuerst ein Tunnel unter Mannheim, dem Rhein und Ludwigshafen gegraben werden. „Die Wirtschaftlichkeit wird das Hauptargument sein. Doch ob das die Bahn interessiert?“, fragt Marohn.

Als erfahrener Lokalpolitiker weiß er, dass für ein Planungsverfahren viele Varianten geprüft werden müssen. „Aber wir dürfen auch nicht blauäugig sein. Wir müssen wachsam bleiben.“

Noch keine rechtliche Handhabe

Ein Knackpunkt bei der ganzen Sache: Im Moment haben die Gemeinden noch gar keine rechtliche Handhabe, weil das Planfeststellungsverfahren noch gar nicht angelaufen ist. Denn die Bahn hat sich noch nicht für eine Strecke entschieden, mit der sie die Lücke im Schienennetz schließen will. Marohn macht auf die dringende Bitte eines Neuhofeners klar, dass die Gemeinde auf gar keinen Fall die Hände in den Schoß lege. „Aber solange wir noch keinen Hebel haben, ist es auch nicht sinnvoll, einen Anwalt zu beschäftigen.“ Einer dieser Hebel könnte zum Beispiel der Naturschutz sein. Aber auch die Hochwasserproblematik könnte am Ende eine Rolle spielen.

Das Verfahren wird sich wohl auch noch verzögern. „Entscheidend sind die Zugzahlenprognosen für 2040. Und diese Zahlen wurden noch nicht vorgelegt“, erläutert Patrick Fassott. Doch wann diese Zahlen erscheinen, liegt nicht in den Händen der Deutschen Bahn. Diese wird laut Unternehmen von Gutachtern des Bundes erstellt. Und so falle vermutlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2024 eine Entscheidung, mit welcher Variante die Bahn ins Rennen geht. „Im optimalen Fall werden die beiden linksrheinischen Varianten nicht weiter verfolgt. Ansonsten müssen wir alle politischen Kräfte bündeln“, betont der Ortschef.

Geschlossenheit der Bürgermeister

Fassott betont: „Wir verfolgen das Verfahren sehr kritisch.“ Selbstverständlich wolle und könne man nichts ausschließen. Fassott verweist auf seinen Altriper Hintergrund. Auch beim Polder sei man hartnäckig geblieben und habe alle möglichen juristischen Instanzen ausgeschöpft. Er sei sich auch sicher, dass der Rhein-Pfalz-Kreis „uns voll unterstützen wird, wenn’s drauf ankommt“. Marohn hat bei den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden eine „eindeutige Geschlossenheit“ ausgemacht. Er spricht von einer parteiübergreifenden Kooperation. „Wir werden das auch so fortführen.“

Die Straßenbahnanbindung ist am Ende kein Thema mehr. Und auch der Humor ist irgendwie auf der Strecke geblieben. Dafür waren bei den Fragen und Anregungen der Neuhofener zu viele Emotionen im Spiel. Und genau das will Marohn am Ende vermeiden, wenn es an die Gespräche mit der Bahn geht: „Wir wollen sachlich die Argumente austauschen und vortragen.“

Nur räumlich wegen des Beamers ein bisschen getrennt. Ansonsten demonstrierten Ralf Marohn (links) und Patrick Fassott Geschloss
Nur räumlich wegen des Beamers ein bisschen getrennt. Ansonsten demonstrierten Ralf Marohn (links) und Patrick Fassott Geschlossenheit.
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