Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel Dudenhofens Edelfan Michael Malmer ist auf WM-Tour

Weltberühmt: Das „Dudenhofen-Banner des Michael Malmer.
Weltberühmt: Das "Dudenhofen-Banner des Michael Malmer.

Sein blaues Banner mit dem weißen „Dudenhofen“-Schriftzug kennt wohl jeder, der Fußball schaut. Natürlich ist Michael Malmer auch bei der WM in Nordamerika vor Ort.

Vor dem Start des Turniers ist er noch touristisch unterwegs. Und macht sich so seine kritischen Gedanken über den modernen Fußball.

Michael Malmer (44) in Dudenhofen aufgewachsener und mittlerweile in Böbingen wohnender Edelfan der deutschen Nationalmannschaft ist wieder auf Tour, vertritt mit dem blauen Banner mit dem weißen Schriftzug „Dudenhofen“ in den Farben seines geliebten Schalke 04 die Pfalz seit Jahrzehnten bei praktisch allen Weltmeisterschaften, aktuell in den USA, Kanada und Mexiko.

Links George Washington, zentral Thomas Jefferson und Theodore Roosevelt, rechts Abraham Lincoln. Nein, das ist nicht die Viererkette des US-Teams. Es handelt sich um die Anordnung vier jeweils 18 Meter hoher, in Granit gemeißelter monumentaler Porträtköpfe von Präsidenten im Bundesstaat South Dakota.

Aufstellung: von links George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln, vorne Michael Malmer aus Dud
Aufstellung: von links George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln, vorne Michael Malmer aus Dudenhofen am Mount Rushmore im US-Bundesstaat South Dakota.

„Mount Rushmore machen wir heute“, sagt Malmer und meint damit seinen langjährigen Fußball-Begleiter Michael Fischer mit der Fahne „Weiler idB“, wie der Dudenhofener buchstabiert und auflöst: „Weiler in den Bergen“, Stadtteil von Schwäbisch Gmünd, knapp über tausend Seelen, 440 Meter hoch.

Der Rushmore ragt 1745 Meter in den nordamerikanischen Traumhimmel. Was das magische Viereck bedeutender Staatsmänner wohl über seinen aktuellen Nachfolger denkt? Malmer sitzt entspannt mit Kappe, Sonnenbrille, kurzen Hosen vor dem nationalen Denkmal. Er äußert klare Gedanken über den heutigen Fußball, fürchtet angesichts horrender Preise für Eintrittskarten oder öffentliche Verkehrsmittel, beispielsweise von New York Downtown zum MetLife Stadium in East Rutherford um die Zukunft: „Die Ultras sind essenziell wichtig für den Erhalt der Fankultur.“

Flagge „Dudenhofens Sohn“ wurde einkassiert

Aber die moderne Fußballwelt ist eher nicht die des 44-Jährigen. Die dreht sich inmitten der Ultras, der in Farben gekleideten Anhänger beider Lager in den Kurven. Und so schwärmt er auch eher vom jüngsten Pokalfinale Bayern gegen Stuttgart: „Man sieht ja oft gar nicht, was alles dahintersteckt.“ Das gehe bis zur Regulierung, wer wann stehen darf. Und seine ureigenste Flagge mit dem Aufdruck „Dudenhofens Sohn“, die haben sie ihm auch geraubt: zu groß, zu viel Platz einnehmend. Aber damit ist’s nicht aller Tage Abend. Jetzt zwischen den gleichgesinnten Allesfahrern von Ketsch, Adler Bretten, Halle/Saale, da fühlt sich einer unter Freunden: „Es sind ja immer die gleichen.“

Und so gerät die Reiselust immer mehr in den Vordergrund. Elfenbeinküste oder Ecuador? Das ist hier die Frage, Hauptsache zweiter Gruppengegner. Die Spiele ohne deutsche Beteiligung rücken mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit: „Die sind für mich nicht interessant.“

Der Fan als Taktiker

Doch auch der zweifache Familienvater denkt über eine Viererkette nach, die der deutschen Offensive: „Ich bin mir sicher, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann gegen Curaçao alles aufbietet, Kai Havertz, Jamal Musiala, Florian Wirtz“, zählt Malmer auf und bis zu dessen verletzungsbedingten Abreise Lennart Karl. Zum Auftakt tippt er auf einen klaren Sieg, „wenn wir ein frühes Tor schießen“. Das 8:0 über Saudi-Arabien 2002 in Japan und Südkorea kommt ihm in den Sinn – bei allem Respekt vor den Akteuren vom Karibikinselstaat –, die einzige WM, die er seit Jahrzehnten verpasste.

Malmer verlässt Mount Rushmore gen Houston/Texas zum deutschen Auftakt. Cancun/Mexiko, Los Angeles, Toronto folgen („Ich wollte unbedingt alle drei Länder sehen, irgendetwas, wo ich noch nicht war“), im Hinterstübchen die politischen Überlegungen bei zweifelhaften WM-Vergaben an Russland, Katar, Saudi-Arabien. Auch das National Monument in Dakota ist umstritten, gehauen in die Black Hills mit ihren heiligen Stätten der indigenen Lakota und Dakota.

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