Fussgönheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgermeisterabschied: Jochen Schubert freut sich auf Motorradtouren

Jochen Schubert will wieder mehr Zeit für die Familie und den eigenen Betrieb haben. Daher kandidiert er nicht mehr als Ortsbürg
Jochen Schubert will wieder mehr Zeit für die Familie und den eigenen Betrieb haben. Daher kandidiert er nicht mehr als Ortsbürgermeister.

Nicht mehr lange, und Jochen Schubert (FWG) übergibt die Amtsgeschäfte als Fußgönheimer Ortsbürgermeister. Zeit, Bilanz zu ziehen. Zeit, zu sprechen über eine Amtszeit mit Corona-Pandemie, eine zweifelhafte Spitzenreiterrolle der Gemeinde sowie zermürbende Lampenkäufe.

„Mir geht’s gut“, sagt Jochen Schubert beim Treffen mit der RHEINPFALZ im Fußgönheimer Rathaus. Er hat gerade noch ein bisschen in seinem Dienstzimmer dort gearbeitet, bevor es zum Gespräch in den ehemaligen Sitzungsraum geht. Er schaue voraus, sagt er als nächstes. Auf was konkret? „Auf mehr Zeit für Dinge, die ich in den vergangenen fünf Jahren vermisst und zu schätzen gelernt habe.“

Vor allem die Familie wird davon profitieren, dass Jochen Schubert nicht mehr in die Rolle des Ortsbürgermeisters schlüpft. „Sie musste zurückstecken“, sagt er. Vor allem, da er ja noch voll berufstätig sei. Und er weiß: „Ohne die Unterstützung der Familie wäre das nicht gegangen.“

Licht am Ende des Tunnels

Doch jetzt sehe er wieder Licht am Ende des Tunnels und muss lachen. In seinem Elektrobetrieb werde er nach der Amtsübergabe wieder stärker mitmischen. Sein Vater und sein Bruder hätten während seiner Amtszeit als Ortsbürgermeister viel aufgefangen. Und sein Vater sei jetzt 74 Jahre alt. „Es war klar, dass die beiden dann stärker eingespannt sein würden. Vieles ist Routine, aber auch zusätzliche Belastung.“

Pro Tag habe er fünf bis sechs Stunden in die Pflichten als Ortsbürgermeister gesteckt. „Mein Tag hat oft kurz vor fünf Uhr angefangen“, sagt Schubert. Kein Problem für den passionierten Frühaufsteher. Der Kontakt mit den Bürgern des Orts habe ihm immer viel Spaß gemacht. Zum Beispiel bei der Ausgabe von Tabletten zur Bekämpfung von Stechmücken.

546 Tage für eine Lampe

Aber manchmal hat der Bürgermeisterjob auch mürbe gemacht. „546 Tage“, sagt Schubert und zieht leicht die Mundwinkel zu einem schelmischen Grinsen hoch. So lange habe es gebraucht – ab der ersten Beratung –, bis sich die Gremien im Ort über eine Lampe für den Schulhof einig waren. Schubert schüttelt ungläubig den Kopf. „Es waren 40 Seiten Drucksachen“, ergänzt er. Es sei oft schwierig gewesen, einfache, logische Projekte umzusetzen. Das sei einer der Hauptgründe gewesen, warum er nun nicht mehr antrete als Kandidat für eine zweite Amtszeit.

Die Entscheidung, nicht mehr anzutreten, sei früh gefallen. Das habe er dann auch gleich kommuniziert. „Und wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, ist es schwierig, mich umzustimmen.“ Das Amt verändere einen, in der Reaktion auf Menschen. Er vermisse den Gemeinschaftssinn, den es früher in Vereinen gegeben habe. Vor sechs Jahren habe er die Kandidatur für das Amt des Ortsbürgermeisters für eine gute Idee gehalten.

Nicht persönlich nehmen

Angst, als Corona-Bürgermeister in die Dorfgeschichte einzugehen, habe er nicht. „Da kann man nichts machen.“ Ausgesucht hat er es sich ja nicht, dass die Krise ausgerechnet in seiner Amtszeit ausbreche. Aber auch da habe er einiges mitgenommen. „Die Anweisungen, was wir ab Montag alles zu machen haben, habe ich in der Regel samstags in der RHEINPFALZ gelesen“, erinnert er sich. Die Kommunikation der diversen Verordnungen sei suboptimal gewesen.

Mit der Erhöhung des Beitrags für Feld- und Waldwege ist Schubert heute noch nicht glücklich. „Da sind wir Spitzenreiter in Deutschland. Da war ich nicht scharf drauf“, gibt er zu. Er hat damals auch dagegengestimmt. Aber – und das ist eben Demokratie – die Mehrheit im Gemeinderat war eben für die Erhöhung. Persönlich habe er solche Sachen nicht genommen. Aber es habe ihn gestört, wenn Argumente in der Sache nicht gewürdigt wurden. Auf der anderen Seite habe er es oft geschafft, Emotionen aus der Diskussion rauszunehmen.

Kampf mit Progression

Aber wie immer im Leben gilt auch im Zimmer des Ortsbürgermeisters: gute Sachen, schlechte Sachen. Selbstverständlich sei nicht alles schlecht gewesen, sagt Schubert. Er erinnert an die Aufnahme der Schnakenbekämpfung in Zusammenarbeit mit der Kabs. An die Himmelwärts-Bänke. Und an den Naturgarten, der erst vor Kurzem eingeweiht worden ist. „Und der Digitalpakt wurde umgesetzt.“

Schubert übergibt seiner potenziellen Nachfolgerin – Heike Seifert-Leschhorn (CDU) ist die einzige Bewerberin für die Nachfolge – eine Gemeinde, die gerade mit der Progression zu kämpfen hat. Dadurch verliert sie einen Großteil der Einnahmen aus der Gewerbesteuer. „Das knebelt uns. Es wird hart, den nächsten Haushalt aufzustellen“, prophezeit er. Hinzukomme noch, dass das Gute-Kita-Gesetz umgesetzt und die Grundschule auf Ganztagsschule umgestellt werden müsse. „Dafür müssen wir – Stand heute – an die Rücklagen gehen“, meint Schubert.

Kein kompletter Abschied

Bis zu einem gewissen Grad kann er vielleicht noch Einfluss nehmen auf die künftigen Geschehnisse im Gemeinderat. Er steht wieder auf der Liste der Freien Wähler im Ort. „Ich habe die FWG im Ort in dieser Form mitbegründet. Ich kann jetzt nicht einfach sagen: Das interessiert mich alles nicht mehr, ich gehe“, erläutert er seine Beweggründe. Wenn die Wähler ihm weiterhin den Auftrag geben, werde er weiter die Geschicke der Gemeinde mitgestalten.

Auch mit dem Thema Flüchtlinge wird seine mögliche Nachfolgerin zu tun bekommen. „Die Unterbringung hat eigentlich gut geklappt. Aber jetzt geht uns einfach der Wohnraum aus“, hadert Schubert. Und auch mit dem Brandbrief der Bürgermeister aus dem vergangenen Jahr hadere er. Dessen Inhalt sei einfach nicht zur Kenntnis genommen worden.

Kurioser Moment

Neben all den ernsten Themen hat die Amtszeit Schubert aber auch einen kuriosen Moment beschert. Der 56-Jährige erinnert sich an den Diebstahl der Ortsschilder. Die sind nach einem entsprechenden Artikel in der RHEINPFALZ aber tatsächlich wieder aufgetaucht. Mit Süßigkeiten und einer Flasche Sekt als Entschuldigung. „Kurios: Wir waren nur für ein Schild zuständig. Die anderen sind alle von Landesstraßen gestohlen worden. Das war Sache des Landesbetriebs Mobilität“, sagt Schubert. Der Sekt stehe noch in seinem Dienstzimmer in Fußgönheim. Ob er ihn mitnimmt oder quasi als Willkommenspräsent hinterlässt? Schubert grinst.

Er übergebe die Gemeinde im bestmöglichen Zustand, „der mit den vorhandenen Mitteln umzusetzen war“. Es seien Aufgaben zu bewältigen, aber nichts, das nicht machbar sei. Er wolle im Rat darauf hinarbeiten, dass es zügiger geht.

Zügig ist ein gutes Stichwort für das Mehr an Freizeit, das Schubert in Zukunft genießen darf. Dann will er sich wieder verstärkt seinem Hobby Motorradfahren widmen. In seiner Garage warten „alte Supersportler“, wie er es bezeichnet. Eine Kawasaki ZX9R, eine Honda X11 und eine Enduro. „Alle jeweils älter als 15 Jahre“, sagt Jochen Schubert, begleitet von einem freudigen Glanz in den Augen. Er schraube gerne an den Maschinen herum. Und bei den Ausfahrten gebe es kein Telefon, keine Musik. Da gelte die volle Konzentration dem Motorrad. „Ich fahre seit dem 16. Lebensjahr. Damit kriege ich den Kopf frei.“

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