Fußgönheim / Dannstadt-Schauernheim
Acht Himmelwärts-Bänke laden zum Verweilen ein
Es ist schon ein kleines Idyll, dass der Verein Artenerben der Verbandsgemeinde Maxdorf am Fußgönheimer Friedhof geschaffen hat. Es blüht und summt und duftet, bunte Blüten wiegen sich im spätsommerlichen Wind. Spaziert man an der Friedhofsmauer entlang, möchte man gern ein wenig verweilen. Und genau das soll nun bald möglich sein. Beate Özer, Gemeindepädagogin der protestantischen Kirchengemeinde Schauernheim, zeigt auf rote Eisenstangen, die zwei schattige Stellen unter Bäumen markieren. Spätestens am Freitag zur Einweihung werden dort zwei der acht Himmelwärts-Bänke stehen.
Beate Özer ist die Initiatorin für die Ruhebänke, die erstmals in Schauernheim aufgestellt wurden. Entstanden ist die Idee vor einigen Jahren aus einem Projekt ihrer Konfirmanden. Damals beklebten und beschrifteten die Jugendlichen Stühle als Collage mit Worten und Bildern, etwa aus ihrer Biografie und zu ihrer religiösen Einstellung. Herausgekommen seien Sitzmöbel so schön wie kleine Kunstwerke, die zum Nachdenken anregen.
Könnte man das nicht auch für feste Bänke umzusetzen, fragte sich Beate Özer. Auch um so das spirituelle In-sich-Kehren, das zum Beispiel ein Gottesdienst ermöglichen soll, raus aus der Kirche zu holen und rein in den Alltag zu bringen. Es war gedacht als kleiner „Service“ an die Menschen in der Gemeinde. Denn: Das Besondere an den Bänken sind die QR-Codes, die kleine Hilfestellungen sein sollen – um besser abschalten zu können, das tägliche Hamsterrad für einen Augenblick anzuhalten und den Blick bewusst himmelwärts zu richten. Diese Codes können die Ruhenden mit ihren Handys abscannen, und dann – je nach Thema der Bank – eine geführte Meditation, ein Wortspiel oder einen religiösen Text abrufen. Mit der Idee stieß Beate Özer bei Manuela Winkelmann (CDU), Ortsbürgermeisterin von Dannstadt-Schauernheim, damals auf offene Ohren. Sie wünschte sich mehr Bänke in ihrem Ort. Eine glückliche Fügung.
Ähnlich war es in Fußgönheim: Der Grafikdesignerin und Presbyterin Martina Heitzmann-Schulz gefielen die Schauernheimer Himmelwärts-Bänke so sehr, dass sie das Projekt gern auch in ihrem Ort verwirklichen wollte. Hier in Fußgönheim war es der Verein Artenerben, der auch gern mehr Bänke im Ort den Bürgern zum Verweilen bieten wollte. Insbesondere an den Fleckchen Erde, die die Ehrenamtlichen zu kleine Blühoasen umgestaltet haben, wie eben am Friedhof. „Himmelwärts“ sei auch Bürgermeister Jochen Schubert (FWG) sehr gelegen gekommen, der das Projekt von Anfang an unterstützt habe, erzählt Beate Özer. Dennoch habe die Umsetzung gut eineinhalb Jahre gedauert. Gremien mussten befragt und um Zustimmung gebeten werden und Spender für die Finanzierung gefunden werden, so wie in Schauernheim.
Elemente im Fokus
Um geeignete Standorte zu finden, durchquerten Beate Özer und Martina Heitzmann-Schulz den Ort und die Umgebung. „Wir wollten Stellen finden, die etwas abgeschieden und nicht viel frequentiert sind“, sagt die Gemeindepädagogin. Doch auch so mancher Spender hatte schon eine Vorstellung, wo seine Bank stehen soll, etwa der Förderverein Kerwe-Freunde. Seine Bank mit Picknick-Tisch steht etwas außerhalb an einem Bach und hat den Titel „Erdverbunden“. Eine von den Bürgern gespendete Bank heißt „Abendrot“ und steht am Feldweg hinter der Schillerschule mit Blick auf die Haardt. Über den Code kann man sich zum Beispiel in seine Gedanken am Ende des Tages führen lassen. Weitere Bänke haben Titel wie „Windrose“ oder „Im Fluss sein“, die das Motto vorgeben.
Schon in Schauernheim konnten mit den QR-Codes Übungen und Anleitungen zum Fokussieren abgerufen werden. „In Fußgönheim nutzen wir mehr die Natur, um die eigene Spiritualität zu entdecken“, sagt Beate Özer. Es werden Fragen nach dem Transzendenten oder nach den Sehnsüchten gestellt, die Menschen in sich tragen – unabhängig von ihrer Religiosität. Und dem soll anhand der Elemente nachgegangen werden, „etwa in dem man sich bewusst ein Blatt oder die Struktur einer Baumrinde anschaut“, erklärt sie. Die Texte haben sie und der evangelische Pfarrer Wolfram Kerner eingesprochen.
Die Schauernheimer QR-Codes erhalten mit der Neueinführung im Nachbarort ein Update. Für diese neuen Texte hat sich Beate Özer den katholischen Pfarrer und Familientherapeuten Stefan Cibulka mit ins Boot geholt. „Ich habe ihn und seine unkonventionellen Andachten im Allgäu kennengelernt“, erzählt sie. Er habe weniger gepredigt als vielmehr die Menschen in ihren Gedanken begleitet. „Und er hat eine ganz besonders beeindruckende Stimme.“ Zudem sind einige Texte mit Gesang – etwa von Lena und Pauline Bellmann – und Instrumentalmusik unterlegt, was Daniel Barth umgesetzt hat. Sie sind nur drei von etlichen Helfern, wie etwa die Bauhofmitarbeiter, die die Bänke aufstellen. Beate Özer hofft, dass sie auch in Fußgönheim nur positives Feedback für die Himmelwärts-Bänke bekommt wie für jene in Schauernheim. Zwar weiß sie nicht, wie viele Spaziergänger dort zu Ruhe gekommen sind, aber immerhin geben ihr die Abruf-Zahlen der QR-Codes auf der Homepage einen Anhaltspunkt: „Hier war es überraschenderweise die Bank Kraftquelle mit dem alten Jesusgebet, das von Atemübungen begleitet ist“, verrät Beate Özer. Das ist nun auch in Fußgönheim zu hören.
Termin
Am Freitag, 22. September, 18 Uhr, sind alle Interessierten eingeladen, am Friedhof beim Startschuss für die Himmelwärts-Bänke dabei zu sein und mit einem Glas Sekt anzustoßen.